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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Hydrographische Arbeiten des Köntre:Admirals Makarof 
561. 
Die‘ kömplicirten im Archipel‘ vor sich gehenden Erscheinungen müssen 
mittels Fluthmesser studirt werden. Stellt man diese Instrumente an verschiedenen 
Punkten auf und macht man genaue Beobachtungen - über Schwankungen des 
Wasserstandes, so wird man jede Welle so-genau einzeln verfolgen und die 
Schnelligkeit ihres Vordringens bestimmen können, dalßs man von jeder Welle 
wird sagen können, welchen Weg sie zurückgelegt hat. 
Die detaillirte Ausarbeitung der Beobachtungen über die Schwankungen des 
Wasserstandes im Archipel wird Material liefern zu theoretischen Schlüssen über 
Schnelligkeit der Wellen bei verschiedenen Bedingungen der Breite und Tiefe 
des Kanals, in welchem diese Wellen rollen u. 8. W. 
Unsere . unbedeutenden Beobachtungen haben auch bewiesen, dafs der 
Fluthmesser als transportables Instrument angesehen werden kann. Möge man 
Fluthmesser solide aufstellen und Steinbauten für sie errichten, wo dies möglich 
ist, aber will man sich die Gesetze der Verbreitung von Fluthwellen klar machen, 
so muß man daneben mit transportablen Fluthmessern arbeiten, letztere bald 
hier, bald dort aufstellen und die Beobachtungen mit dem festen Vorsatz führen, 
sich keine der Schwankungen des Wasserstandes entgehen zu lassen. 
Ein specielles Schiff; welchem drei bis vier tragbare Fluthmesser zu 
Gebote stehen, kann im Archipel im Laufe eines Jahres so umfassende Beob- 
achtungen machen, dafs ‘sie eine sichere Basie bilden werden zu richtigen Schlufs- 
folgerungen. - . 
Wenn ich von den Schwankungen des Wasserstandes spreche, darf ich 
das Faktum nicht umgehen, daß es nur an wenigen Punkten sichere Pegel giebt, 
Gewöhnlich wird ein solcher Pegel am Kai oder im Hafen befestigt, und da 
diese von Zeit zu Zeit der Reparatur ‚unterworfen werden, so kann man der 
Unveränderlichkeit des Pegels unmöglich trauen. Wohl kann man als Ausnahme 
zugeben, dafs bei Umbau des Hafens der Pegel auf seiner früheren Höhe befestigt 
werde, aber in der Mehrzahl der Fälle hegen die Leute, welche den Pegel um- 
setzen, durchaus kein Interesse für die Genauigkeit des Aufstellens, so dafs die 
nach dem neuen Pegel gemachten Beobachtungen nicht auf denselben Nullpunkt 
wie die früheren bezogen werden. 
Um diesem Fehler vorzubeugen, muß jeder Hafen nothwendig eine im 
Felsen ausgehauene säkulare Pegelmarke haben. Sollte es in der Nähe keinen 
Felsen geben, so muß man an zwei verschiedenen Stellen des Steinkais Marken 
aushauen, damit bei Ausbesserung des Kais an einer Stelle die zweite Pegel- 
marke als Kontrole der ersten dienen kann. ie 
Wichtig ist die Lösung der Frage, wo der Nullpunkt des Pegels sich 
befinden mufs; oft setzt man ihn bei Mittelwasser, da dieses jedoch eine ver- 
änderliche Gröfse ist, so wäre für den Nullpunkt eine andere Lage erwünscht. 
Aufserdem . bietet eine solche Stellung des Nullpunktes noch eine andere Un- 
bequemlichkeit, welche darin besteht, dafs die Ablesungen zwei Zeichen, + und —, 
haben, was einen Anlafs mehr zu zufälligen Fehlern giebt. Am besten ist es, 
den Nullpunkt unter das niedrigste Wasser zu. setzen, so dafs auf das Mittel- 
wasser ungefähr 5 Fuß kömmen; alle Abzählungen haben dann: nur ein Zeichen, 
and die Möglichkeit ist gegeben, eine säkulare Pegelmarke auszuhauen, noch 
ehe irgend welche Beobachtungen zur Bestimmung der Stellung des Mittelwassers 
gemacht sind. , 
5 Wie schon früher erwähnt, konnte ich im Herbst 1895-einen Theil meiner 
Zeit‘ wieder hydrologischen Beöbachtungen widmen. Ich wählte eines meiner 
Schiffe, den. Kreuzer „Admiral Kornflof“, und ging damit in die Laperouse- 
Strafe, in ‘welcher bekanntlich sehr komplicirte Erscheinungen stattfinden und 
auf deren Oberfläche ein Streifen Kalten Wassers existirt.‘ In meinem Buche: 
„Der »Vityaz«*?). und der Stille Ocean“ erkläre ich verschiedene Erscheinungen, 
auf welche ich .in dieser Strafse gestofsen; leider stand mir aber damals nur 
sehr wenig Material zur Verfügung. Diesmal habe ‚ich ‚die Lücken ausgefüllt’ 
and. jetzt ‘besitze ich reiches Material zur Erforschung aller‘ Details der Ver- 
theilung verschiedener Wasserschichten in der Sträfse von Laperouse. Die voll- 
atändige Bearbeitung‘ des Materials wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, 
Name des Schiffes.
	        
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