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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897.
klatur eingeführten Silben Alto- und Fracto- ist derselbe ausgiebige Gebrauch
gemacht, wie in unserem Atlas vorgeschlagen wurde. Man wird sogar weiter-
gehend noch zur Bezeichnung Fracto-Alto-Stratus greifen müssen, um eine Form
zu kennzeichnen, die zur Zeit keinen Namen hat, aber doch charakteristisch ist
ind z. B. auf einer Photographie von Herrn Prinz gut dargestellt ist; ich meine
die Wolkenplatten von beschränkter Ausdehnung in mittleren Höhen mit ein-
{achen Umrissen, die am Rande durchscheinend, in der Mitte etwas dicker sind.
Vor unserem Atlas hat diese Wolkentafel den besseren Farbendruck und
den aufserordentlich niedrigen Preis voraus. Während in unserem Atlas trotz
alles Bemühens ein fataler brauner Ton die Bilder entstellt, sind die Farben
hier zwar etwas hart, aber zutreffend. Ein Uebelstand ist nur das Format der
Publikation: eine Tafel von etwa 7060 cm Fläche, die also kaum anders
bequem zu betrachten ist, als dafs sie entweder an die Wand geheftet oder
zerschnitten wird. Jedenfalls können wir dem „Hydrographic Office“ zu dieser
schönen Veröffentlichung Glück wünschen und ihm dafür unseren Dank aus-
sprechen, umsomehr, als auch diese in der gewohnten liberalen Weise an die
Fachmänner auch in Europa vertheilt worden ist. W. Köppen.
Nautische Tafeln, herausgegeben von Dr. Otto Fulst, ordentlichem
Lehrer an der Seefahrtsschule in Bremen.)
(Abtheilung II der Seewarte.)
Das vorliegende Werk macht im Anschluß an die vom Herausgeber
bereits in den Jahren 1895 und 1896 in den „Annalen der Hydrographie und
Maritimen Meteorologie“ veröffentlichten Aufsätze den Versuch, die praktischen
Seeleute allgemein zur Verwendung von nur vierstelligen Logarithmen bei ihrer
täglichen Besteckrechnung anzuhalten,
Es muß hierbei daran erinnert werden, dafs bereits im Jahre 1852 von
dem nunmehr verstorbenen, um die Förderung der deutschen Nautik verdienst-
vollen Direktor der Seefahrtsschule in Bremen, Dr. Breusing, derselbe Versuch
gemacht worden ist, und zwar in der ersten Auflage seines Werkes: „Kleine
Steuermannskunst als Leitfaden für den Unterricht“ (Bremen 1852, bei Heyse).
Es wurde indefs dieser Versuch Breusings von ihm selbst wieder aufgegeben;
da man in damaliger Zeit — wenigstens in den Kreisen, wo man im Allgemeinen
wohl geneigt war, der von Breusing gegebenen Anregung beizutreten — noch
streng an dem Prinzip festhielt, dals man nur dann sicher mit vierstelligen
Logarithmen rechnen könne, wenn man beim Unterricht in der Schule zuvor mit
sechs- oder mindestens fünfstelligen Logarithmen eingeübt sei. Breusing ging
daher in seinen späteren Werken wieder auf fünfstellige Logarithmen zurück.
Das vorliegende Werk kann in unserer Zeit, wo sich die früher in Wider-
spruch stehenden Ansichten mehr und mehr geklärt haben, nur mit Freude
begrüßt werden.
Besonders bequem für die Praxis ist das kleine Format (Oktav), wodurch
es ermöglicht wird, die Tafeln stets leicht und bequem bei jeder Eintragung
des Bestecks zur Hand zu haben.
Es dürfte jedoch der allgemeinen Einführung der Tafeln für den Gebrauch
an Bord ein schwerwiegender Umstand im Wege stehen, nämlich der, dafs in
denselben eine sogenannte Gradtafel, d. h. die tabellarische Auflösung des
nautischen Kursdreiecks von Grad zu Grad, fehlt, Es ist nur eine sogenannte
Strichtafel für jeden Viertelstrich des Kompasses gegeben.
Es nimmt allerdings eine Gradtafel 45 Seiten in Anspruch, was bei dem
jetzigen Umfange der Tafeln von nur 154 Seiten als eine sehr erhebliche Ver-
mehrung erscheinen mufßs. Dagegen darf aber nicht unbeachtet bleiben, dafs
gegenwärtig auf Dampfern, die den weitaus gröfsten Theil des Weltverkehrs
‘\ Bremen 1897. Verlag von M. Heinsius Nachfolger, Preis gebunden 3,50 Mark.