Köppen: Neue Wolkenbilder,
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Neue Wolkenbilder.
Classification of Clouds for the Weather Observers of the Hydrographic Office. Washington 1897,
Preis 40 Cents,
In vorzüglichem Farbendruck liefert das hydrographische Amt der. Ver-
einigten Staaten auf diesen 12 Bildern seinen Beobachtern eine Darstellung der
Klassifikation von Hildebrandsson-Abercromby in der jetzt international ange-
nommenen Fassung derselben. Die Bilder sind vom bekannten Maler Rudolf
Cronau unter der persönlichen Leitung des früheren „Hydrographen“, Kapt.
Ch. Sigsbee entworfen, und zwar sowohl künstlerisch als, was noch wichtiger ist, mit
vollem Verständnifs, auf Grund des Wolken-Atlas von Hildebrandsson, Neumayer
und dem Unterzeichneten, sowie des neueren internationalen Atlas. So interessant
der Letztere für den Fachmann ist, so mufs ich der jetzt vorliegenden Bilder-
sammlung in praktischer Beziehung den Vorzug geben, weil die technischen
Schwierigkeiten in ihr besser überwunden sind als in jenen beiden Atlanten.
Die Definitionen der einzelnen Wolkentypen sollen sich in der KEin-
leitung zur neuesten Ausgabe der Formulare für Wetterberichte und für das
Sturm-Tagebuch finden (Form 105 und 105b), die uns nicht zugekommen sind.
Aufserdem aber findet sich eine kurze und klare Auseinandersetzung über diese
Sache in der „Pilot Chart“ vom Nordatlantischen Ocean für den Juni 1897; im
dieser sind die Hauptpunkte des neuen Systems besprochen und mit dem bis
dahin vom „Hydrographic Office“ verwendeten Howardschen System verglichen,
Der unangenehme Zwiespalt im Gebrauch des Namens „Stratus“ ist nach
dem Vorgang des „Internationalen Atlas“ dahin erledigt, dafs die mehr oder
weniger zusammenhängende niedrige Decke als Stratus, die Fetzen. derselben
aber, wie man sie an Bergen schon von ganz geringer Höhe treiben sieht, als
Fracto-Stratus bezeichnet sind, wobei die geringe relative und absolute Höhe für
beide den wesentlichsten Zug abgiebt. Der zweite von Hildebrandsson und
Abercromby betonte Punkt, die Trockenheit des Stratus im Gegensatz zu ebenso
tief hängendem Nimbus, ist im Text der „Pilot Chart“ fallen gelassen, ob mit
Absicht, weifßs ich nicht („The heavy cloud sheets, hanging at a moderate height
and threatening rain, are also included in the name stratus, although the same
eloud would be recorded as nimbus by an observer a few miles distant, at a
point where the rain had already actually begun to fall“). Wir meinen, jede
regendrohende Wolke, d. h. jede Wolke, die das für regnende Wolken charak-
teristische Aussehen hat, sollte (je nach ihrem Charakter) als Nimbus oder Cumulo-
Nimbus bezeichnet werden, auch wenn scheinbar oder wirklich aus ihr kein
Regen fällt, während umgekehrt ein typischer Cumulus oder Strato-Cumulus,
der einen leichten Regen- oder Schneefall bringt, darum noch nicht Nimbus zu
nennen ist. . Eine Nomenklatur aufzustellen, die für alle vorkommenden
besonderen Fälle ausreicht, ist übrigens bei Wolkenformen sicher aufserhalb der
Möglichkeit. .
In Bezug auf die Hauptsache: die Unzweideutigkeit und Ausschliefsung
jedes Mifsverständnisses, ist in .den neuen Wolkenbildern so ziemlich Alles
erreicht, was bei diesem schwierigen Gegenstande irgend erreicht werden kann,
Und zwar sind gerade die schwierigsten Objekte, Cirro-Stratus, Alto-Stratus und
Strato-Cumulus als besonders gut gelungen zu bezeichnen, während eines der ein-
fachsten, der Cirro-Cumulus, es am ‚wenigsten ist. Denn Cirro-Cumulus-Heerden
gehen freilich durch Perspektive nach dem Horizont hin in schmale graue oder
weiße Wolkenstreifen über durch allmähliche Verwischung ihrer Bällchen-
Struktur, aber solche abwechselnde Lagerung von Ci-Cu- und Ci-S-Formen,. wie
sie das Bild darstellt, ist nichts weniger als charakteristisch. Der Fracto-Cumulus
ist‘ hier auch für den Laien weit leichter kenntlich als auf Taf. XI des inter-
nationalen Atlas. Der Cumulo-Nimbus (eine ebenfalls schwierige Form). ist
durchaus typisch dargestellt, nur hätte der Laie auf das Wesentlichste daran;
den falschen Cirrus an dem einen Gipfel, durch den Text aufmerksam gemacht
werden müssen, da eine Form mit sehr kleinem Schirm zur Darstellung gewählt
ist. Sehr zweckmäfsig sind die Hinweise auf verwandte Formen, die unter den
Bildern gegeben sind, Yon’ den durch Renou und Poey in die Wolken-Nomen-