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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897.
In dieser Region wird kurz vor dem Eintreten eines Kaltwetter-Sturmes
die Bewegung eine andere. Nach Dallas „wird das Wetter gestört. Eine
Depression erscheint über Afghanistan, und Wolken kommen über Simla, ziehend
aus Südost und Ost gegen Nordwest und West.“ Wenn Dallas auch diese
Strömung als Folge der nahenden Depression anzusehen scheint, so ist doch
jedenfalls ihr Vorhandensein zweifellos beobachtet. Als Beobachtung betrachtet
erfährt sie auch von Eliot Bestätigung. Denn nach diesem vollzieht sich die
eyklonale Cirkulation bei Kaltwetter- Stürmen hauptsächlich in den mittleren
Schichten der Luft und liegen dieselben zwischen 10000 und 25000 Fuß,')
Als „wahre cyklonale Winde“ erfordert eine Depression der Nord - Halbkugel,
deren Nahen von Westen angenommen wird, solche aus östlicher bis südlicher
Richtung.
Durch die übereinstimmend von Dallas und Eliot vertretenen Beobach-
tungen eines oberen Windes aus dem südöstlichen Quadranten ist aber die
physische Voraussetzung meiner Theorie der nordindischen Kaltwetter - Stürme
erwiesen. ?)!) Vor der von Eliot als Ursache angenommenen Westströmung hat
ein solcher Wind im Besonderen noch voraus, dafs er den beanspruchten Dampf-
vorrath wirklich besitzt, ähnlich dem Südostpassat im Sommer über Indien, dem
er nach Höhenlage und Richtung entspricht.
Die von Eliot nachgewiesene Strömung aus Westen kann in einer tieferen
Luftschicht gleichzeitig herrschen. Sie kann auch während des Sturmes in dessen
Felde erlöschen, um ihre Herrschaft in jener Luftschicht danach wieder auf-
zunehmen. Im Bereich der Schichten, zu denen sie gehört, vollzieht sich nach
meiner Theorie hauptsächlich die von dem Hochsturm aus dem südöstlichen
Quadranten veranlalste Wogenbewegung. Unter beiden Umständen ist die
Eliotsche Westströmung geeignet, die unmittelbar durch diese Wogen oder
unter Vermittelung von Wirbeln veranlafsten Druckunterschiede nach Osten zu
transportiren.*) Die Kaltwetter - Stürme schreiten thatsächlich nach Osten fort.
Für die Bewegung, nicht für die Entstehung der Kaltwetter-Depressionen möchte
ich also die Eliotschen Nachweise zur Erklärung benutzen,
Dieselben beziehen sich leider nur auf einen kleinen Theil des Beobachtungs-
materials, wenn gestattet ist, nach den Verhältnissen des Winters 1889/90 zu
urtheilen, auf weniger als ein Sechstel desselben. Für die Monate Januar bis
März 1890 habe ich auf Seite 300 der angegebenen gröfseren Arbeit *) die Nieder-
schlagsepochen angeführt, die sich an das Auftreten von Depressionen im Kalt-
weitergebiet anschlossen. Als Niederschlagsepochen sind dabei einzelne Tage
mit wenig Niederschlag an einer einzigen Station nicht angesehen. Von jenen
sechs Niederschlagsepochen würdigt Eliot nur zwei einer Besprechung als
„Storms“, fügt dazu eine dritte Epoche nach dem Kriterium der Depressions-
bildung. Nach diesem Kriterium sind aber einschliefslich Dezember 1889 noch
wenigstens elf Epochen heranzuziehen. Es ergeben sich also im Ganzen mindestens
achtzehn Epochen der Kaltwetter-Stürme 1889/90, von denen Eliot nicht mehr
als drei beschrieben hat. In anderen Jahren ist das Verhältniß nicht günstiger.
Aus dem Winter 1887/88 beschrieb Eliot nur vier, 1888/89 nur sechs „Storms“,
während ich an der angegebenen Stelle allein im ersten Vierteljahre 1888 26,
1889 22 Depressionen zählte, die das Kaltwettergebiet beeinflufsten. Eliot hat
unwillkürlich die ihm typisch erscheinenden Fälle ausgewählt, deshalb wohl auch
die von mir analysirte Depressionsbildung ganz übergangen. Die genaue Erforschung
der Kaltwetter-Stürme muß demzufolge einer umfassenden Neubearbeitung vor-
behalten bleiben.
Eliot a. a. O., S. 834,
„Meteorologische Zeitschrift“, Wien 1891, S. 422 bis 425.
_ „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik“, XV, Wien 1893, S. 294 bis 302.
) Dieser 'Uransport von Luftwogen in einer strömenden Luftschicht ist physikalisch ebenso
gut möglich wie derjenige einer Wogenwiege mitsammt der Bewegung ihres Wasserinhalts auf der
Eisenbahn oder mit anderen Transportmitteln,
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