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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Krebs: Zur Frage der indischen Niederschlags-Prognosen, 
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Zur Frage der indischen Niederschlags-Prognosen. 
Von WILHELM KREBS. ; 
Die Theorie der Kaltwetter-Stürme. 
Ueber Wettervorhersagen für Indien auf längere Zeiträume‘ ist in der 
englischen Wochenschrift „Nature“ vom 26. November 1896 von Douglas 
Archibald eine Mittheilung veröffentlicht, die auch in deutschen Fachzeitschriften 
durch Uebersetzungen verbreitet ist. Sie bezieht sich auf Vorhersagen der 
Monsun- und der Kaltwetter-Niederschläge. 
Bei Behandlung der Letzteren ist große Unklarheit über die Strömungen 
in höheren Schichten des Luftkreises zu bemerken. Im Anschluß an Eliot 
sieht Archibald für das Zustandekommen der Kaltwetter-Stürme als wesentlich 
einen oberen Luftstrom an, „10000 Fufs über der Meeresfläche, ohne tiefere 
oceanische Fortsetzung, welcher seinen Dampfgehalt in Stürmen niederschlägt, 
die erzeugt sind (bred), auf den Hochflächen von Afghanistan und Persien.“ 
In den „Annalen der Hydrographie“ ist zu der Üebersetzung die Anmerkung 
unter Chiffre W. K. gefügt, dafs unter diesem „Wintermonsun“ der Verfasser 
„offenbar die obere südwestliche Luftströmung versteht.“ !) 
Dem gegenüber ist hervorzuheben, dafs von J. Eliot in seinem Bericht 
über die wichtigeren Kaltwetter-Stürme 1876 bis 1891’) jene obere Strömung 
genau bezeichnet ist. Sie ist nach Wolkenbeobachtungen im Bereiche der Kalt- 
wetter -Depressionen über Calecutta zu S 85° W, über Lahore zu S 87° W, über 
Allahabad zu S 85° W angegeben, also fast. genau von Westen nach Osten.?) 
Wegen dieser Richtung gerade wird ihr Zusammenhang mit den Kaltwetter- 
Stürmen von Eliot augenscheinlich gefunden, da die Zugstralßen derselben 
ebenfalls von Westen nach Osten, im Durchschnitt von N 75° W, führen. ®) 
Es ist aber schwer zu verstehen, wie eine Luftströmung ohne oceanische 
Fortsetzung, die, wie dieser Westwind, wesentlich über subtropischen Landflächen 
aus einer von dem trockenen Nordostpassat mitbewirkten Anhäufung aufsteigender 
Luft entstanden und über Steppen und Wüsten herangeführt sein soll,*) Wasser- 
dampf noch in so erheblicher Menge besitzt, um Niederschlagsbildung zu ver- 
anlassen. Eliot fühlte das selbst, entgegen dem Archibaldsehen Referat, und 
behalf sich damit, daß die Strömung ihre größten Vorräthe an Wasserdampf 
über Nordindien erhalte. ©) 
Solche Kondensation infolge örtlicher Verdunstung schildert W.L. Dallas 
in seiner neueren Veröffentlichung „Obere Luftströme über der indischen Monsun- 
Region“®) nach unmittelbaren Beobachtungen. Ueber der Himalaya - Kette, bei 
Simla, bilden sich bei klarem Winterwetter, das gewöhnlich überwiegt, Tag für 
Tag Cumuli infolge der Verdunstung von den Firnfeldern. Aber die Richtung 
des oberen Windes, der sie folgen, ist eine andere als die etwas weiter südlich 
von Eliot festgestellte. Dallas giebt sie von Nordwest nach Südost an, Diese 
Angabe steht in Uebereinstimmung mit dem Ergebnils seiner Untersuchung, die 
sich hauptsächlich auf die oberen Luftströmungen über den Meerestheilen der 
indischen Monsun-Region bezieht; der Gesammtdurchschnitt seiner Angaben über 
Bewegungsrichtungen der oberen Wolken, einschliefslich der reinen Cirri, für die 
Breite des Kaltwetter-Gebietes, 20 bis 32° N-Br, beträgt N 43° W, der oberen 
Wolken allein auch noch N 57° W, in beiden Fällen also nahe NW. Auch ihre 
Höhe giebt Dallas bedeutender an als Eliot, zu 20000 bis 25000 Fuß, Es 
ist. also augenscheinlich, dafs Dallas eine andere Luftschicht meint als Eliot, 
und zwar eine höhere. 
) „Annalen der Hydrographie“, 1897, S. 131. Hier ist übrigens „bred“. irrthümlich über- 
setzt mit „ausgebreitet“ (Druckfehler, im Manuskript wörtlich „ausgebrütet“. D. R.), was ein falsches 
Bild des Vorganges ergiebt, ; 
2) „Indian Meteorological Memoirs“, IV, Simla 1893, besprochen (ebenfalls von W. Köppen) 
im Literaturbericht der „Meteorologischen Zeitschrift“, 1895, S. 12/3. 
3) A, a. O. S, 866. 
‘) A. a. O0. SS, 542, 
) A. a, O0. S, 867, 
5) „Meteorologische Zeitschrift“, Wien 1897, 
x, 245 u. A,
	        
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