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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

952 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897, 
so ist Aussicht auf Entstehung einer Agger- oder Thalbildung, und ist diese 
Summe > 12V, so ist wenigstens in einigen Perioden der Tide Sicherheit dafür, 
dafs diese Erscheinung in der einen oder anderen Weise auftritt. 
{st die halbtägige Sinussoide gegeben als V cos (it — x), so wird bei dem 
Minimumgrenzwerth also das doppelte Niedrigwasser zum Vorschein kommen bei 
einer Verspätung der vierteltägigen Welle von 2x, das doppelte Hochwasser 
bei einer Verspätung derselben von 2x + 180° und der Agger ungefähr um 
halbe mittlere Fluthhöhe bei einer Verspätung von 2x -+ 90°. 
In Ymuiden beträgt die halbe mittlere Fluthhöhe ungefähr = 81 cm, 
die Summe der Amplituden von M, und MS = 29 cm, die Verspätung von 
M, =113° und von M, = 154°. Da 2-113° — 154° = 72° am nächsten an 
90° ist, so wird der Agger ungefähr um halbe mittlere Fluthhöhe auftreten 
können, weil 29 cm zwischen '/s V und '/2 V liegt, was in Wirklichkeit auch der 
Fall ist. (Da die halbtägige Welle sich im Mittel wie die Welle M, bewegt, so ist 
für ihre Verspätung annähernd die von M, gesetzt. Und weil auf ein und dem- 
selben Beobachtungspunkte der Phasenunterschied von M, und M, konstant ist 
and die meiste Aussicht für das Eintreten der Erscheinung besteht, wenn die 
Phase von MS mit der von M, übereinstimmt, somit die Phase beider gleich 
ist, so ist für die Verspätung der vierteltägigen Welle die von M, genommen.) 
Am Helder beträgt die halbe mittlere Fluthhöhe ungefähr 56 cm, die 
Summe der Amplituden von M, und MS = 17,5 cm, die Verspätung von M, ==171° 
und von M, == 191°. Da 2-.171° — 191° =151° am nächsten an 180°, so 
tritt daselbst ein doppeltes Hochwasser auf. 
Am Hoek van Holland ist die halbe mittlere Fluthhöhe ungefähr 82 cm, 
die Summe der Amplituden von M, und MS = 225 cm, die Verspätung von 
M, = 71,5° und von M, = 134°. Da 2-715° — 134° =9° am nächsten an 
0°, so wird daselbst ein doppeltes Niedrigwasser vorkommen. 
Dabei ist der Einfluß von M, und MS noch zu unterscheiden, Eine 
Welle M, behält stets dieselbe Position in Bezug auf die Welle M,, welche der 
Hauptsache nach die Form der Gezeitenlinie beherrscht. Die Position von M, 
giebt somit der Form der Gezeitenlinie eine eigenartige Gestalt, welche stets 
bestehen bleibt. 
Die Welle MS hat in Bezug auf die Welle M, dieselbe Periode wie S,; 
beider Hochwasser werden nach einem halben synodischen Mondmonat jedesmal 
zusammenfallen. 
Ist die Amplitude von M, an sich zu gering, um eine bleibende Agger- 
bildung zum Vorschein zu bringen, so kann dies wohl der Fall werden, so lange 
ihre Amplitude durch MS verstärkt wird. Die typische Umformung wird also 
in dem Falle stets in derselben Spring- oder tauben Tideperiode zurückkehren, 
was u. A. mit dem Agger in Ymuiden und mit dem doppelten Niedrigwasser zu 
Brouwershaven und Hellevoetsluis sehr deutlich zum Vorschein kommt. 
Eine letzte vierteltägige Gezeitenwelle, welche Besprechung verdient, ist 
die vierteltägige Sonnenwelle S,. Diese verhält sich zur Sonnenwelle S, 
wie die vierteltägige Mondtide M, zu M,. 
Die Amplitude dieser vierteltägigen Sonnenwelle S, ist meistens sehr 
gering (in Ymuiden 7 mm). In der Praxis würde diese Tide unberücksichtigt 
bleiben können, wenn nicht dadurch bei der Bestimmung der Höhe des mittleren 
Seestandes, d. h. der halben mittleren Fluthhöhe, ein Fehler verursacht würde. 
Der mittlere Seestand wurde früher durch das Mittel aus den 2*.- und 8"-Ständen 
vor- und nachmittags gesucht. Indem dies über lange Perioden geschieht, wird 
der Einflufs aller Wellentypen eliminirt mit Ausnahme des der vielfachen Sonnen- 
wellen, von welchen nur S, von genügender Bedeutung ist. Um diese auch zu 
eliminiren, ist es nöthig, auch noch das Mittel aus den 5*- und 11"- Ständen zu 
ziehen. Verabsäumt man dies, so weicht für ein und denselben Beobachtungs- 
punkt das Ergebnifs um einen konstanten Betrag von dem mittleren Seestand ab. 
vV. x
	        
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