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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

Aus den Reiseberichten S. M. S. „Hertha“, Capt. z. See Knorr. 
Reise von Nagasaki nach Wladiwostock und von da nach Hakodadi 
und Yokohama. Bemerkungen über die Hafenplätze Wladiwostock 
und Hakodadi. 
Der Commandant S. M. S. „Hertha“, Corv.-Capt. (jetzt Capt. z. See) 
Knorr, berichtet Nachstehendes über die Reise der „Hertha“ von Nagasakı 
nach Wladiwostock im August 1875 und von Wladiwostock nach Hakodadi im 
September 1875, sowie über den Hafen von Wladiwostock, 
„Am 16. August Morgens verliessen S. M. Schiffe „Hertha“ und „Ariadne“ 
zusammen den Hafen von Nagasaki, trennten sich aber am Vormittage des fol- 
genden Tages, „Arztadne“ nahm ihren Kurs nach Tschifu (Chefoo) und „Hertha“ 
nach Wladiwostock, und zwar unter sehr veränderlichen Witterungsverhältnissen. 
Nachdem die westlich von der Insel Kiusiw gelegenen Inselgruppen fast nur 
mit Hilfe der dort schwach nach Norden setzenden Strömung durchsegelt waren, 
frischte die bisher umspringende schwache, von häufigen Windstillen unter- 
brochene Brise etwas auf, sich durchschnittlich im südöstlichen Quadranten hal- 
tend, bis die im Kurse liegende kleine hohe Insel Matu-Sima am 20. August 
früh passirt war. 
Von hier ab aber hörte das bisher im Allgemeinen schön und sichtig 
gewesene Wetter auf und der wechselvolle Kampf zwischen den kühlen trocke- 
nen NW-Winden aus der Mandschurei und den feuchten wärmen südöstlichen 
Winden des Oceans einerseits und zwischen der an der russisch-tartarischen Küste 
südwärts fliessenden Polarströmung und dem, diese berührenden Zweige der 
warmen nordwärts setzenden Kuro-siwo-Strömung andererseits, begann. In kurzen 
Pausen, ja mitunter ohne jegliche solche, wechselten SW- mit NE-Wind, Stille und 
Windstärken von 7 bis 8 mit einander ab, klares Wetter mit dichtem Nebel und 
heftigen Regengüssen. Je mehr wir uns der nördlichen Küste näherten, um so 
grösser wurde das Uebergewicht des nordöstlichen Windes und damit der Nieder- 
schläge, und am 21. August war die Temperatur der Luft, welche in Nagasaki 
noch in der Nacht 29° C. durchschnittlich betragen hatte, schon auf 19° €. am 
Tage gesunken. Daneben waren der kurze hohe Seegang und die Dünung aus 
verschiedenen Richtungen für die Takelage mitunter recht unangenehm. 
In der Bucht „Peter der Grosse“ hatten wir schliesslich zwei Tage (vom 
23. bis 25. August) zu warten, bis der die steile Küste einhüllende Regen und 
Nebel soweit schwand, um die Ansegelung bewerkstelligen zu können, und 
wurde S. M. S. „Hertha“ in diesen‘ 48 Stunden durch die Polarströmung 
51 Seem. nach SWzW gesetzt. Dabei war uns aber Gelegenheit geboten, eine 
Unvollkommenheit der Karte Tit. XI, No. 191 (engl. Admiralitätskarte No. 2432) 
festzustellen, welche bei der Ansegelung von Wiadiwostock bei unsichtigem Wetter 
leicht zu einem verhängnissvollen Irrthum Veranlassung geben kann und daher 
bekannt gemacht zu werden verdient. An der SO- Spitze der Insel Korsakow 
(Pelges) liegen‘ in südöstlicher Richtung nebeneinander 4 bis 5 hohe Klippen, 
welche die genannte Karte nicht angiebt und die den Fünf-Finger-Inseln an der 
Südspitze der Insel Putiatin nach Lage und Aussehen sehr ähnlich sind. Süd- 
lich davon stehend, kann daher im Nebel die Insel Korsakow, mit der Spitze 
Gamov des Festlandes im Westen, um so leichter für die Insel Putiatin, mit der 
Insel Ascold im Westen, gehalten und mit ihr verwechselt werden, als auch 
die an beiden Stellen angegebenen Wassertiefen übereinstimmen. Ferner liegt 
je eine spitze, hohe Klippe an den bezüglichen SO-Spitzen der beiden west- 
lich von der Insel Korsakow gelegenen kleinen Inseln Hildebrandt und Dour-
	        
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