DAR
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897.
gewissen Tagen beide Hochwasser zusammen, so bei eintägiger Springtide, dann
ist es !/s tropischen Mondmonat später eintägige taube Tide, indem das Hoch-
wasser von K, mit dem Niedrigwasser von OÖ zusammenfällt. Wiederum
4 tropischen Mondmonat später ist wieder eintägige Springtide.
Betrachtet man ein und dasselbe Hochwasser von M, (was wenig von dem
wirklichen Hochwasser differirt), dann hat dieses eine Aenderung des Argumentes
in der Zeiteinheit == 7 — co, somit im Vergleich des Hochwassers von K, sowohl
als von O eine Differenz in der Aenderung des Argumentes in der Zeiteinheit
= 60. Nach einem tropischen Mondmonat wird also das Hochwasser von M,
vollkommen denselben Stand im Vergleich zum kombinirten Hochwasser von
K, und O einnehmen wie einen tropischen Mondmonat früher, während die Ab-
weichung des Hochwassers M, von dem kombinirten Hochwasser ebenso grofs
zein wird wie die Abweichung zwischen M, und dem eintägigen Springtide-
Niedrigwasser nach Verlauf von !/2 tropischen Mondmonat.
Fällt also das Hochwasser von M, einmal zusammen mit dem eintägigen
Springtide-Hochwasser, dann wird es !/a Monat später mit eintägigem Springtide-
Niedrigwasser und wiederum */2 Monat später mit eintägigem Springtide - Hoch-
wasser zusammenfallen. Es ist dann eine starke tägliche Ungleichheit in der
Höhe des Hochwassers.
Das M,-Niedrigwasser, auf das M,-Hochwasser folgend, wird ungefähr um
sechs Stunden in Zeit oder ungefähr um 90° in eintägiger Wellenphase mit dem
vorhergegangenen Hochwasser differiren. Fällt Hochwasser M, also zusammen mit
eintägigem Hochwasser, dann fällt Niedrigwasser M, zusammen mit eintägiger halber
mittlerer Fluthhöhe, oder mit anderen Worten, die tägliche Ungleichheit von Niedrig-
wasser ist in jenem Falle = 0. Einen viertel Mondmonat später wird die tägliche
Ungleichheit von Hochwasser = 0 sein und die von Niedrigwasser ein Maximum,
doch fällt dieses Maximum dann gerade in die eintägige taube Tide und hat da-
durch einen sehr geringen Betrag. In dem gegebenen Beispiel wird also immer
eine kleine tägliche Ungleichheit von Niedrigwasser auftreten; diese wird voll-
kommen = 0 sein, wenn K, und O gleich grofse Amplitude haben (die Einflüsse
von P und Q unberücksichtigt gelassen). ,
In Wirklichkeit werden bei der täglichen Ungleichbeit in Höhe in dem
züdlichen Theile der Nordsee verschiedene Typen wahrgenommen, und zwar ein
allgemeiner Typ A, nämlich ein hohes Hochwasser mit einem folgenden
niedrigen Niedrigwasser und ein Holländischer Typ B, nämlich ein hohes
Hochwasser mit einem folgenden hohen Niedrigwasser (Fiss. 1 und 2).
A
/\
V Fig.1L.
{\
A
Fig.2.
A
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Es entsteht nun die Frage: woven hängt das Auftreten des einen oder des
anderen Types ab?
Zur Beantwortung dieser Frage stellen wir die Gleichung der Sinussoide 0
dar durch
y = cost
wobei H= 1, x=0 und it=(* gesetzt ist, und die Gleichung für K, durch
y=n cos (t — ®@)
wobei also @ in einem halben tropischen Monat von 0° bis 360° anwächst.
Die Kombination beider Wellen ist darzustellen durch
Y = cost + n cos (t — ®) 3)
Ist für @#=—0 der Ort des Hochwassers der halbtägigen Gezeitenwelle
oder annähernd der der Welle M, in der graphischen Darstellung obiger Gleichung
mit einer Abscisse ta zusammenfallend, so wird dieses Hochwasser sich, wenn