Darmer: Lachsfischerei in-der Danziger Bucht und Mittel zu ihrer Sicherung. 245
Es ist anzunehmen, dals auch die Fischer von Hela bald dem Beispiele
der Fremden folgen und im‘ Winter mehr und mehr das Fischen auf Lachs mit
der Angel betreiben werden. Anfänge dazu sind bereits gemacht worden. Neben
dem Lachsfang hat man auch angefangen, im Winter Heringe zu fangen, und
hiermit recht befriedigende Resultate erzielt. Im Dezember 1895 fischten aufser
mehreren Fahrzeugen von Hela 20 Hochseekutter aus Neufähr, Brösen und
Weichselmünde und 14 offene Boote aus Glettkau und Zoppot von Hela aus auf
Hering. Der Gesammtertrag belief sich auf 7200 Schock Heringe im Werthe von
6200 Mark. Die Theilnahme am Fange war im folgenden Monate, Januar, noch
eine. gröfsere, obwohl des Wetters wegen nur an 16 Tagen gefischt werden
konnte und die Heringsmengen durchschnittlich 2 bis 3 Tage lang stehen mufsten.
Am Fange. betheiligt waren 78 Kutter und 53 offene Boote mit im Ganzen etwa
400 Mann. Besatzung. Der in Hela gelandete Fang belief sich auf 80 000 Schock
Heringe im Werthe von 50 000 Mark.
. Unfälle. Geht aus dem Vorstehenden hervor, dals die Fischerei in der
Danziger Bucht eine lebhafte ist, so ist sie doch auch von Unfällen nicht ver-
schont geblieben. Soweit sie mir bekannt.geworden, führe ich sie nachstehend an:
In der Nacht vom 27. zum 28. März strandeten an der Nordseite der
Halbinsel Hela beim Leuchtthurm von Heisternest zwei Hochseekutter, wobei
die Besatzung des einen Fahrzeuges ertrank.
Ein heftiger Nordweststurm überraschte in der Nacht vom 11. zum 12.Apri11895
80 Fischerboote auf See. Die Mehrzahl konnte noch nachts den Hafen von Heläa
erreichen, 15 Boote gingen östlich von Hela zu Anker und kamen morgens in
Schutz. Nur bei einem Boot brach infolge schlechter Beschaffenheit das Stag
und sodann der Mast; es trieb infolgedessen hülflos auf der See. Die Leute
wurden, nachdem etwa 20 Kutter an ihnen vorübergesegelt, von schwedischen
Fischern gerettet. Das Boot ist wrack geworden. — Kin zweites, Boot aus
Heisternest lag in der Nähe, ihm flogen die Segel weg. Das Boot wurde aber
von einem Handelsdampfer in Sicherheit gebracht.
Havarien mancherlei Art sind auch bei den Fischerbooten in den letzten
beiden Jahren vorgekommen; sie werden sich durch die Uebermittelung täglicher
Wetterberichte besser vermeiden lassen.
Die in Aussicht genommene täglich mehrmalige Depeschirung der Wind-
richtung und der Windstärke von Rixhöft und Brüsterort nach Hela und das
Zeigen der Windrichtungen und Stärken am Sturmsignalmast in Hela wird die
Fischer mit dem herrschenden Winde auf den für sie in Betracht kommenden
Nachbargebieten bekannt machen. Die Fischerei kann dadurch nur gewinnen,
und Leben und Eigenthum der Fischer wird besser bewahrt bleiben.
Alle diese Erwägungen begründeten die im Anfang aufgeführten Anträge,
Hafentelegramme. Zu dem ersten Antrage: „Uebermittelung täglicher
Wetterberichte nach dem Hafen von Hela“ gab der Staatssekretär des Reichs-
Marine-Amts bereits im Oktober 1895 seine Zustimmung und beauftragte die
Direktion der Seewarte in Hamburg mit der Durchführung der Malfsregel. Die
Seewarte sendet von dieser Zeit an regelmäfsig Hafentelegramme nach Hela,
welche in einem hölzernen Kasten an dem Schuppen bei den Linden vor dem
Gasthause „Zur Löwengrube“ ausgehängt werden. Neben den Hafentelegrammen
ist auch ein neues Aneroid - Barometer -— Hechelmann 40658 —. aufgehängt
worden. Die Fischer stehen nun nicht selten in Gruppen vor dem Instrument
und freuen sich, dafs es so richtig zeigt, eine Eigenschaft, welche ein früher
beim Schulhause aufgehängtes älteres Instrument, dessen Verfertiger unbekannt
ist, nicht besaß. Doch nicht allein wird das Fallen und Steigen des Barometers
von den Fischern mit lebhaftem Interesse verfolgt, sie lesen auch die Hafen-
telegramme und fangen an, ihren Werth für die Ausübung ihres Gewerbes mehr
und mehr zu erkennen, _ V - nn ;
x :" =: Der Fischereiaufseher Ruck in Hela ist mit der Annahme.und Aushängung
der Hafentelegramme beauftragt. worden.
Sturmwarnungsmäst bei Neufähr. Die‘ Errichtung einer Sturm-
warnungs - Signalstation an der Weichsel- Mündung wurde im Jahre 1896 auf
Kosten des Ministeriums für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, von welchem
ja Preufsen. bekanntlich auch die Fischerei ressortirt, durch die Hafenbau-
Inspektion in Neufahrwasser ausgeführt. Der Sturmwarnungs - Signalmast ist