van Bebber: Neuorganisation des Sturmwarnungsdienstes .in den Niederlanden, 241
Im Anschluß an obige Mittheilungen bemerken wir noch, dafs am 1. Mai d. J.
das neue Observatorium eingeweiht wurde. Dasselbe ist ein Umbau des Herren-
hauses auf dem Landgute „Koelenberg“ in der Gemeinde de Bildt bei Utrecht.
Das stattliche Gebäude mit hohem thurmartigen Aufbau wird jedenfalls allen
Zwecken entsprechen, .
Hülfsgröfsen für die Vorausberechnung der Sternbedeckungen
im Jahre 1898.
(Verzeichnifs des Berliner Nautischen Jahrbuches.)
Es wird die Methode der Sternbedeckungen seitens der Seeleute ‚und
Forschungsreisenden wohl aus dem Grunde so selten für die Längenbestimmung
benutzt, weil vor der Beobachtung jedes Mal eine Vorausberechnung ausgeführt
werden mufs, welche bei Benutzung des üblichen Näherungsverfahrens ziemlich
zeitraubend ist. Durch diese Rechnung ist festzustellen: erstens, ob die betreffende
Bedeckung: für den Beobachtungsort überhaupt sichtbar sein wird, zweitens, zu
welchen Zeiten Eintritt und Austritt zu erwarten sind, und drittens an welchen
Punkten des Mondrandes der Stern verschwinden bezw. wiedererscheinen wird;
Unterläfst man eine solche Vorausberechnung, so. wird, ganz abgesehen von- unver-
meidlichen Zeitverlusten, vor Allem die Austrittsbeobachtung vielfach gänzlich mifs-
lingen oder doch wenigstens recht ungenau ausfallen: Es tritt, wenn die Auf-
merksamkeit des Beobachters beständig auf den Mondrand gerichtet ist, natur-
gemäß bald eine Ermattung des Auges ein, infolgedessen in vielen Fällen das
optisch schwache Phänomen übersehen wird. Aufserdem ist. der Beobachter
nach längerem Warten häufig nicht mehr im Stande, den Moment. des Eintritts
oder Austritts mit der wünschenswerthen Schärfe aufzufassen. Endlich wird man
beim Fehlen der Vorausberechnung sich darauf beschränken müssen, bei der
Austrittsbeobachtung fortwährend den Mondrand abzusuchen; es wird also vom
Zufall abhängen, ob die Aufmerksamkeit des Beobachters beim Wiedererscheinen
des Sterns gerade auf die betreffende Stelle des Mondrandes gerichtet ist. Durch
diese Umstände wird der Vortheil der gröfßseren Genauigkeit, welchen die Stern-
bedeckungen gegenüber mehreren anderen Methoden der Längenbestimmung
besitzen, wesentlich verringert, ; ; ;
Es ist nun von dem Assistenten der IV. Abtheilung der Seewarte, Herrn
Dr. C. Stechert, in „Aus dem Archiv. der Deutschen Seewarte“, Jahrgang 1896,
No. 3,1) ein Verfahren in Vorschlag gebracht worden, bei dessen Benutzung
die Vorausberechnung einer Sternbedeckung in etwa 10 Minuten ausgeführt
werden kann; diese wesentliche Zeitersparnifs ist hauptsächlich durch die Auf-
stellung mehrerer Tafeln herbeigeführt worden. Da es bei Anwendung dieser
Methode angenehm ist, wenn einige Hülfsgröfsen (Funktionen der Stern- und
Mondörter sowie der Mondbewegung) bereits berechnet vorliegen, so beabsichtigt
Dr. Stechert, alljährlich diese Werthe für die im „Berliner Nautischen Jahr-
buche“ gegebenen Sternbedeckungen der Redaktion zur Verfügung zu stellen.
4) Der Titel der erwähnten Abhandlung lautet: Dr. C. Stechert,‘ „Tafeln für die Vorauns-
berechnung der Sternbedeckungen.“ Dieselbe ist auch als Sonderabdruck durch den Buchhandel
zu beziehen.
Ann, d, Hydr. ete., 1827, Heft YI.