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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897.
Es dürfte vielleicht auffallend erscheinen, dafs Buys Ballot die Ab-
weichungen vom Normalbarometerstande und nicht aber die wirklichen Unter-
schiede in den Barometerständen zu Grunde legte und warum er so stark an
diesen Abweichungen festhielt. Der Grund liegt hier jedenfalls in den damaligen
grofsen Abweichungen in der Aufstellung der Instrumente und auch wohl in den
Instrumentalfehlern, welche Ungenauigkeiten in den Abweichungen von den
Normalwerthen mehr oder weniger verschwinden,
Ursprünglich bezogen sich die Angaben des Aöäroklinoskops auf das Zeit-
intervall von 24 Stunden, allein in der richtigen Ueberzeugung, dafs ein solches
Intervall viel zu grofs sei, um vor Ueberraschungen geschützt zu sein, wurde
bald darauf der atmosphärische Zustand auch am Abend telegraphisch mitgetheilt,
ja Buys Ballot schlug als radikales Mittel vor, dafs die Barometerstände der
vier oben genannten Stationen mittels einer eigenen Telegraphenleitung auf ein
Papier oder eine "Tafel in jedem bedeutenden Orte, zum Mindesten aber in
Utrecht, aufgezeichnet würden: „Es kann dieses geschehen, es sollte geschehen
und endlich es wird geschehen.“ Das letztere von Buys Ballot vorgeschlagene
System, das der „Telemeteorographie“, welches im Stande ist, der Wetter-
telegraphie, insbesondere dem Sturmwarnungswesen, einen gewaltigen Aufschwung
zu geben, ist trotz seiner verhältnilsmäfsig leichten Durchführbarkeit nur ein
Traum der Meteorologen gewesen, und wir wollen hoffen, dafs es dem rührigen
und durchaus tüchtigen Nachfolger des Buys Ballot, M. Snellen, welcher
sich mit diesem Gegenstand mit Erfolg eifrigst beschäftigt hat und jetzt noch
beschäftigt, gelingen wird, mit seinen Ideen durchzudringen. Durch die Schaffung
eines geeigneten telemeteorographischen Systems über Europa dürfte vieles
wettertelegraphisches Material mehr oder weniger überflüssig werden.
Wenn jenes oben besprochene System von den Niederlanden bis jetzt
beibehalten - wurde, so geschah dieses aus guten Gründen, die - auseinanderzu-
setzen hier nicht der Ort ist, so dafs von einem Zurückbleiben der Niederlande
hinter anderen Nationen nicht die Rede sein kann. Im Laufe der Zeit zeigte es
sich indessen, dafs die Wirksamkeit dieses Systems doch nur eine bedingte sein
konnte; Vor Allem gab das A&roklinoskop nur die jeweilig herrschenden Wind-
verhältnisse in den Niederlanden an, nicht aber diejenigen, welche demnächst zu
erwarten waren, Nicht selten wüthete ein gefahrdrohender Sturm in der Nach-
barschaft, während das Ageroklinoskop noch ruhige Witterung anzeigte, so dafs
also Anzeichen eines hereinbrechenden Sturmes nicht vorhanden waren. Ferner
konnte der Stand der Arme an diesem Instrument leicht verwechselt werden,
and aufßfserdem war der Umstand gerade nicht vortheilhaft, dafs beständig Signale
gegeben wurden, so dafs in gefahrdrohenden Fällen die Aufmerksamkeit nicht
besonders darauf gerichtet war. Insbesondere aber war es der Fortschritt des
Sturmwarnungswesens hauptsächlich in Deutschland, in Grofsbritannien und in
den Vereinigten Staaten, welcher auch in den Niederlanden den Impuls gab, den
Sturmwarnungsdienst von Grund aus zu reorganisiren und ein den Nachbarländern
ebenbürtiges und mit ihnen einheitliches System zu schaffen. Unerläfßliche
Bedingung für die Wirksamkeit dieses neuen Systems war inniger Anschluls an
die benachbarten Küstenstriche, insbesondere an die deutschen. Je vollständiger
dieser Anschlufs ist und je einheitlicher sich die benachbarten Systeme gestalten,
desto segensreicher wird auch ihre Wirksamkeit sein. Mit Freuden können wir
es daher begrüßen, dal durch die Einsicht der holländischen Regierung sowie
durch das Zuthun des Hauptdirektors Snellen diese Einheit erzielt ist, wenn
sich auch noch einige Abweichungen vorfinden, welche sich aber mehr auf den
inneren Dienst beziehen.
Zweckentsprechend soll das Depeschenmaterial, wie es auch an der
Deutschen Seewarte der Fall ist, sich auf drei Beobachtungstermine beziehen,
und zwar auf morgens 8 Uhr, nachmittags 2 Uhr und, wenigstens in der un-
ruhigeren Jahreszeit, auf abends von 8 bis 9 Uhr. Wie es scheint, soll das
Hauptmaterial um 8a, dagegen ein beschränkteres Material an den übrigen
Terminen einlaufen. Nach einem Berichte des Herrn Roosenburg‘!) soll das
Sturmwarnungswesen durch‘ das Lootsenwesen überwacht und die Bedienung durch
die dem Lootsenwesen unterstellte Küstenwacht bewerkstelligt werden, wobei
} S. „De Zee“; „De invoering van Stormwaarschuwingsdienst langs de Nederlandsche Kust.“