accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

9236 
: Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897. 
die einzelnen abliegenden Untiefen mit Bojen versehen sind. Allerdings muls 
man sich bei Nacht nach den Peilungen von Rottnest- und Freemantle-Feuer richten. 
Einkommend ist jedes fremde Schiff lootspflichtig, ausgehend jedoch nicht, 
und segeln deshalb auch alle Schiffe ohne Lootsen aus. 
Einkommend sowohl wie ausgehend benutzt man gewöhnlich die Passage 
nördlich von Rottnest-Insel, doch kann man am Tage auch südlich davon durch 
den South-Pafs gehen; man hat einkommend dann den Vortheil, dafs man mit 
der Seebriese fast immer in einem Schlage den Ankerplatz anholen kann, was, 
wenn man nördlich von Rottnest passirt, selten der Fall ist. Ausgehend jedoch 
würde man dadurch kaum einen Vortheil haben. Vom Leuchtthurm auf Rottnest- 
Insel wird ein guter Ausguck gehalten und jedes in Sicht kommende Schiff der 
Lootsenstation per Telephon gemeldet. 
Während meines Aufenthaltes in Freemantle vom 3. November 1896 bis 
zum 17. Januar 1897 war das Wetter immer schön; des Tages herrschte frische 
Seebriese, welche gegen 10 bis 11 Uhr vormittags einsetzte, und des Nachts 
leichte Landbriese. Erstere weht aus den Richtungen zwischen SSW und WSW, 
letztere aus den Richtungen Süd bis SE. An einzelnen Tagen jedoch kam die 
Landbriese ganz von Ost bis ENE und war dann jedesmal recht frisch (Stärke 
5 bis 6). Am 16. Januar wehte sie aus letzterer Richtung sogar den ganzen 
Tag bis 5°p bei einer Temperatur von 30°C und ging dann in Stille und 
Mallung über, Sonst war das Wetter immer ziemlich regulär. Nur war die 
Seebriese des Nachmittags bis spät in die Nacht hinein häufig so frisch, dafs 
man mit dem Boot nicht an Bord kommen konnte. 
Handel und Schiffahrt haben sich in den letzten Jahren ganz enorm 
gehoben. Am 15. Januar lagen über 20000 Registertonnen Segelschiffsräumte 
im Hafen außer den Dampfern, von denen wöchentlich 3 bis 4 kommen 
und gehen. 
| An der Brücke liegen gewöhnlich 4 bis 6 Dampfer zu löschen. Die Brücke 
ist im vergangenen Jahre nochmals verlängert, und können Dampfer nun mit 17 
bis 18 engl. Fuß Tiefgang daran bolen, während für Segelschiffe nur zwei Liege- 
plätze reservirt sind mit 14! bezw. 13!/2 Fufs Wasser. Die Segelschiffe müssen 
infolgedessen mit wenigen Ausnahmen in Leichter löschen, was sehr langsam 
geht, da nicht Leichter genug vorhanden sind. Allerdings hängt auch viel davon 
ab, wie sich der Konsignatär darum bemüht. 
Das Löschen geht im Anfang, da die meisten Schiffe Stückgüter bringen, 
ziemlich flott, so lange es leichte Ladung (Mafsgut) giebt. Kommt man aber an 
die schweren Güter, so wollen die Leichter sie nicht nehmen, oder aber, wenn 
sie es thun, nehmen sie nur so viel als Ballast und füllen dann von einem 
anderen Schiffe mit leichter Ladung auf. Kontrole giebt es darüber nicht. Be- 
ründete Aussicht ist jedoch vorhanden, dafs die Expedition der Schiffe bald eine 
oa wird, Man legt jetzt nämlich im Swan River einen Hafen an, indem 
man den Flufs bis auf 24 Fufs vertieft und an beiden Seiten hölzerne Kajen 
erbaut, woran in Zukunft die Schiffe anlegen sollen. An der Mündung hat man 
bereits zwei starke steinerne Wellenbrecher ausgebaut zum Schutz des Hafens 
gegen die Winterstürme, und zwar ist der nördliche ca 150m länger als der 
südliche. Augenblicklich ist die Wassertiefe erst 14 Fufßs bei Niedrigwasser. 
Von der neuen Kaje an der Südseite des Flusses sind bereits 400 Fufs dem 
Gebrauch übergeben, und lagen dort bei meinem Abgange zwei Schiffe zu löschen, 
Späterhin sollen auf den Kajen hydraulische Krähne errichtet und Güterschuppen 
gebaut werden, so dafs die Schiffe dann direkt in die Schuppen löschen. Vor- 
läufig löschen die Schiffe dort in Eisenbahnwagen. An den Hafenbauten wird 
Tag und Nacht mit drei Gängen Arbeitsleuten, jeder Gang 8 Stunden, gearbeitet. 
Drei Bagger sind ebenfalls Tag und Nacht in Arbeit. Doch gehen wohl noch 
1’ bis 2 Jahre hin, bevor Alles fertig ist. 
Im Flusse geht Ebbe und Fluth, doch kann man in Gage Road davon 
nichts spüren. Wie mir der Hafenmeister mittheilte, kommt alle 24 Stunden 
nur eine Tide, doch soll dieselbe sehr unregelmäfsig erscheinen. Der Hub ist 
ungefähr 18 bis 24 Zoll, 
Schleppdampfer sind drei vorhanden, von denen jedoch nur einer wirklich 
gut ist für gröfsere Schiffe, Schlepplohn ist sehr hoch. Um „Carl“ an die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.