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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

234 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897, 
10. August befand sich der Dampfer auf 20,8° N-Br und 114,1° O-Lg; der Wind 
war zur Zeit SE 6 und nahm im Laufe des Nachmittags bei mäßig bewölktem 
Himmel bis zu einer frischen Briese ab. Um 9 Uhr 55 Minuten abends ankerte 
man im Hafen von Hongkong. 
Nach den Aenderungen des Windes und des Luftdruckes läfst sich unter 
Berücksichtigung der verschiedenen Schiffsorte schliefsen, dafs das Centrum des 
eben beschriebenen Orkans vom Mittage des 9. bis zum Mittage des 10. August 
in einer Richtung zwischen NW und West vorwärts schritt. Der Dampfer 
stand, wie schon angedeutet, zuerst vor dem Centrum, dann links von der Bahn 
desselben und schliefslich hinter demselben. 
Am 13. August um 5 Uhr 40 Minuten nachmittags setzte der Dampfer 
„Aglaia“ seine Reise von Hongkong nach Yokohama fort. Bis zum Mittage des 
16. August, auf 27,2° N-Br und 124,7° O-Lg, waren leichte Briesen vorhanden, 
die meistens eine Richtung zwischen Nord und Ost hatten und nur am Tage 
zuvor während der Dauer von zwei Wachen durch leichten Südwestwind unter- 
brochen wurden. Das Wetter war dabei meistens gut, bald mehr, bald weniger 
wolkig. Am 16, August zeigten sich Gewitterluft und Blitze im NW bis SW, 
und der vorhandene Nordnordostwind nahm zu. Das Barometer war seit dem 
Antritt der Reise, abgesehen von einigen kleinen Schwankungen, langsam von 
762,0 auf 759,1 mm gesunken. Jetzt trat bei dem auffrischenden nördlichen 
Winde eine raschere Abnahme des Luftdrucks ein. Um 3 Uhr morgens den 
17. August fing es an zu regnen, um 6 Uhr morgens, in 28,7° N-Br und 127,4° O-Lg, 
holte der böige Wind auf NE, die stark bewegte See lief durcheinander, haupt- 
sächlich jedoch aus ENE. Um 12 Uhr mittags den 17. August, auf 29,2° N-Br 
und 128,3° O-Lg, war der Wind NNE 6 bis 7, eine drohende Luft kam im Osten 
auf und es war eine hohe durchlaufende Dünung vorhanden. Der Barometer- 
stand betrug 754,3 mm. Der Wind holte auf Nord zurück und wehte mit der 
Stärke 7. Es traten häufig Regenböen auf, doch war die Luft im Allgemeinen 
gebrochen, so dafs nach Sonnenuntergang wiederholt Mond und Sterne sichtbar 
wurden, während im Osten eine dicke drohende Luft aufstieg. Von 0 Uhr bis 
2 Uhr nachmittags steuerte der Dampfer 17 Sm nach ON0®%/40,!) von 2 bis 
4 Uhr legte er bei langsam gehender Maschine 11 Sm nach NNW’4W zurück, 
Die Wetteranzeichen ließen keinen Zweifel mehr darüber, dafs man sich im 
Bereich eines Wirbelsturmes befand, der etwa eine nordöstliche Vorwärtsbewegung 
hatte, welche die Geschwindigkeit des Dampfers übertraf, der infolge des letzteren 
Umstandes aus dem linken vorderen Quadranten des Sturmes in dessen linken 
hinteren Quadranten gelangte. Als daher um 4 Uhr nachmittags, auf 29,3° N-Br 
und 128,5° O-Lg, eine Aenderung zum Besseren in Wind, Wetter und See nicht 
eingetreten war, wenngleich die Windstärke vielleicht etwas abgenommen hatte 
und man sich somit auf dem Nordnordwestkurse wenig vom Centrum entfernt 
hatte, wurde wieder ein 0'4N-Kurs eingeschlagen und auf demselben bis 6 Uhr 
9 Sm gut gemacht. Hierauf änderte man den Kurs nach 0’%4N auf Akuisi sima 
und fuhr von 7 Uhr an mit vollem Dampf. Der Wind, welcher bis 5 Uhr mit 
der Stärke 7 aus Nord geweht hatte, nahm jetzt rasch zu und erlangte um 7 Uhr 
die Stärke 8, um 8 Uhr die Stärke 9 (voller Sturm). Die See lief hoch und 
wild durcheinander, und das Schiff arbeitete schwer in derselben. Der Himmel 
war jetzt ganz bezogen; die Regenböen stellten sich seltener ein. Das Barometer 
erreichte um 9 Uhr abends, auf ungefähr 29,4° N-Br und 129,0° O-Lg, seinen 
tiefsten Stand von 752,5 mm (unred.) und behielt denselben bis 12 Uhr 
nachts, während der Wind bei gleichbleibender Stärke (9) seine Richtung nach 
NNW veränderte. Um die letztgenannte Stunde wurde Akuisi sima ungefähr 
recht voraus gesichtet und um 1 Uhr morgens den 18. August in der Peilung 
SO auf einem Abstande von 3 bis 4 Sm passirt. Der Wind holte darauf bei 
zunehmendem Luftdruck rasch auf WNW, behielt aber die Stärke 9 noch bis 
8 Uhr morgens, auf 29,8° N-Br und 130,8° O-Lg, als das Barometer 756,0 mm 
zeigte. Am 18. August um 12 Uhr mittags befand sich der Dampfer auf 30,0° N-Br 
und 131,4° O-Lg, woselbst bei einem Luftdruck von 757,6 mm ein stürmischer 
Westwind (8) wehte, der bei weiterer Linksdrehung langsam abnahm. Um 12 Uhr 
\ Vgl, diese Annalen, 1887, S. 115; „Winke zum Manövriren in Taifunen bei Japan.“ 
T), Red.
	        
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