Einige Bemerkungen über Onega (Weifses Meer).
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sächlich seinen Grund in der gleichzeitigen Anwesenheit von 9 bis 10 gröfßfseren
Dampfern und einigen Segelschiffen hatte. Von den Dampfern luden, wie
bereits gesagt, aufser uns sechs für die „Onega Wood Dan aber
zum Transport der Ladungen nur im Besitz von etwa zehn Leichtern und eines
einzigen Schleppdampfers war, der diese Leichter ein- und auszuschleppen hatte,
Dazu kam noch als hindernd der Umstand, dafs die beladenen Leichter nur mit
Hochwasser an den Verschiffungsplatz anlegen bezw. denselben verlassen und die
Barre passiren können.
Onega ist ein unbedeutender Ort und an Schiffsausrüstungs- Gegenständen
daselbst wenig zu haben. Es sollte daher kein Kapitän daran denken, in Onega
Anschaffungen machen zu wollen. Da die Eingeborenen nur ihre Muttersprache
sprechen, so ist der Kapitän im Verkehr mit ihnen auf die Dienste der An-
gestellten des Kaufmanns angewiesen, welche diesen Umstand zu ihrem Vortheil
auszunutzen wissen.
Obwohl Onega nur etwa 6 Sm vom Meere entfernt liegt, ist das Fluls-
wasser daselbst fast fortwährend frisch und geeignet zum Trinken, Fluthstrom
ist im Allgemeinen wenig vorhanden; nur ausnahmsweise bei stürmischem auf-
landigen Winde tritt derselbe stärker auf. Alsdann wird das Wasser zu einer
bedeutenden Höhe aufgestaut und gleichzeitig brack. Die auf der Rhede liegen-
den Schiffe müssen sich ihr Trinkwasser mit den eigenen Booten holen... Unter
gewöhnlichen Verhältnissen beträgt der Hub des Wassers bei Onega 6 bis 8 Fufs
(1,8 bis 2,4 m); Lothungen habe ich aber zur Feststellung dieser Thatsache nicht
angestellt.
Beschreibung zweier Orkane und eines Meteors,
Nach einem Bericht des II. Offiziers J. MAHNCKE vom Dampfer „Aglala®,
Der Dampfer „Aglaia“ trat am 4. August 1896 seine Reise von Singapore
nach Hongkong an und passirte um 8 Uhr 20 Minuten abends Horsburgh-Feuer.
In den ersten beiden Tagen wehte ein leichter Südwestmonsun, dann holte der
Wind allmählich nach NW herum, die Luft nahm. ein schlechtes Aussehen an,
und es traten gelegentlich Gewitterböen auf. Dabei verlief die Reise bis zum
9, August in ungefähr 18,5° N-Br und 112,0° O-Lg ohne ein besonderes Vor-
kommnifs. An diesem Tage nahm der Nordwestwind von einer frischen Briese
um 4 Uhr morgens bis zu einem stürmischen Winde aus derselben Richtung
um 12 Uhr mittags auf 19,0° N-Br und 112,1° O-Lg zu. Die Luft hatte
im Nordosten ein drohendes Aussehen angenommen; es regnete seit
9 Uhr anhaltend, und die See lief unregelmäßig bei einer gleichzeitigen
hohen Dünung aus NE. Das Barometer war langsam auf 758,5 mm (unred,)
gesunken. Am Nachmittag wurde der Sturm unter Böen heftiger und der Regen
stärker. Um 4 Uhr, als der Schiffsort 19,2° N-Br und 112,7° O-Lg war und das
Barometer auf 754,8 mm stand, wehte ein Weststurm von der Stärke 10,
begleitet von orkanartigen Böen. Das Schiff arbeitete furchtbar in der hohen
wilden See. In der Absicht, wenn möglich vor dem Centrum des anscheinend
sich in südwestlicher Richtung fortbewegenden Orkans vorüber zu kommen, wurde
S0%40 gesteuert und bis 6 Uhr abends 20 Sm zurückgelegt, so dafs der Schiffs-
ort alsdann 19,0° N-Br und 113,0° O-Lg war. Das Barometer stand um diese
Zeit mit 753,8 mm am tiefsten, während der Sturm aus West die Stärke 11, bis-
weilen Orkanstärke, bei wolkenbruchartigem Regen und furchtbar hoher See an-
genommen hatte. Das von dem Dampfer eingeschlagene Manöver (von 6 Uhr
an wurde nach und nach östlicher, dann nordöstlich und nördlich gesteuert)
hatte den gewünschten Erfolg, indem die Windrichtung sich allmählich nach
links herum durch SW und Süd nach SE veränderte, ein Beweis, dafs ersterer
das Centrum des Orkans umfuhr und an die hintere Seite desselben gelangte.
Der Wind nahm dabei an Stärke ab, und das Wetter besserte sich. Um 12 Uhr
nachts auf 19,1° N-Br und 114,0° O-Lg wehte es nur noch stürmisch aus SSW
mit Böen, um 4 Uhr morgens den 10, August brach sich die Luft, und es traten
von nun an nur noch vereinzelt Regenböen. auf. Später jedoch stellten sich
wieder bezogener Himmel und Staubregenschauer ein, Um 12 Uhr mittags den
Aun. d. Hydr. ete., 1897, Heft VI.