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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Bemerkungen über Rangun. 
923] 
_ In,Rangun war. das Wetter während unseres Aufenthaltes vom 30. Mai 
bis zum 6. Juli 1892 sehr regnerisch, und es verging kein Tag, an dem nicht 
heftige Böen von WNW bis NW auftraten. Kurz vor unserer Abreise war das 
Wetter besonders unbeständig, mit Böen zwischen NE und SE. Nach dem 
Wetterberichte sollte um diese Zeit im Norden der Andamanen ein Orkan in 
der Bildung begriffen sein, der sich am, letzten Tage unserer Anwesenheit in 
nordwestlicher Richtung entfernte. 
Nachdem die eingebrachte Ladung gelöscht war, wurde eine Ladung Reis 
für einen Hafen an der Westküste von Südamerika wieder eingenommen, 
Am 6. Juli nachmittags wurde unser Schiff durch einen Dampfer flufs- 
abwärts geschleppt und abends in der Nähe der Lootsenbrigg zu Anker gebracht. 
Da über die Hälfte der Mannschaft krank war und der Wind in den nächsten 
Tagen stets aus Süden wehte, so konnten wir nur sehr langsam nach SW voran- 
kommen, weil es nicht angebracht erschien, mit den wenigen arbeitsfähigen 
Leuten bei den häufigen schweren Böen mit Regen in der Nacht unter Segel zu 
bleiben und zu kreuzen. Endlich, am Sonntag den 10. Juli, hatten wir uns so 
weit nach Westen gearbeitet, dafs wir die Grenze zwischen dem aus dem Irra- 
waddy strömenden trüben muddigen Wasser und dem reinen grünen Wasser des 
Oceans überschreiten konnten und nicht wieder nöthig hatten, zu ankern. Nach- 
dem dieses erreicht war, erholten sich nach und nach sämmtliche Leute. Wir 
trafen auf unserer Weiterfahrt das gewöhnliche Südwestmonsun-Wetter und eine 
knappe See. Am Nachmittage des 19. Juli sichteten wir die Küste von Sumatra, 
nachdem in der Nacht zuvor Pulo Brass passirt war, Von. einem längs der 
Sumatra-Küste nach Westen setzenden Strom habe ich dieses Mal nichts bemerkt, 
wie solches im letzten Jahre um dieselbe Zeit der Fall war, als der Strom eine 
bedeutende Geschwindigkeit erlangte. Auch war die Briese damals - stets 
beständig. 
Einige Bemerkungen über Onega‘) (Weilses Meer), 
Von Kant. C. KÜHL, Führer des Dampfers „Bertha“. 
Die Lootsenstation für Onega und Soroka befindet sich am Kap Orlov 
Letni. Die hier stationirten Lootsen sind übrigens auch mit dem Fahrwasser 
nach Kyem, an dem gegenüber liegenden Theil der Westseite des Golfes, bekannt 
und bringen Schiffe gegen eine Vergütung auf Wunsch bis zu der etwa 7 Sm 
von der Mündung des Kyem- Flusses entfernten kleinen Insel Taruka, auf der 
die Lootsenstation für Kyem sein soll. Sicheres habe ich hierüber indefß nicht 
erfahren können. - 
Nachdem wir am.17. Juni 1896 beim Kap Orlov Letuni einen. Lootsen 
erhalten hatten, steuerten wir unter dessen Leitung nach der Bai von Onega, 
Die Lootsen scheinen mit dem Fahrwasser genau. bekannt zu sein; da. man sich 
aber nur schwer mit ihnen verständigen kann, indem sie aufser ihrer eigenen 
Sprache nur wenig englisch sprechen und daher leicht ein Irrthum entstehen 
kann, so thut man gut daran, stets selber mit aufzupassen. Kinige der Lootsen 
können selbst nicht einmal einige Worte englisch sprechen. Es ist nicht rathsam, 
die Fahrt ohne einen Lootsen zu machen, weil die Karten : nicht genau sein 
sollen und aufserdem Lootsenzwang vorhanden ist. 2 . 
; Die Rhede von Onega befindet sich im Norden der Insel Kio, woselbst 
ein ziemlich gut haltender, aus Sand bestehender Ankergrund ist.. Hafen- oder 
Flußlootsen sind in Onega nicht vorhanden. Wir wurden von dem Führer eines 
Schleppers der Onega Wood Company, für welche wir laden sollten, eingebracht. 
Ein bestimmtes Lootsengeld ist nicht festgesetzt; man macht dem betreffenden 
Mann, der den Lootsendienst ‚verrichtet hat, ein entsprechendes Geschenk. Wir 
passirten einkommend östlich der Insel Kio, wo wir. mit einem Tiefgange von 
9 Fuß engl. (2,7 m) den Grund nicht ‚berührt haben. Ausgehend nahmen wir 
die Route südlich und westlich. der Insel Kio und‘ dann zwischen dieser und den 
Shogly-Klippen hindurch. Dieses Fahrwasser .ist an der B. B.-Seite (ausgehend) 
) Siehe auch diese Annalen, Jahre, 1886, S. 458, und „White Sea Pilot“, 1887, S. 217.
	        
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