Bemerkungen über Rangun.
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_ In,Rangun war. das Wetter während unseres Aufenthaltes vom 30. Mai
bis zum 6. Juli 1892 sehr regnerisch, und es verging kein Tag, an dem nicht
heftige Böen von WNW bis NW auftraten. Kurz vor unserer Abreise war das
Wetter besonders unbeständig, mit Böen zwischen NE und SE. Nach dem
Wetterberichte sollte um diese Zeit im Norden der Andamanen ein Orkan in
der Bildung begriffen sein, der sich am, letzten Tage unserer Anwesenheit in
nordwestlicher Richtung entfernte.
Nachdem die eingebrachte Ladung gelöscht war, wurde eine Ladung Reis
für einen Hafen an der Westküste von Südamerika wieder eingenommen,
Am 6. Juli nachmittags wurde unser Schiff durch einen Dampfer flufs-
abwärts geschleppt und abends in der Nähe der Lootsenbrigg zu Anker gebracht.
Da über die Hälfte der Mannschaft krank war und der Wind in den nächsten
Tagen stets aus Süden wehte, so konnten wir nur sehr langsam nach SW voran-
kommen, weil es nicht angebracht erschien, mit den wenigen arbeitsfähigen
Leuten bei den häufigen schweren Böen mit Regen in der Nacht unter Segel zu
bleiben und zu kreuzen. Endlich, am Sonntag den 10. Juli, hatten wir uns so
weit nach Westen gearbeitet, dafs wir die Grenze zwischen dem aus dem Irra-
waddy strömenden trüben muddigen Wasser und dem reinen grünen Wasser des
Oceans überschreiten konnten und nicht wieder nöthig hatten, zu ankern. Nach-
dem dieses erreicht war, erholten sich nach und nach sämmtliche Leute. Wir
trafen auf unserer Weiterfahrt das gewöhnliche Südwestmonsun-Wetter und eine
knappe See. Am Nachmittage des 19. Juli sichteten wir die Küste von Sumatra,
nachdem in der Nacht zuvor Pulo Brass passirt war, Von. einem längs der
Sumatra-Küste nach Westen setzenden Strom habe ich dieses Mal nichts bemerkt,
wie solches im letzten Jahre um dieselbe Zeit der Fall war, als der Strom eine
bedeutende Geschwindigkeit erlangte. Auch war die Briese damals - stets
beständig.
Einige Bemerkungen über Onega‘) (Weilses Meer),
Von Kant. C. KÜHL, Führer des Dampfers „Bertha“.
Die Lootsenstation für Onega und Soroka befindet sich am Kap Orlov
Letni. Die hier stationirten Lootsen sind übrigens auch mit dem Fahrwasser
nach Kyem, an dem gegenüber liegenden Theil der Westseite des Golfes, bekannt
und bringen Schiffe gegen eine Vergütung auf Wunsch bis zu der etwa 7 Sm
von der Mündung des Kyem- Flusses entfernten kleinen Insel Taruka, auf der
die Lootsenstation für Kyem sein soll. Sicheres habe ich hierüber indefß nicht
erfahren können. -
Nachdem wir am.17. Juni 1896 beim Kap Orlov Letuni einen. Lootsen
erhalten hatten, steuerten wir unter dessen Leitung nach der Bai von Onega,
Die Lootsen scheinen mit dem Fahrwasser genau. bekannt zu sein; da. man sich
aber nur schwer mit ihnen verständigen kann, indem sie aufser ihrer eigenen
Sprache nur wenig englisch sprechen und daher leicht ein Irrthum entstehen
kann, so thut man gut daran, stets selber mit aufzupassen. Kinige der Lootsen
können selbst nicht einmal einige Worte englisch sprechen. Es ist nicht rathsam,
die Fahrt ohne einen Lootsen zu machen, weil die Karten : nicht genau sein
sollen und aufserdem Lootsenzwang vorhanden ist. 2 .
; Die Rhede von Onega befindet sich im Norden der Insel Kio, woselbst
ein ziemlich gut haltender, aus Sand bestehender Ankergrund ist.. Hafen- oder
Flußlootsen sind in Onega nicht vorhanden. Wir wurden von dem Führer eines
Schleppers der Onega Wood Company, für welche wir laden sollten, eingebracht.
Ein bestimmtes Lootsengeld ist nicht festgesetzt; man macht dem betreffenden
Mann, der den Lootsendienst ‚verrichtet hat, ein entsprechendes Geschenk. Wir
passirten einkommend östlich der Insel Kio, wo wir. mit einem Tiefgange von
9 Fuß engl. (2,7 m) den Grund nicht ‚berührt haben. Ausgehend nahmen wir
die Route südlich und westlich. der Insel Kio und‘ dann zwischen dieser und den
Shogly-Klippen hindurch. Dieses Fahrwasser .ist an der B. B.-Seite (ausgehend)
) Siehe auch diese Annalen, Jahre, 1886, S. 458, und „White Sea Pilot“, 1887, S. 217.