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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Jamar 1897, 
bis 150 Tons Ballast mehr an Bord und sind dann, wenn die volle Ladung 
äbergenommen ist, bis zur Tieflademarke beladen. 
Nachdem ich die Order erhalten, die Ladung in Port Blakely einzunehmen, 
gingen wir in der Nacht zum 5. Januar im Tau des Schleppers von Townsend 
fort und ankerten nach sechsstündiger Fahrt morgens 7 Uhr vor dem Hafen von 
Blakely. 
Da der Schiffsboden in den mexikanischen Gewässern stark angesetzt war, 
holte ich an demselben Tage mit Hülfe eines kleinen Dampfers auf die Bank, 
um eine Reinigung des Bodens vorzunehmen. Die Bank ist eben und rein und 
hat nur eine geringe Steigung; sie liegt in der geschützten Bucht von Blakely 
and bietet also den Schiffen eine ausgezeichnete Gelegenheit, diese Arbeit, die 
aufserdem mit keinerlei Kosten verbunden ist, dort auszuführen. Man darf jedoch 
die nöthige Vorsicht nicht aufser Acht lassen, denn die Tiden sollen nach Aussage 
eines in Blakely wohnenden Kapitäns sehr unzuverlässig sein und, besonders im 
Winter, von der Witterung stark beeintlufst werden. Um sicher zu gehen, thut 
man daher gut, erst einige Fuß Wasser ablaufen zu lassen, bevor man an die 
Bank heran holt. Wir benutzten im Ganzen 4 Tiden und konnten bis auf 3 bis 
4 Platten vom Kiel ab den Boden reinigen, trafen jedoch leider regnerisches 
Wetter, so dafs wir keine Farbe anbringen konnten. 
Port Blakely ist der beste und sicherste Ladeplatz am ganzen Puget Sound. 
Die Bucht ist eingeschlossen von kleinen Hügeln, die mit hohen Fichten dicht 
bewachsen sind und den Schiffen vollkommen Schutz gegen die im Winter häufig 
auftretenden Stürme gewähren. Wenn im Sunde die schwersten Stürme herrschten, 
hatten wir in Blakely keine gröfsere Windstärke als 5 bis 6 Beaufort-Skala zu 
verzeichnen. 
Die Schiffe, welche keine Holzpforten haben, liegen oben an dem langen, 
schmalen Einschnitt, der den Hafen bildet, haben vorn einen Anker aus und 
sind mit dem Heck an der Brücke befestigt. Die Ladung wird mit einer Dampf- 
winde über das Hinterdeck hinweg in die grofse Luke geleitet. 
Die Mühle von Blakely ist die gröfste und verarbeitet das meiste Holz 
von ajlen im Sunde errichteten Holzsägemühlen; es lagen zeitweilig zehn 
Schiffe "dort. 
Die Ansiedelung hat etwa 400 Einwohner, die fast nur aus Angestellten 
und Arbeitern der Mühle bestehen. Sämmtlichen Schiffsproviant kann man von 
der Mill Co. zu mäfßsigen Preisen erhalten, auch werden kleine Schmiede- und 
Zimmermannsarbeiten von derselben ausgeführt. 
Port Blakely gegenüber, 10 Sm entfernt, liegt die jetzt schon 60000 Ein- 
wohner zählende, in raschem Aufblühen begriffene Stadt Seattle. Ein kleiner 
Passagier- und Frachtdampfer vermittelt zweimal täglich die Verbindung zwischen 
beiden Plätzen. Das deutsche Konsulat für Puget Sound befindet sich in Tacoma. 
Die Kosten für ein Holz ladendes Schiff sind recht beträchtlich; die Hauptausgaben 
sind: Stauerlohn, Bugsirgeld und die Kommission auf die Charter. Der Stauer- 
lohn ist für ein Schiff ohne Holzpforten 1,30 $ für 1000 laufende Fufßs engl. 
Mafs, für ein mit Holzpforten versehenes Schiff 10 bis 20 Cts. weniger. Für 
Arbeiten der Schiffsmannschaft werden für Mann und Stunde 20 Cts. zurück- 
vergütet. Das Bugsirgeld wird nach einem festen Tarif berechnet und betrug 
für die „Antigone“, von St. Angelos via Townsend nach Blakely 200 $; von 
Blakely via Townsend nach See 300 ©. Die besten und stärksten Boote sind 
die der Puget Sound Towboat Co., die konkurrirenden Dampfer sind durchweg 
zu schwach, um gröfsere Schiffe bei Gegenwind auszuschleppen. 
Auf die in Europa abgeschlossene Holzcharter wird in der Regel kein 
Vorschufs gewährt, auch mufs die volle Kommission (7!/z °/o) in dem Ladehafen 
entrichtet werden. Ich erhielt die nöthigen Gelder durch Vermittelung der 
Bank of British Columbia in London, die in Seattle durch eine Filiale ver- 
treten .ist. 
Nachträglich möchte ich noch erwähnen, dafs in der Strafe Juan de Fuca 
keine Lootsen zu haben sind. Im Winter, wenn auch häufig keine Schleppdampfer 
sich draufsen aufhalten, ist dies ein grofser Uebelstand, denn es ist gewifs schon 
manches gute Schiff dort verloren gegangen, welches den Hafen erreicht haben 
würde, wenn ein mit den örtlichen Verhältnissen vertrauter Mann an Bord gewesen 
wäre. Noch im Januar d. J, gingen zwei grofse englische Schiffe, das eine an
	        
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