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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897. 
durchgemacht, der sich in ostsüdöstlicher Richtung fortbewegte. „Undine“ befand 
sich auf der linken Seite der Bahn des Centrums, „Erato“, welche etwas südlicher 
stand, gerieth in dasselbe hinein. 
Durch die vielen Reisen, welche ich zu jeder Jahreszeit als Steuermann 
und Kapitän nach Rangun gemacht, habe ich mir einige Erfahrungen in der 
Wahl der besten Route erworben. Nach diesen halte ich es für das Beste, zur 
Zeit des Nordostmonsuns Pulo Brass anzulaufen und dann, wenn der Wind nicht 
raum genug ist, um Great Nicobar auf St. B.-Halsen frei segeln zu können, ab- 
zuhalten und nahe in Lee der Nikobaren nach Norden zu steuern. Die West- 
seite dieser Inseln ist rein von allen Riffen und Untiefen, und da der Wind 
über dieselben hinwegweht, hat man dort auch schlichtes Wasser. Mit der 
„Thalassa“, einem schlechten Segler, besonders bei dem Winde, habe ich hier 
einst 180 Sm in einem Etmal zurückgelegt. Vor dem Zehngrad- Kanal schralt 
der Wind gewöhnlich weg und drängt das Schiff nach Westen, was übrigens 
nicht schlimm ist, da man doch wegen der Riffe an der Westseite der Andamanen 
abhalten mufs. Je weiter man nach Norden kommt, desto schraler wird der 
Wind und bietet bald dem Schiffe die Gelegenheit, über den anderen Bug zu 
gehen und auf B. B.-Halsen vielleicht die Insel Preparis oder das Alguada-Riff 
anzulaufen. Dann hat man das Feuerschiff der Krishna-Untiefe in Sicht zu 
bringen und, nachdem dieses passirt ist, sich möglichst nahe am Lande zu halten. 
Die Wassertiefen verändern sich hier so gleichmäfsig, dafs bei regelmäfsigem 
Lothen keine Gefahr für das Schiff vorhanden ist, den Bänken zu nahe zu 
kommen. Kann man nicht gegen die Ebbe vorankommen, so ankere man.') 
im Südwestmonsun suche man entweder Great Nicobar oder Car Nicobar 
anzulaufen. Diese Inseln sind zeitig genug auszumachen, denn wenngleich die- 
selben auch niedrig sind, so sind doch ihre Küsten ziemlich rein, und es finden 
sich nirgends dort weit abliegende Riffe. Die Andamanen passire man an ihrer 
Ostseite, jedoch in keinem zu geringen Abstande. Hier hat man den Vortheil 
einer ruhigen See und vermeidet gleichzeitig die gefährlichen Riffe an der West- 
seite der Andamanen, welche man auf der äufseren Route unter Lee hat. Auch 
aus dem Grunde, dals man sich nach einer langen Reise nicht ganz sicher auf 
sein Besteck verlassen kann, ist es besser, die Nikobaren anzusteuern, als eine 
der Andamanen. Beim Passiren der Andamanen laufe man die Inseln Barren 
und Narcondam an. Von der letzteren, welche weit zu sehen ist, setze man 
den Kurs auf die Untiefe Krishna. Den Schein des Bluelights, welches auf dem 
Feuerschiffe dieser Untiefe des Nachts alle halbe Stunde gezeigt wird, habe ich 
bis auf eine Entfernung von 15 Sm gesehen. Von hier steuere man unter 
fleifsigem Lothen nach der Lootsenbrigg vor der Mündung des Rangun -Flusses, 
Stauer, Händler und andere bei der Schiffahrt interessirte Geschäftsleute 
halten ihre sogenannten Dubaschboote in See und in der Nähe der Lootsenbrigg. 
Es kann den Kapitänen der einkommenden Schiffe nicht genug angerathen 
werden, sich nicht mit den an Bord dieser Boote anwesenden Runnern ein- 
zulassen, vor Allem aber ihnen keine Versprechungen zu machen. Bedarf man 
eines dieser Boote, um von Elephant Point nach Rangun wegen eines Schlepp- 
dampfers zu telegraphiren, so bestimme man vorher mit dem Dubasch den Lohn 
für die Besorgung des Telegramms und bezahle denselben erst nach Ankunft 
in Rangun. 
Kommt ein Schiff nur für Order nach der Lootsenstation, und mufs der 
Kapitän nach Rangun hinauffahren, so kann er dieses am bequemsten erreichen, 
wenn er sich zunächst an Bord der Lootsenbrigg begiebt. Von hier aus nehmen 
ihn entweder die Lootsen in ihrer Dampfbarkasse mit zur Stadt oder sie setzen 
ihn an Bord eines der zahlreichen aufgehenden Dampfer. Es ist diese Beförderungs- 
weise bei Weitem derjenigen in den schmutzigen Dubaschbooten vorzuziehen, 
besonders wenn man die gesundheitsschädlichen Einflüsse dieses langen, von 
sumpfigen Ufern begrenzten Flusses in Betracht zieht. Die Lootsen haben mich 
ganz besonders auf diesen Punkt aufmerksam gemacht, 
In Rangun wurde davon gesprochen, dafs in nicht allzu ferner Zeit bei 
den Baragua Flats ein Feuerschiff ausgelegt werden soll. ”) 
1) S. das „Segelhandbuch für den Indischen Ocean“, S. 540 ff. 
2) Ist nach dem „Verzeichnis der Leuchtfeuer aller Meere“, Jahrg. 1897. bereits ausgelegt.
	        
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