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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1897,
Bemerkungen über Rangun.
Von Kapt. F. NIEJAHR, Bark „Anna Schwalbe“, und Kapt. H. OTTO vom Schiff „Undine“.
Der Seelootse in Rangun, schreibt Kapt. Niejahr, verankert das Schiff strom-
abwärts von anderen Fahrzeugen, welche schon im Hafen vertäut sind. Ein Hafen-
lootse oder „Assistant Harbourmaster“, wie er hier genannt wird, kommt an Bord
und bringt das Schiff, mit der Fluth vor einem Anker treibend, an seinen Platz, wo-
selbst es mit je einem Anker und 45 Faden Kette vor Fluth und Ebbe vermoort wird.
Wer einen Mooringschäkel hat, thut wohl, ihn zu benutzen; sonst ist es Vorschrift,
die Ketten frei von Schlägen zu halten. Das Ruder mufs mittschiffs liegen, Die
Schiffe liegen in drei Reihen, je 75 Faden voneinander entfernt, so daß in der
Mitte zwei Fahrwasser für auslaufende und einkommende Dampfer bleiben und
an beiden Ufern noch ziemlich breite Rinnen für Leichterfahrzeuge und Raum
zum Anlegen an Pontons. Von diesen liegen mehrere an der Stadiseite, dem
linken Flufsufer, vermoort und sind mit dem Lande durch eine dort in Gelenken
sich bewegende Brücke verbunden, so dafs der Gezeitenhub kein Hindernifs beim
Löschen und Laden verursacht. Dampfer benutzen meistens diese Plätze, doch
auch Segelschiffe mit Stückgutladungen. Einzelne dieser Pontons haben Bock-Krähne
zum Heben gröfserer Gewichte. Ueber Anlegekosten und Krahnbenutzung ist
mir nichts bekannt. Die Massenartikel wie Kohlen, Salz und Ballast werden
alle mit Leichterfahrzeugen von Bord geholt, ebenso geschieht die Beladung mit
Reis vermittelst Leichter.
Ein ankommendes Schiff wird hier von Runnern, besonders der Stauer,
überlaufen, auch Bumboote, Seidenwaarenhändler, Schuster und Schneider fehlen
nicht, so dafs der Kapitän nur froh ist, bald von Bord zu kommen, was ohne
Abwarten des Besuches der Zollbeamten oder des Quarantänearztes geschehen
kann, falls keine ansteckenden Krankheiten an Bord sind. Ist dies der Fall,
dann muß man Flagge Q des internationalen Signalbuches zeigen und darf vor
der Quarantänevisite keine Leute an Bord kommen lassen oder selber mit dem
Lande in Verbindung treten. Hafenordnung, Quarantäne- und Zollvorschriften
werden vom Lootsen übergeben; sie sind zu umfangreich, um sie hier in der
Uebersetzung wiederzugeben, da auch überall bekannt ist, dafs die englischen
Behörden sich bemühen, den Schiffen keine Schwierigkeiten zu bereiten.
Die Stauer berechnen für die Tonne Reis überzunehmen und zu verstauen
3 bis 3'/ Annas, was eigentlich sehr billig ist, doch verdienen sie wohl haupt-
sächlich an der Lieferung von Matten, Bambus, Holz und Brettern zur Garnirung,
ferner besorgen sie den täglichen Gebrauch für die Schiffsküche sowie Reise-
proviant. Auch übernehmen sie die Entlöschung des Ballastes zu 5 Annas per
Tonne aus dem Schiffe. Steinballast, besonders von Mauritius, Bombay und
Melbourne, wird gut bezahlt, bis zu 2 Rupien die Tonne je nach dem Angebot.
Es wird hauptsächlich dunkler Granit gewünscht und zum Strafsenbau benutzt,
Steine von Brasilien sind weniger gesucht, und man kann kaum 1 Rupie netto
die Tonne dafür bekommen. Für Steine mufs auch Zoll bezahlt werden, und
man hat darauf zu sehen, dafs ein Erlaubnifsschein von der Zollbehörde an Bord
ist. Schiffe, die Ballast nöthig haben, können ihn kaum unter 2 Rupien die
Tonne bekommen und dann ist es nasser Sand von den Bänken des Flusses.
Wenn gerade Schiffe Sandballast löschen, wird die Ueberführung auch nicht viel
billiger, da 10 Annas für Ein- und Ausladung und 12 Annas Leichterlohn bezahlt
werden müssen; doch Kapitäne von Eisen- und Stahlschiffen geben noch gern
etwas mehr dafür, um nur trockenen Sand unten in den Raum zu bekommen,
Ein Sampan kostet 1 Rupie den Tag, und ebenso viel kann man für Benutzung
von Wagen rechnen, da Europäer hier nicht ohne Schädigung ihrer Gesundheit
in der Sonne herumlaufen dürfen.
Bei Reisladungen liefert der Ablader Bretter, Leisten und Nägel zu
Mittelschotten, die an beiden Seiten der Stützen gegen dort aufgestellte Latten
festgenagelt werden und so Ventilatoren für die Ladung bilden. Aufserdem
erhält man Ventilatoren, bestehend aus zwei Brettern, 6 Zoll voneinander, über
deren Hochkanten an beiden Seiten zweizöllige Leisten genagelt sind; diese
werden senkrecht und horizontal längs- und dwarsschiffs zwischen den Reissäcken