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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1897,
Man darf annehmen, dafs ähnlicher Wind auch im Karischen und im östlichen
Theile des Barents-Meeres herrschte. Als Resultat dieser meteorologischen Ver-
hältnisse erscheint ein bedeutendes Sinken der Temperatur der Oberfläche des
Meeres im ganzen nordöstlichen Theil des Barents-Meeres.,
Wo im Jahre 1893 die Temperatur 5° C betrug, finden wir für 1894 eine
Temperatur von 3 bis 5°C. Oestlich von Kolgüyef findet man 5° bereits nicht
mehr. Bei der Insel selbst sind es 3° und 30 Sm östlicher schon entweder 0°
oder ununterbrochenes Eis. So stand es im Juli, welcher zwar recht warm war,
jedoch auf sehr kalten Mai und Juni mit frischem Nordost folgte.
Im August änderte sich das Bild vollkommen: die Wärme des Juli mit
seinen Südwinden hatte das Ihrige gethan, und die Isothermen nahmen folgende
Lage an: die Region der 0° Temperatur wurde weit nach Osten gerückt bis zum
Meridian der südlichen Spitze von Növaya Zemlyd, von welchem westlich die
Temperatur sehr rasch zunahm, so dafs bei Kolgüyef wir schon 3° und 5° hatten
— somit also der Weg zur Petschöra offen stand.
Was die Beobachtungen über specifisches Gewicht anbelangt, so
erweist es sich (wenn man annimmt, dafs der Golfstrom durch blaue Farbe und
specifisches Gewicht von 1,025 charakterisirt wird), dafs längs dem Murman die
südliche Grenze des Golfstroms sowohl in kalten als in warmen Sommern fast
parallel der Jappländischen Küste, ungefähr 100 Meilen von ihr entfernt, hinzieht.
Weiter nach Osten aber bleibt sich die Lage des Golfstroms in verschiedenen
Jahren durchaus nicht gleich.
in warmen Sommern zieht sich seine südliche Grenze 60 Sm nördlicher
als Känin-Nös hin, richtet sich dann auf die nördliche Küste von Kolgüyef und,
nachdem sie ostwärts längs desselben Parallels ungefähr bis zum Meridian der
Kolokolkof-Bai sich hingezogen, wendet sie sich schroff nach Norden, zum süd-
lichen Gänse-Kap.
In kalten Sommern aber, besonders in Sommern mit frischem Nordost,
welcher zweifellos eine entsprechende Meeresströmung hervorruft, wird der Golf-
strom bedeutend nach Norden zurückgedrängt, seine südliche Grenze bleibt dann
von Känin-Nös 100 Sm entfernt und wendet sich vom Meridian dieses Kaps, ohne
nach Osten gegen die Petschöra hin vorzudringen, allmählich nach Norden, zum
nördlichen Gänse-Kap.
Vom nördlichen Gänse-Kap an umspült der Golfstrom die Küste von
Növaya Zemlya fast ununterbrochen.
Diese Beobachtungen sprechen auch dafür, dafs es noch zu wenige Data
für durchaus sichere Schlüsse über die Verbreitung des Golfstromes giebt, da(s
ungeheure Wasserflächen im Barents-Meere noch der Erforschung harren und dafs
die Resultate der zukünftigen Forschungen aufser dem ihnen innewohnenden
grofsen wissenschaftlichen Interesse auch ihren Theil praktischen Nutzens bringen
werden.
Notizen.
1. Aufserordentlich hohe südliche Route durch den Stillen
Ocean. Nach einem Berichte des Schiffsrheders Herrn C. Andersen an die
Seewarte schlug dessen Dampfer „Severus“, Kapt. Berndt, der in regelmäfsiger
Fahrt mit gefrorenem Fleisch von Australien nach London beschäftigt ist, auf
seiner letzten Reise einen weit nach Süden führenden Kurs ein, auf welchem er
am 10. Januar 1897 den 66. Breitengrad erreichte. Auf der Weiterfahrt wurde
in den hohen südlichen Breiten ausnehmend schönes Wetter und ruhige See an-
getroffen, wesentlich bessere Umstände als auf der vorhergegangenen Reise
zwischen 50° und 60° S-Br. Die Nächte waren ganz hell, um 1 Uhr morgens
war die volle Sonnenscheibe schon wieder über der Kimm sichtbar. In der
Woche vom 7. bis 14. Januar passirte der Dampfer nicht weniger als 250 Eis-
berge, unter denen sich solche von 1’ Sm Länge und 150m Höhe befanden.
Auch tummelten sich hier unzählige Wale, so dafs gleichzeitig 30 bis 40 Wasser-
strahlen zu sehen waren. Die von dem Dampfer zwischen Sydney und Diego-
Ramirez zurückgelegte Distanz beträgt nur 5168 Sm.