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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Magnetische und hydrographische Beobachtungen im Eismeere 1893 bis 1595, 217 
Nachdem ich alle Beobachtungen ‚über magnetische Deklination zu einer 
bestimmten Epoche zurückgeführt hatte, übertrug ich die erhaltenen Zahlen auf 
eine Karte. Um weiterhin Linien gleicher Deklination auftragen zu. können, 
benutzte ich die bekannte magnetische Karte von A, Tillo, welche im Band VIII 
des Repertoriums für Meteorologie für das Jahr 1881 veröffentlicht‘ ist ‚und für 
das Jahr 1880 gilt. Mit Hülfe der oben angeführten sich auf 6,1 belaufenden 
jährlichen Aenderung rückte ich die Isogonen dieser Karte so lange vor, bis sie 
dem von mir erwählten Jahre 1893 entsprachen. Mit Hülfe der zwischen den 
Berechnungen nach der Karte und den gegebenen Beobachtungen sich ergebenden 
Differenz wurden ferner Lage und Richtung der Linien derart geändert, dafs 
die positiven und die negativen Abweichungen einander die Wage halten. ; 
Die erhaltenen Resultate bewiesen, dafs die Vertheilung der magnetischen 
Deklination auf der ganzen von der Karte umfalsten Region ziemlich regelmäfsig 
ist und nur in. Teriberka an der Murmanschen Küste sich eine bis auf 1'4° 
belaufende Abweichung zeigt. ; . 
Was die hedeutende Anomalie beim Kap Pinagoref in der Bai von Kola 
betrifft, so gelang es mir zufällig, von einem Postdampfboot aus, dort persönlich 
3ine Abweichung von 32° zu beobachten. Es ist sehr möglich, dafs die Ab- 
weichung noch gröfser ist. Jedenfalls harrt diese Anomalie noch der Erforschung. 
Nun gehe ich zu den hydrographischen Beobachtungen über, 
Beachtet man die Jahreszeit, in welcher diese Arbeiten vor sich gingen, so 
erweist es sich, dafs alle Beobachtungen in zwei Gruppen getheilt werden müssen: 
die erste umfafst die im März, April, Mai und Juni gemachten Beobachtungen 
in den Gewässern längs der Murman-Küste, die zweite Beobachtungen auf offener 
See, welche im Juli und Augnst während der Fahrten nach Növaya Zemlyä, 
Petschöra, Yugörski Shar und Kolguüyef gemacht wurden. 
Im vorigen Jahre hatte ich bereits die Ehre, der Gesellschaft Bericht zu 
erstatten über das rasche Steigen der Temperatur in den Gewässern längs der 
Murman-Küste in der Richtung von Ost nach West, sowie über ihr Steigen 
vom Anfang des Frühjahrs bis zum Ende des Sommers; dieser Bericht ist in 
Band XXXI der „Nachrichten“ der Gesellschaft erschienen.!) 
in der gegenwärtigen Mittheilung machte ich den Versuch, auf Grund der 
von mir im Laufe der letzten drei Jahre gemachten Beobachtungen, die Frage 
über Temperatur und specifisches Gewicht des Wassers im oben hezeichneten 
Theil der Barents-See zu lösen, wobei ich die Hoffnung hegte, mit Ausarbeitung 
dieser Frage zugleich auch die Grenzen des Golfstroms für Juli und August fest- 
zustellen, für jene Monate also, während deren hauptsächlich Schiffahrt auf dem 
Barents-Meere nach Növaya Zemlyd, zur Petschöra und in das Karische Meer 
stattfindet: ; . 
Im Mittel stellt die Vertheilung der Temperatur für drei Jahre folgendes 
Bild dar: 
Im Laufe der zwei Sommermonate Juli und August fliefst längs der ganzen 
Murmanschen Küste ein 30 Meilen breiter Streifen bedeutend (bis zur Temperatur 
von 9 bis 11° C) erwärmten Wassers; gen Nordost hin sinkt wohl die Temperatur, 
jedoch so langsam, dafs sogar beim Mätotshkin Shar die Temperatur dieses 
Strichs Wasser noch + 3° C beträgt. Im östlichen Theil des Meeres aber, 
zwischen Kolguüyef und Vdigatsh, hebt sich hiervon eine Region mit Temperaturen 
von 0° und darunter, welche ihre Existenz offenbar der Nähe des kalten Karischen 
Meeres verdankt, sehr scharf ab. 
Interessant sind folgende Einzelheiten: 
Middendorf sagt in seinem Aufsatze: „Der Golfstrom östlich vom Nord- 
kap“, dafs in der Nähe von Kanin ein Arm vom Golfstrom sich trennt und längs 
Jes östlichen Ufers des Weiflsen Meeres bis an die Mündung der Dvina zu ver- 
‘olgen sei. Die niedrige Temperatur, welche. in der bezeichneten Region im 
Jahre 1893 von mir beobachtet wurde, beweist, dafs in jenem Jahre wenigstens, 
es einen solchen Arm. des Golfstroms nicht gegeben hat. 
Wie günstig das Jahr 1893 für die Schiffahrt im Eismeer gewesen, so un- 
yünstig war dagegen das folgende Jahr 1894. Im Anfang des Sommers wehte 
im Weißen Meere sechs Wochen lang ein anhaltender, oft recht frischer Nordost. 
N Vgl. „Annalen der Hydrographie“, 1896, S, 26, 
Ann, d. Hydr. etec., 1897, Heft Y.
	        
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