216 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1897,
rasch, und die astronomischen Beobachtungen zur Bestimmung der Lage des
Schiffes gelingen infolge ungünstiger atmosphärischer Verhältnisse so selten, dafs
man während der Fahrt in diesen Gewässern sich hauptsächlich durch Logge-
rechnung leiten lassen mufs. Daher ist genaue Kenntnifs der Deklination der
Nadel eine wesentliche Bedingung sowohl des guten Fortkommens als auch der
Sicherheit des Schiffes.
20 Punkte hielt ich aber für durchaus ungenügend zum Zusammenstellen
einer magnetischen Karte für ein so grofses Gebiet und gesellte ihnen daher
auch Beobachtungen hinzu, welche in letzter Zeit im Weifsen Meere von Officieren
der Weifs-Meer-Aufnahme gemacht worden sind.
Diese Beobachtungen wurden dort seit dem Jahre 1887 von Folgenden
gemacht: dem Obersten Baron Maydell, den Stabskapitänen Pashkof, Deplo-
ranski und Kulikof, dem Lieutenant Prestin II und dem Schiffsfähnrich
“efelof.
In 25 Punkten wurde die Deklination von ihnen, in 50 von mir bestimmt;
zusammen ergab dieses 75 magnetische Stationen auf dem Weifsen Meere, zu
welchen ich noch die 20 Punkte des Eismeeres hinzufügte. Die Summe der auf
diese Weise erlangten Stationen — 95 — hielt ich für mein Ziel für genügend.
Es entsteht nun die Frage über die Art der Bearbeitung des gewonnenen
Materials.
In diesen nördlichen Regionen giebt es kein magnetisches Observatorium,
weshalb es unmöglich ist, das tägliche und jährliche Mittel für diese Beobach-
tungen zu bestimmen. Aber sie alle, mit wenigen Ausnahmen nur, wurden zum
Glück in den Sommermonaten und aufserdem noch viele von ihuen um 10 Uhr
morgens gemacht, d. h. um eine Tageszeit, wo die Deklination beim täglichen
Wechsel dem Mittel nahe kommt.
Da ich ausschliefslich die Interessen der Navigation im Auge hatte, hielt
ich mich für berechtigt, die unmittelbar erhaltenen Resultate als das jährliche
Mittel für das gegebene Jahr zu betrachten.
Alles Erhaltene mufste nun auf einen bestimmten Zeitraum zurückgeführt
werden. Dabei ging ich folgendermafsen vor:
Die gröfste Zahl magnetischer Beobachtungen aus den letzten Jahren fällt
auf den Zeitraum 1891 bis 1895. Früher, in den Jahren 1887 bis 1891, sind
im Weiflsen Meere nur elf magnetische Beobachtungen angestellt, die übrigen 84
fallen in die zweite Zeitperiode. Ich wählte das Mitteljahr dieser zweiten Periode,
das Jahr 1893, und führte auf dieses alle Resultate zurück.
Dieses Zurückführen geschah folgendermafsen:
Von den 95 magnetischen Stationen der letzten Zeit fanden sich 20 solche,
auf welchen schon viele Jahre vorher Beobachtungen gemacht worden sind von
anseren Vorgängern im Studium der hydrographischen Verhältnisse des russischen
Nordens, als: Lütke, Reinicke, Pakhtüssof, Berejnich, Beldvenets,
Smirnöf, Savelieff und Anderen. In mehreren Punkten wurden die Beob-
achtungen sogar mehrmals wiederholt. So z. B. wurden im Solovetskischen Kloster
Beobachtungen angestellt: von Reinicke im Jahre 1829, von Zarübin im Jahre
1860, von Belävenets im Jahre 1870, von Smirnöf im Jahre 1877 und im
Jahre 1892 von mir. In Arkhangelsk wurden sie gemacht: von Reinicke 1832,
von Belävenets 1870, von Smirnöf 1877, von mir 1895, u. s. f.
Indem ich verschiedene Kombinationen dieser wiederholten Beobachtungen
anstellte, erhielt ich als Mittel von 33 Daten für die ganze Region eine jährliche
Aenderung der Deklination = 6,1; diese Zahl habe ich denn zum Zurückführen
aller Data auf den gegebenen Zeitraum benutzt,
Ich hatte die Hoffnung, dafs es mir auch gelingen werde, eine gewisse
Regelmäfsigkeit in der Aenderung selbst des jährlichen Fortschreitens der Dekli-
nation zu entdecken. Zu diesem Zweck kombinirte ich die der Zeit nach ent-
ferntesten Beobachtungen mit den unmittelbar auf sie folgenden; Letztere wieder
mit denen, die nach ihnen angestellt wurden u. s. w. bis zu den neuesten — aber
es ergab sich nichts Bestimmtes.
Das Einzige, was man dabei hätte bemerken können war, dafs im Anfang
unseres Jahrhunderts die Deklination sich schneller änderte als jetzt, zu Ende
desselben.