Navigirung im Kanal von Ischia.
215
Grund gerathen können. Dies wird indessen vermieden, wenn ‚die Schiffe, die
von Genua kommen und die Höhe von Porto d’Anzio erreicht haben, nicht im
spitzen Winkel auf die Nordküste der Insel anfahren, sondern von vornherein
die Mitte des Kanäls von Ischia zu gewinnen trachten und dann, wenn’ sie etwa
den auf der Karte (Tafel 6) mit A bezeichneten Punkt erreicht haben, dicht
rechts vom Castel d’Ischia vorüber die Punta von Pisciazza peilen und diesen
Kurs strenge einhalten, bis sie die Höhe der Südspitze von Vivara und Procida
erreicht haben. Bei diesem Kurse werden die Untiefen von Bagno d’Ilschia und
die Formiche di Vivara vermieden. Hat man dann. die Höhe der Südküste von
Vivara und Procida erreicht, so kann man ohne Bedenken den Kurs nach Osten,
auf Neapel zu, richten,
_ Auf mein Ersuchen hat die hiesige Admiralität den richtigen Kurs durch
den Kanal von Ischia in der Karte eingetragen (s. Tafel, 6).
Ueber die Resultate der magnetischen und hydrographischen.
Beobachtungen im Eismeere in den Jahren 1893 bis 1895.
Seit dem Jahre 1893 werden, wie bekannt, alljährlich russische Kreuzer
in das Nördliche Eismeer gesandt, zum Schutz von Fischfang und Jagd‘ vor
fremden Ausbeutern, welche bis dahin in russischen Gewässern fast straflos
wirthschafteten. ; .
Aufser Erfüllung dieser Hauptaufgabe wurden von den Kreuzern auch
hydrographische Arbeiten nach einem von der hydrographischen Hauptverwaltung
des Marineministeriums ausgearbeiteten Programm unternommen, welche Berich-
tigung und Ergänzung der Karten der nördlichen russischen Küsten bezweckten.
Ueber die Resultate dieser hydrographischen Arbeiten von den Kreuzern
„Nayezdnik“ und „Vestnik“ im Eismeere in den Jahren 1893 und 1894 hatte
ich bereits im Januar verflossenen Jahres die Ehre, der Gesellschaft Bericht zu
erstatten. *)
Seitdem ist noch ein Jahr, das Jahr 1895, verflossen, während dessen der
Kreuzer „Djigit“ das Werk seiner beiden Vorgänger im Eismeer fortsetzte.
Die Summe der Thätigkeit im Laufe dieser drei Jahre ergiebt: 17 astro-
nomische, 20 magnetische Punkte, 732 Punkte, wo Temperatur, specifisches Ge:
wicht und Farbe des Seewassers beobachtet und 20 Punkte, wo der Koefficient
der Erdrefraktion bestimmt wurde.
Ich werde mich nicht aufhalten mit Bes<Lreibung der benutzten Instrumente,
der Art des Vorgehens und der Genauigkeit der erlangten Resultate, da ich
darüber schon im vorigen Jahre berichtet. habe. Die gegenwärtige Mittheilung
bezweckt nur die Darlegung von dem, was sich aus meinen magnetischen und
hydrologischen Arbeiten ergiebt.
Beginnen wir mit den Resultaten der magnetischen Beobachtungen,
Die magnetischen Punkte des Eismeeres sind längs der ganzen russischen
Küste, von der Fischer-Halbinsel an der Murman-Küste an bis zur Insel Vdigatsh
beim Eintritt in den Yugörski Shar, ziemlich gleichmäfsig vertheilt, aber alle
Beobachtungen, diejenigen auf Növaya Zemlya allein ausgenommen, umfassen
eine Region, welche sich längs des Parallels hinzieht und der Breite nach nur
geringe Ausdehnung hat.
Auf Grund der Arbeiten für die drei letztverflossenen Jahre beabsichtige
ich eine neue magnetische Karte des Barents-See zu entwerfen, um dadurch
sowohl den russischen Kreuzern als auch überhaupt allen Seefahrern, welche die
nördlichen Gewässer Russlands besuchen, zu Hülfe zu kommen.
Die magnetische Deklination, mit welcher der Seemann stets rechnen
muf, ändert sich in diesen hohen Breitengraden mit Aenderung der Länge so
1) Vortrag, gehalten am 8. März 1896 von M. E. Jdanko in der Sitzung der vereinigten
Abtheilungen für mathematische und physische Geographie der Ksrl. Russ. Geographischen Gesell-
schaft in St. Petersburg.
2) S. die „Jzvestiya“ der Ksrl. Russ. Geogr, Ges, XXX 1595, S. 118, vgl. Annalen 1896.
SA 94