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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Ortt:; Der Einflufs des Windes und des Luftdruckes auf die Gezeiten, 207 
Wird die Windstärke geschätzt in Theilen oder Graden der Beaufort- 
Skala, so kann man k und kr eintragen, wie in nachstehender Tabelle 
ersichtlich ist. 
Windstärke 
nach der ' k 
Beaufort-Skala 
0.4 
6 
10 
16 
45 
38 
50 
70 
90 
110 
-z 
10 
kt 
4,5 
65 
8 
+3 
1,5 
n 
21 
25 
Weil als mittleres Alter der Einflüsse des Windes und des Luftädruckes in 
der Berechnung sechs Stunden angenommen sind und diese Annahme wenig von 
der Wirklichkeit entfernt scheint, so müssen die Angaben der Gezeitentafeln für 
das nächste Hochwasser im Mittel korrigirt werden mit der Beobachtung des 
Windes und des Luftdruckes, welche ungefähr zur Zeit des vorhergehenden 
Niedrigwassers stattfindet. Dieser Fall wird sich in der Praxis, wenn die 
Schiffe das steigende Wasser abwarten, um in den Hafen einzulaufen, öfters 
ereignen. 
Angenommen, daß ein Kapitän vor die Hafenmündung kommt und mit 
Hülfe obiger Formeln die Korrektion zu bestimmen wünscht, welche für das 
nächste Hochwasser an die vorhergesagte Höhe der Gezeitentafeln anzubringen 
sei, so beobachtet er die Richtung und Stärke des Windes und den Barometerstand 
und findet dafür z. B.: 
Richtung = N, Stärke = 7 Beaufort, Barometerstand = 775 mm. 
In obigen Tabellen findet man den Werth von k — 50, R= 0,6 und 
Rb= 12. 
Die Korrektion C = (50 x 0,6) — 3 — 12 (77,5 — 76,0) 
= 27 — 18° =— 9 cm. 
Das Hochwasser wird also um 9cm höher zu erwarten sein als die 
Gezeitentafel angiebt. 
Am Ende dieser Betrachtungen ist es vielleicht nicht ganz überflüssig, zu 
erinnern, dafs diese Berechnung nur eine Annäherung giebt und keineswegs zu 
mathematisch genauen Resultaten führen kann. 
Der Umstände, welche den Seestand beeinflussen, sind so viele und vielerlei; 
es können sich Einflüsse bemerkbar machen, welche am Ort selbst nicht zu ver- 
spüren sind, z. B. Einflüsse des Windes an anderen Orten, welche jedoch den 
Zustand beherrschen; auch wohl Einflüsse voriger Tage etc., dafs auch bei An- 
wendung dieser Korrektion die Wahrheit noch nicht erreicht ist, ; 
Doch Alles, was der Wahrheit näher führt und unsere Kenntnifs vermehrt, 
kann nützlich sein, und in diesem Sinne muß die gegebene Korrektionsformel 
betrachtet werden. 
Haag (Holland), März 1897. 
F, L. Ortt, 
Ingenieur v. d. Waterstaat,
	        
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