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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Einige Bemerkungen über Mazatlan, La Paz und Puget Sound, 
Um 1 Uhr nachts setzte steife südliche Briese ein, während der südwestliche 
Seegang stetig zugenommen hatte und das Schiff in heftiges Schlingern versetzte. 
Gegen 2a wurde es stürmisch; liefsen den zweiten Anker fallen und steckten 
45 Faden Kette aus, während dem anderen Anker 90 Faden Kette gegehen 
wurde. Um 8a am 1. Oktober wehte ein voller Sturm aus Südrichtung mit 
heftigen Regenböen, und das Schiff fing auf eine furchtbare Weise an zu arbeiten, 
Wir stützten die Ankerketten durch schwere Gientaljen, die an dem Fockmast 
befestigt wurden, und erwarteten nun das Aergste. Bis 4 Uhr nachmittags wüthete 
der Sturm, von heftigen Böen und schwerem Regen begleitet, und jeden Augenblick 
mußte das Brechen der Ketten befürchtet werden. Das Schiff schlingerte 
die Raanocken beinahe ins Wasser, und schwere Sturzseen schlugen an 
Deck. Auf den benachbarten Hügeln stand eine nach Tausenden zählende 
Menschenmenge, um das Schauspiel anzusehen. Glücklicherweise hielt das Anker- 
geschirr dem Andrang von Wind und Wogen stand; abends wurde es handiger, 
und im Laufe der. Nacht flaute es allmählich ganz ab, 
Wir waren das einzige auf der Rhede anwesende Schiff; zwei kleine Küsten- 
dampfer waren abends vorher hinausgegangen und hatten Schutz unter den Venado- 
Inseln gesucht. Die dänische Bark „Peruvian“ kam einen Tag nach dem Sturm in 
Mazatlan an. Dieselbe ist mittags am 1. Oktober 40 Sm von der Küste entfernt 
gewesen und hat einen so schweren Sturm gehabt, dafs der Kapitän die Unter- 
marssegel hat festmachen lassen müssen. Der Schoner „Cometa“ strandete am selben 
Tage zwischen Mazatlan und Altata, wobei der Kapitän sein Leben einbüfste. 
Nachdem dieser Sturm vorüber war, haben wir während des ganzen 
Oktobers gutes Wetter gehabt. Am 7. wurden wir jedoch noch durch 
telegraphische Sturmwarnungen von Manzanilla und zuletzt auch von San Blas 
aus veranlafst, Anker zu lichten und unter Segel zu gehen, Ich glaubte von 
Anfang an nicht recht, dafs wir schlechtes Wetter bekommen würden, denn wenn 
auch die Luft etwas drohend aussah, so hielt sich das Glas doch ziemlich be- 
ständig; die Empränger der Ladung, Wöhler, Bartning & Co., schickten jedoch 
im Laufe des Tages zweimal ein Memorandum an Bord mit den genannten 
Sturmwarnungen; auch dem Kapitän des „Peruvian“ wurde von seinem Consignatär 
die Wahrscheinlichkeit eintretenden schlechten Wetters angezeigt, und infolge- 
Jessen beschlossen wir, nach gegenseitiger Rücksprache, für die Nacht unter 
Segel zu gehen. Wir lichteten Anker und segelten gegen Abend mit mäfsiger 
Briese aus nördlicher Richtung von der Küste ab. Gegen 9 Uhr wurde es 
windstill, es zog ein heftiges Gewitter herauf, und wir trieben mit der Strömung 
nach südlicher Richtung ab. Gegen Morgen am nächsten Tage kam nordwestliche 
Briese durch, mit der wir uns soweit wieder aufarbeiteten, dafs wir abends noch 
etwa 2 Sm von der Rhede entfernt waren. Da es ganz flau wurde und wir den 
südlichen Strom nicht mehr stoppen konnten, ließ ich unter die Küste laufen 
und ankerte in 17 Faden (31 m) Wasser, während der „Peruvian“ unter Segel 
blieb. Ich glaubte, mit der Landbriese am nächsten Morgen mit leichter Mühe 
den Löschplatz wieder erreichen zu können, es blieb jedoch still, und als gegen 
Sh a wieder flaue nördliche Briese durchkam, blieb uns nichts Anderes übrig, als 
einen Wurfanker auszubringen und auf diese Weise zu versuchen, aufzuarbeiten. 
Der „Peruvian“ war nach südsüdwestlicher Richtung hin eben in der Kimm zu 
sehen. Wir arbeiteten den ganzen Tag mit Trossen und Wurfanker, konnten 
jedoch nur ca 1 Sm gewinnen, während der „Peruvian“ langsam aufkreuzte 
und gegen Abend mit nordwestlicher Briese seinen Löschplatz wieder erreichte. 
Da in der folgenden Nacht auch noch keine Landbriese einsetzte und der Strom 
dicht unter der Küste mit einer Fahrt von 1,5 Knoten nach südsüdöstlicher 
Richtung setzte, so mufßten wir uns am nächsten Tage noch bis nachmittags 
3 Uhr, bei Windstille und grofser Hitze, mit Wurfanker und Trossen abquälen, 
bis schliefslich endlich der Löschplatz wieder erreicht wurde. 
Seit der Zeit haben keine weiteren Störungen stattgefunden. Am 
26. Oktober war die für Mazatlan bestimmte Ladung gelöscht, und es wurde die 
Reise nach San Blas angetreten. Nach zweitägiger Fahrt wurde dieser Platz 
erreicht und sogleich mit dem Löschen der Ladung angefangen. Am 6. November 
waren wir auch hier fertig und traten die Reise nach La Paz an. Durch Wind- 
stillen und anhaltende nordwestliche Winde wurde die Reise derartig verzögert, 
dafs wir erst am 19. November in diesem Hafen den Anker auswerfen konnten. 
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