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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1897,
genommen ist, um zu lernen, wie viel Zeit der Einflufs des Windes sich höchstens
oder mindestens spüren lasse nach dem Augenblick, wenn ein bestimmter Wind
angefangen oder aufgehört hatte zu wehen, hat gezeigt, dafs dieser KEinflufs
merkbar war
an der Höhe
aus 60 Beobachtungen im Mittel höchstens nach 6 Stunden
und „ 17 » »„ »„ mindestens „ 5
an der Zeit
aus 33 Beobachtungen im Mittel höchstens nach 7 Stunden
und „ 13 ” % „ mindestens „ 4 ”
Ein Beweis also, dafs sechs Stunden, wie angenommen wurde, zulässig waren.
Die Berechnung geschah nun folgendermalsen:
Die Differenzen zwischen Beobachtung und Vorhersagung wurden nach
Gruppen geordnet (die Differenzen der Höhe, nachdem zuerst eine geeignete
Korrektion angebracht war wegen der jährlichen Aenderung der Höhe des Halb-
tideniveaus).
Jede Gruppe umfafste die Wahrnehmungen bei einer bestimmten Wind-
richtung und Windstärke; so wurden z. B. alle Wahrnebmungen bei Nordwind
mit Stärke 1 der Skala vereinigt zu einer Gruppe N1; u. s. w.
Nun wurde vorausgesetzt, dafs jede Gruppe einem bestimmten Einflufs des
Windes entspreche, daß also die gegenseitigen Unterschiede (Variationen) der
Differenzen einer und derselben Gruppe die Folge von verschiedenem Luftdruck sind.
Eine zweite Voraussetzung ist, dafs der Einflußs des Luftdruckes in einer
bestimmten Gruppe der Abweichung von dem Normalwerthe (76 cm) pro-
portional sei.
Sei also der Windeinflufs für jene bestimmte Windgruppe bei normalem
Barometerstand von 76 cm = x.
Das Verhältnifs der Abweichungen von Quecksilber und Seestand von
ihren Normalwerthen sei == y (also y cm im Seestand pro cm Barometerunterschied).
Der Werth einer bestimmten Differenz sei = V.
Der observirte Barometerstand sei == 76 -+ b cm, dann sollte
x+by= vv
sein. Man hat deshalb bei n Beobachtungen von einer Gruppe n Gleichungen
mit zwei Unbekannten x und y, aus welchen Gleichungen die Werthe von x
und y mit Hülfe der Methode der kleinsten Quadrate abgeleitet werden können.
Diese Methode wurde angewendet auf solche Gruppen, welche zehn oder
mehr wahrgenommene Differenzen enthalten.
Aus den so gefundenen Werthen für y wurde mit Rücksicht auf die Zahl
der Wahrnehmungen der Einflufßs der Windrichtung auf den Werth y gesucht;
ferner wurde für die Gruppen, welche jede weniger als zehn Wahrnehmungen
enthalten, eine dem Werthe y entsprechende Korrektion angebracht, um nachher
den normalen Werth des x zu berechnen.
Diese Werthe des x dienten weiter dazu, um zu suchen:
1. den Einflufs der Windstille,
2. » „ Windstärke,
3. » „ Windrichtung.
Wie bekannt ist, weicht im Allgemeinen der Meeresspiegel bei Windstille
ab vom mittleren Seestand, weil Letzterer den Einfluß der herrschenden Winde
empfindet.
Bei der Berechnung des Windeinflusses sind zwei Voraussetzungen an-
genommen:
Zuerst, dafs die Wirkung des aus benachbarten Richtungen wehenden
Windes kontinuirlich sich ändert.
Zweitens, dafs bei jeder Windrichtung der Einfluß zweier verschiedener
Windstärken durch eine und dieselbe Verhältnifszahl ausgedrückt wird. Wäre
z. B. der Einfluß einer Windstärke nach der Ymuiden-Skala = 3 doppelt so
grols wie derjenige einer Windstärke 2, so würde angenommen, dafs dasselbe
Verhältnifs bei allen Richtungen gültig sel.