Ortt: Der Einflufs des Windes und des Luftdruckes auf die Gezeiten, 201
Die Untersuchungen des Ingenieurs E. Engelenburg in No. 39, Jahr-
gang 1891, des Wochenblattes „DeIngenieur“ (mitgetheilt im Jahrgang 17, Seite 267,
und 19, Seite 498, der Annalen) sind höchst interessant, Unglücklicherweise
standen damals dem Verfasser keine Gezeitentafeln zur Verfügung, und er mufste sich
damit behelfen, den mittleren Wasserstand für jeden Tag zu berechnen aus vier
wahrgenommenen Hoch- und vier Niedrigwasserständen; Diese Methode leidet
an dem Mangel, dafs Wind und Luftdruck im Allgemeinen nicht während zweier
Etmale konstant bleiben, sondern in der Regel viel veränderlicher sind, so daß
die Einflüsse von Wind und Luftdruck, welche für jeden Tag zu dem berechneten
mittleren Stand gefügt werden, nur theilweise von der Berechnung zum Vorschein
gebracht werden. A“
Eine gute Antwort auf die Frage wird erst dann zu erhalten sein, wenn
die Angaben guter Gezeitentafeln verglichen werden mit den wahrgenommenen,
und die Differenzen geordnet werden nach Richtung und Kraft des Windes und
hach dem Barometerstand, welche diese Differenzen verursacht haben; und
schliefslich die Resultate so gruppirt werden, dafs jeder Einflufs für sich allein
zum Vorschein kommt. ; . en
Dieses Princip ist angewendet für die Höhe und die Zeit der Tide längs
der holländischen Küste. Ä ; a ;
Damit eine gute Kontrole hergestellt werde, sind die Berechnungen völlig
unabhängig voneinander in fünf Fällen für die Höhe und in drei Fällen für die
Zeit der Tide ausgeführt worden,
Eine Vergleichung der Ergebnisse wird zeigen, welches Mafßs von Genauig-
keit zu erreichen ist und inwiefern die gefundenen Resultate Vertrauen verdienen.
Diese Fälle beziehen sich auf &
1. die Höhe des Hochwassers zu Ymuiden - 1895,
2. » » ” ” »” U % ” 1896,
Bm „ Niedrigwassers „. » m 1895,
4. ” ? ” ” ” ” ” 1896,
SB. x 0 „ .Hochwassers „ Hoek van Holland „ „:. 1896.
{
1. die Zeit des Hochwassers zu Ymuiden ‘ ‘ im Jahre 1895,
m | * m mn » » Bon » ww 1896,
Sy % „ Hoek van Holland „ „ 1896,
Die Bedeutung der Kontrole wird noch vergrößert durch die verschieden-
artige Beobachtung des Windes.
Zu Hoek van Holland wurden die Aufzeichnungen des selbstregistrirenden
Windmessers‘ benutzt, welcher den Druck des Windes registrirt in kg pro qm.
Zu Ymuiden wurden die Richtung und die Stärke notirt um 8 Uhr vor-
mittags und 4 Uhr nachmittags; die Stärke wurde geschätzt nach einer sechs-
theiligen Skala, von welcher die Bedeutung folgende ist:
sowie auf
Theile der!
Gleichwerthige
Skala
Umschreibung
Theile der [Pe in kg ' Geschwindig-
” ‚ keit in Metern
Beaufortskala| . pro qm pro. Sekunde
Schwache Briese
Frische Briese
Starke Briese
Starker Wind
Sturm
v9
8,8
4,9
7:8
5,7
8,5
12,0
19,0
18
45
Weil die observirte Tide stets zusammengefügt wurde mit der vorher-
gehenden Windobservation, war-also im Mittel die Windobservation um 6 Stunden
älter als die zugehörende Tideobservation. . |
Diese Annahme ist nicht weit von der Wahrheit entfernt: Eine specielle
Untersuchung zur Beleuchtung dieser Frage, welche zu Hoek van Holland vor-
Ann. d. Hyär, ete., 1897, Heft Y.