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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Dinklage: Treibeis beim Kap der Guten Hoffnung und im Indischen Ocean. 197 
Es möge hier darauf aufmerksam gemacht werden, dafs über die Treibeis- 
verhältnisse bei Kap Horn und im südwestlichen Theile des Atlantischen Oceans 
während der Zeit vom Jahre 1868 bis 1896 im „Segelhandbuch für den Stillen 
Ocean“ auf Seite. 834 bis 838 eine Uebersicht gegeben worden ist, der die fort- 
laufend aus Schiffstagebüchern, Zeitungen etc. gesammelten und zum größten 
Theile in diesen Annalen veröffentlichten Einzelberichte zu Grunde gelegt sind. 
Es sind derselben einige Bemerkungen über die Abnahme der Wassertemperatur 
in der Nähe des Eises und sonstige Erkennungszeichen der Eisgefahr hinzugefügt. 
Da diese von allgemneinem Interesse sein dürften, so mögen sie zur Kundgebung 
an weitere Kreise hier eine Stelle finden. Es heifst daselbst: 
Ueber den Nutzen der Wassertemperaturbeobachtung zum Erkennen der 
Eisgefahr gehen die Erfahrungen und Meinungen der Schiffsführer weit auseinander. 
Während viele bei der Annäherung an das Eis, selbst bis in unmittelbare 
Nähe, keine wesentliche Abnahme der Temperatur wahrnahmen, wenigstens keine 
gröfßere, als auch ohne das Vorhandensein von Eis oftmals beobachtet wird, und 
deshalb zu der Ansicht gelangten, dafs der Gebrauch des Thermometers zu dem 
gedachten Zweck unnütz und irreführend sei, beobachteten andere wieder ein 
merkliches Sinken der Wasserwärme, als sie dem Eise nahe kamen. Es ist nun 
wohl nicht in Abrede zu stellen, dafs solche kolossale Triften, wie in den letzten 
Jahren im Südatlantischen und im Indischen Ocean auftraten, wenn sie in niedrige 
Breiten vertreiben und unter der Einwirkung des hier vorhandenen warmen 
Oberflächenwassers rasch abschmelzen, auf ihre Umgebung abkühlend wirken 
müssen, und die Beobachtungen erweisen denn auch, dafs bei dem Auftreten und 
langen Vorhandensein solch mächtiger Triften die Temperatur des Wassers gegen 
ihren normalen Werth erheblich erniedrigt ist. In den Jahren 1892 und 1893, 
als der südwestliche Theil des Atlantischen Oceans lange Zeit von ungeheueren Eis- 
massen besetzt war, wurde von Schiffen, die von Kap Horn kamen, in höheren 
Breiten vielfach wärmeres Wasser gefunden als in den niedrigeren, wo das Eis 
sich befand. Nach den Becbachtungen von „Nautilius“ z, B. fiel die Wasser- 
temperatur, welche am 21, April 1892 auf 47° S-Br und 37,5° W-Lg 11,2° betragen 
hatte, am nächsten Tage, als man auf 46° S-Br und 36° W-Lg in das Eis gerieth, 
auf 9,4°. ‚Am 23. und 24. war kein Eis in Sicht; der Wasserthermometerstand 
hielt sich am 23. in 47,3° S-Br und 36,6 W-Lg auf 11°, und am 24., als man 
wieder etwas nördlicher, nach 46,1° S-Br und 36,4 W-Lg gekommen war, auf 
10,5°. In noch nördlicherer Breite, in 43,7° S auf 35,5° W-Lg, war am 25. April 
wieder viel Eis in der Nähe, worauf der Thermometerstand wieder auf 9,2° 
zurückging. Als die Eisgrenze passirt war, trat ein rasches Steigen der Temperatur 
ein. Kapt. J. Früdden vom Viermaster „Pisagua“ beobächtete beim Durch- 
segeln der Eisregion vom 23. bis zum 26. November 1893 die Tagesmittel der Wasser- 
wärme, wie folgt: am 23. in 52,3° S-Br und 45,1° W-Lg 6,1°, am 24, in 51,0° S-Br 
und 433° W-Lg 7,3°, in 49,3° S-Br und 42,9° W-Lg 7,2° und in 48,7 8-Br 
und 44,7° W-Lg 7,3°. Nach den Karten des Meteorological Council in London 
sollte dagegen unter normalen Verhältnissen die mittlere Temperatur am 23. 
7,0°, am 24. 8,0°, am 25. 8,5° und am 26. 9,0° gewesen sein, und war demnach 
das Wasser um bezw. 0,9°, 0,7°, 1,3° und 1,7° kälter als unter gewöhnlichen 
Umständen. Acht Stunden später, als man das KEisgebiet verlassen, beobachtete 
man an Bord von „Pisagua“ schon 11,6°. 
Aus verschiedenen in den Journalen der Seewarte enthaltenen Beob- 
achtungen und Bemerkungen geht hervor, dafs das Wasser von erniedrigter 
Temperatur sich gewöhnlich an der Leeseite der Eismassen befindet und nicht, 
wie wohl schon behauptet worden ist, an der Luvseite, im sogenannten Kiel- 
wasser des Berges. Bei der ungemein langsamen Fortbewegung -der grofsen 
Berge giebt es ein solches überhaupt nicht, Das kalte Wasser, welches man 
in der Umgebung von Eismassen findet, ist das Schmelzwasser, das unter der 
Kinwirkung von Seeschlag, Sonnenschein und Regen vom Eise abfliefst und, da 
es frisch und leichter als das Meerwasser ist, sich nicht sofort mit dem letzteren 
vermischt, sondern je nach Umständen längere oder kürzere Zeit an der Meeres- 
oberfläche bleibt. Infolgedessen wird es durch die vom Winde erzeugte Ober- 
fächentrift viel rascher fortgeführt als der tiefeingesenkte Eisberg und deshalb, 
ebenso wie die durch Schmelzen abgelösten kleineren Eisstücke fast stets in Lee 
der Berge gefunden. Ausnahmen können sich ja zeigen, wenn der Wind kurz
	        
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