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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Dinkhlage: Treibeis beim Kap der Guten Hoffnung und im Indischen Ocean. 195 
280 Sm NW von Kerguelen-Insel befand, wurden im Laufe eines Ktmals 60 Berge 
gezählt, Der letzte wurde in 79° O-Lg passirt, Das Schiff wurde, während es 
sich in der Eisgegend befand, für die Nacht stets unter kleine Segel gebracht 
und mit der gröfßsten Vorsicht geführt. 
März 6 auf 45° S-Br und 50° O-Lg 6 Eisberge und einiges loses Eis. 
März 13 auf 46° S-Br und 74° O-Lg 2 Eisberge. ; 
März 14 auf 46° S-Br und 79° O-Lg nochmals ein Berg. Bericht des 
Dampfers „Buteshire“, in Adelaide angekommen. Derselbe hatte bei der Ueber- 
fahrt im Indischen Ocean anhaltend trübes und nebliges Wetter, was die Schiffs- 
führung sehr erschwerte. 
März 13 und 14 in 45° S-Br und 50° O-Lg bis 45° S-Br und 56,5° O-Lg. 
Kapt. J. Köhne von der deutschen Bark „Anna Ramien“ berichtet: „Von London 
nach Adelaide bestimmt, gingen wir am 18, Januar 1897 in See, passirten am 
20. Lizard und erreichten am 8. Februar um 4 Uhr morgens, nach einer Fahrt von 
18% Tagen vom Kanal, in 25,4° W-Lg den Aequator. Der Südostpassat war, 
der Jahreszeit entsprechend, nur sehr flau, so dafs wir erst am 2. März den 
ersten Meridian in 41,5° S-Br überschritten. Mit mäfsigen, meistens aus nörd- 
licher Richtung kommenden Winden segelten wir dann zwischen 44° und 45° S-Br 
ostwärts. Am 13. März, um 4 Uhr morgens, in ungefähr 44,7° S-Br und 50° O-Lg 
fel die Wassertemperatur, die um Mitternacht zu 8° gemessen worden war; auf 
6,3°. Der Wind, zur. Zeit NE, mit welchem wir zehn Knoten Fahrt machten, 
wehte seit Mitternacht kalt. Wir hielten deshalb scharfen Ausguck für Eis. Um 
4’/2 Uhr morgens sahen wir in der Dämmerung 4 KEisberge an B. B. voraus. 
Den südlichsten derselben, die Inseln glichen, passirten wir um 7 Uhr morgens. 
Die Höhe war reichlich 60 m, .die Länge */, Sm. Die weiter luvwärts befind- 
lichen Berge schienen etwas kleiner zu sein; es trieb viel Scholleneis in 1 bis 
3 Sm Abstand von dem Berge. Von der Bramraa waren am nördlichen Horizont 
noch viel mehr Eisberge zu sehen. Die Wasserwärme betrug in der Nähe des 
Eises 6,5°. Am selben Tage, um 4 Uhr nachmittags, auf 44,8° S-Br und 52° O-Lg 
passirten wir wieder zwischen 2 Eisbergen hindurch, von welchen der an St. B. 
wohl reichlich 100 m hoch war; auch hier sahen wir in einem Umkreise von 
5 Sm viel Scholleneis treiben. Die Wassertemperatur blieb unverändert 7,5°. 
Am 14, März, um 2'% Uhr morgens, in 45° S-Br und 54,4° O-Lg — es 
war eine sehr dunkle Nacht und das Schiff machte mit frischem Nordostwinde 
10 Knoten Fahrt — sahen wir plötzlich einen Eisberg recht voraus; wir hatten 
kaum Zeit abzuhalten und passirten an der Leeseite dicht an demselben vorbei. 
Der Berg war etwa 10 m hoch und 200 m lang. Die Temperatur sank in der 
Nähe des Eises nur von 85° auf 8,0°. Am Nachmittage um 6 Uhr, in 45° S-Br 
und 56,5° O-Lg segelten wir noch an einem kleinen Kisberge an der Nordseite 
in 1 Sm Abstand vorüber. Der Berg, von etwa 10 m Höhe und 100 m Länge, 
schien im Zergehen begriffen zu sein. Die Wassertemperatur wurde in diesem 
Falle nicht beeinflufst, hielt sich vielmehr während des ganzen Nachmittags auf 
11,5° bis 12,5° C.!). Weiterhin wurde kein Eis mehr gesehen. Der Wind blieb 
anhaltend frisch aus nördlicher Richtung und brachte uns schon am 25. März, 
dem 64. Tage der Reise ab Lizard, nach der Länge von Kap Leeuwin. Von 
hier hatten wir jedoch noch viel Ostwind und Stille, so dafs wir Kap Borda erst 
9 Tage später erreichten“. 
Die Kartenskizze auf Seite 196 zeigt die Verbreitung der in Frage stehenden 
grofsen Eistrift. Es sind in dem Kärtchen zugleich die beiden Grenzen angegeben, 
bis zu welchen erstens nach Dr. Neumayers Zusammenstellung das Treibeis im 
Indischen Ocean unter gewöhnlichen Umständen vorzudringen pflegt, und zweitens, 
bis wohin nach der Untersuchung von Dr. Fricker, allen aus früherer Zeit 
vorliegenden Berichten zufolge das. Bis bisher jemals vorgedrungen ist. Man 
ersieht, dafs der weitaus gröfste Theil der Trift sich an einer Stelle befindet, wo 
unter gewöhnlichen Verhältnissen Eis äufserst selten vorkommt. Zwischen 70° 
und 80° O-Lg ging das Eis in grofsen Massen sogar noch um mehrere Grade 
weiter nach Norden, als selbst in ganz außergewöhnlichen Fällen bisher beob- 
achtet worden ist. 
1) Das Schiff. passirte dieses Eis an der Luvseite; dies war wahrscheinlich der Grund, 
weshalb sich keine Abkühlung des Oberflächenwassers bemerklich machte.
	        
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