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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Dinklage:. Treibeis beim Kap der Guten Hoffnung und im Indischen Ocean. 191 
Von Mitte Dezember 1891 bis Ende August 1893 war das Vorkommen 
wieder ganz vereinzelt. Es gingen nur drei Berichte von verschiedenen Stellen 
des Weges ein und zwar aus den höheren Breiten 47° und 48° S, Hierauf 
folgten in jüngster Zeit ziemlich rasch nacheinander mehrere sehr grofse Eis- 
triften, deren Verhalten in allgemeinen Zügen hier dargelegt werden soll. 
Erste grofse Eistrift von September 1893 bis April 1894. Während 
dieser 8 Monate zeigte sich auf der Route fortwährend Eis in grofsen Massen. 
Das Meiste wurde in verhältnifsmäfsig niedriger Breite, zwischen 40° und 45° Süd, 
angetroffen, wo es im September 1893 den Strich von 3,7° W-Lg bis 15° O-Lg 
einnahm. Später verlegte sich das Eisgebiet weiter ostwärts; im November und 
Dezember erstreckte es sich von 10° O-Lg bis 35° O-Lg, im März und April 1894 
bis 39° O-Lg. Mit der Verschiebung nach Osten wich das Eis auch südwärts 
zurück, so dafs nach Ende Dezember nördlich von 43° S-Br keines mehr ange- 
troffen wurde, Als nördlichste Position berichtete das Schiff „Carl“ 39,8° S-Br 
in 3,7° O-Lg., wo man am .19. Oktober 5 Berge und viele Eisstücke sichtete, 
Schiffe, die eine südlichere Route einschlugen, trafen das Eis erst in einer öst- 
licheren Länge, etwa 30° Ost, und in der höheren Breite erstreckte sich das Gebiet 
auch weiter ostwärts, bis etwa 56° O-Lg. 
Zweite grofse Eistrift von November 1894 bis Juli 1895. Nachdem 
seit Anfang Mai 1894 kein Eis mehr gesichtet worden war, erschien im November 
genannten Jahres eine zweite grofse Trift, welche noch etwas länger als die 
vorhergehende, bis Ende Juli 1895, also volle 9 Monate, den Weg-besetzt hielt. 
Die meisten Schiffe kamen zwischen 42° und 45° S-Br in das Eis, und zwar 
anfänglich, im November und December, vornehmlich in den Längengraden 10° 
bis 35° O-Lg, später, im Juni und Juli, weiter östlich zwischen 20° und 50° O-Lg. 
Es wurde jedoch auch in höheren Breiten — so z. B. vom Schiffe „Largiemore“ 
am 16. März 1895 auf 47° S-Br und 12° O-Lg — sehr viel Eis angetroffen. 
Ebenso wie in der vorhergegangenen befanden sich auch in dieser Trift kolossale, 
Inseln gleiche Massen, und die Schiffe waren oft gänzlich von Bergen und KEis- 
schollen umgeben. Der östlichste beobachtete Punkt, bis zu welchem diese Trift 
vordrang, war 56,7° O-Lg in 45,3° S-Br, wo das Schiff „Buteshire“ am.4. Juni 
1895 das letzte Eis auf seiner Fahrt nach Osten sichtete. Kin vereinzelter sehr 
großer Berg wurde jedoch vom Dampfer „Essen“ am 27. Dezember 1894 in der 
freilich hohen Breite von 50,6° S so östlich als in 70,8° O-Lg passirt. 
Beiden Triften ging das Auftreten aufserordentlich grofser Eismassen im 
südwestlichen Theile des Atlantischen Oceans vorher, die, wie in früheren Jahr- 
gängen dieser Annalen berichtet worden ist, lange Zeit die Segelroute von Kap 
Horn besetzt hielten und bis in sehr niedrige Breiten vordrangen. Nachdem das 
Eis hier verschwunden war, dauerte es in beiden Fällen ungefähr 10 Monate, bis 
es im Osten auf der Route nach Ostasien und Australien erschien. 
Dritte grofse Eistrift. In der Zeit von Anfang August 1895 bis Ende 
Mai 1896 zeigte sich auf der Route nur eine kleine Gruppe von Kisbergen, 
welche von mehreren Schiffen im November und Dezember 1895 zwischen 44° 
und 46° S-Br, 49° und 50° O-Lg gesichtet wurde. Daun erschien die dritte 
grofse Eistrift, die von Juni 1896 bis zur Zeit der letzten Nachrichten von Mitte 
März 1897 anhielt. Dieselbe zeichnet sich dadurch aus, dafs sie ganz ungewöhn- 
lich weit nach Osten geht. Das erste Eis der Trift wurde in 43,7° S-Br. und 
zwischen 45° und 50° O-Lg angetroffen, wo die Bark „Anna“ auf der Reise 
nach Adelaide am 31. Mai und am 1. Juni 1896 mehrere Berge passirte. Da 
die Bark später sich nördlicher hielt, traf sie weiterhin kein Eis mehr an. 
Schiffe, die etwas südlicher gingen, . blieben dagegen bis über 70° und selbst 
85° O-Lg hinaus in der HEistrift. Der Dampfer „Rimatuka“, der vom 14. bis 
zum 18. November weit nach Osten Eis antraf, lief auf 45,3° S-Br und 52,1° O-Lg 
in die Trift hinein und hatte bis 47,9° S-Br und 82,4° O-Lg stets Eis in der 
Nähe. Es wurden auf der Strecke nicht weniger als 204 Berge gezählt. Andere 
Schiffe berichten von noch gröfseren Mengen. Die Trift erhielt sich in derselben 
Massenhaftigkeit und in derselben weiten östlichen Ausdehnung bis zu der Zeit 
der letzten Nachrichten. Die westliche Grenze derselben wurde von den meisten 
Schiffen in ungefähr 50° O-Lg passirt, doch trafen mehrere, die westlich von 
diesem Meridian schon eine höhere Breite als 45° S angesteuert hatten, schon 
in 30° bis 40° O-Lyx Eisberge an. Als äußerste Ostgrenze fand das‘ Schiff
	        
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