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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1897.
Die Versetzung des „Kambyses“ betrug vom 19. zum 20. mittags S 79° 0,
8,4 Sm, vom 20, bis 22. mittags N 78° W, 8,7 Sm. Sie entsprach in der Richtung
im Ganzen den Winden. Beim Gesammtbetrage des Sturmtages und des darauf
folgenden Tages, vom 20. bis 22., ist jedoch zu berücksichtigen, dafß die wirkliche
Versetzung nach Westen im Sturm viel größer gewesen sein wird, da am 21. von
10a an bis zum 22. mittags schon wieder frischer West gewelht hatte, dessen
Einflufs die wirkliche Versetzung während des Oststurmes, die auf rund 30 Sm
geschätzt werden mag, zum grofsen Theil wieder aufheben und das genaue Bild
der Stromversetzung, wie es sich für kürzere Zeiträume geboten haben würde,
verwischen mufste.
Die Sonderstellung des „Kambyses“-Sturmes. Die Strecke von
40° bis 50° S-Br auf Ausreisen der Segler gilt allgemein für ruhig, entschieden
für ruhiger als die La Plata-Gegend und die Breiten südlich von 50°. Die all-
gemeine Erfahrung, die Wetterkarten der Tafel 5 und die Statistik der Stürme
bestätigen diese Ansicht. Zugstrafsen barometrischer Minima sind hier seltener
als unterhalb 40 oder oberhalb 50° Breite.
Die vorherrschenden Winde sind hier westlich (von den 31 Wetter-
kärtchen 29), vor Allem die frischen und stürmischen Winde. Oestliche Winde
sind selten; werden südöstliche Winde hier stark und stürmisch, so gilt dies fast
nur für den Sommer (November bis Mai); im Winter entwickeln sie meist eine
geringere Stärke. Oestliche Winde, die stürmisch geworden sind, holen gewöhn-
lich bald nach Nordost und Nord. Der „Kambyses“-Sturm nimmt also auch in
allen diesen Beziehungen eine Ausnahmestellung ein.
Das Barometer stand zu Anfang und Ende des Sturmes hoch, 770 und
761 mm, und zeigte erst einen schnelleren Fall, 1'/2 mm die Stunde, nach dem
Ausbruch, Die gewöhnliche Einleitung, auch östlicher Stürme, ist ein Stand unter
dem Mittel, d. h. unter 756 mm, und ein entsprechender Fall, Der „Kambyses“-
Sturm gehört zu den seltenen Hochdruckstürmen, worin der Stand des Barometers
allein nichts über die Schwere des kommenden Wetters verräth, in denen das
Barometer während des ganzen Verlaufes über dem mittleren Stande bleibt und
worin der Wind seine Richtung nur wenig ändert.
Ueber die Seglerroute heißt es: „Es möchte sich empfehlen, noch lieber
nach Westen als nach Osten über diese Route hinauszugehen.“ Betrachtet man
den „Kambyses“- Sturm, bringt eine Versetzung von 3 Knoten auf Land zu in
Rechnung, wie sie innerhalb 50 Sm vom Lande vorkommen soll, so gelangt man
zu dem Ergebnifs, daß man auf Ausreisen bei hohem Barometerstande von
47° S-Br an nicht westlich von der Route gehen sollte, wenn man auf Alles
gerüstet sein will, auch auf solche Ausnahmestürme wie dieser.
Für Segelschiffe, die sich am 20./21. in dieser Gegend westlich von der
eingezeichneten, im Allgemeinen empfohlenen Route befanden, konnte ein solcher
Sturm, der in jeder Beziehung überraschend kam und sie in sehr ungünstiger
Lage vorfand, leicht bedenkliche Folgen haben, eher als irgend einer der anderen
Stürme, auch die bei Kap Horn nicht ausgenommen, denn in 48° S-Br fehlte es
an Seeraum, bei Kap Horn meistens nicht.
Treibeis im Süden vom Kap der Guten Hoffnung und im
Indischen Ocean.
Von L. E. DINKLAGE.
Nach der im „Segelhandbuch für den Indischen Ocean“, Seite 461 ff., er-
wähnten großen Eistrift, welche sich im Dezember 1882 vornehmlich zwischen 0°
und 10° O-Lg und südlich von 42° S-Br zeigte, blieb das Auftreten von Treibeis auf
der Route nach Ostasien und Australien nur vereinzelt bis zum Dezember 1891,
zu welcher Zeit wieder eine größere Menge von KEisbergen auf der Route ange-
troffen wurde. Die gröfste Masse trieb damals in 44° S-Br und zwischen 10°
und 20° O-Lg. Eine Gruppe von Bergen wurde jedoch so westlich als in 42°
S-Br und 29,5° W-Lg angetroffen.