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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Ueber: den Hafen von Fiume und die Reise von dort nach Cardiff. 
(] 
ist.‘ “Hülsenfrüchte, Brot etc. sind. gut und zu mittelmäfsigen Preisen zu haben, 
frisches: Fleisch, ist billig und dabei‘sehr:gut. ‘ ‘. ; 
Von Fiume nach Cardiff. Ausfracht für eine längere Reise ist kaum 
in 'Fiume erhältlich, ausgenommen eine Ladung Faßdauben nach Frankreich, doch 
ist die Fracht. dafür so gering, dafs sie nicht die Unkosten deckt. Da auch keine 
Schwefelfracht von Sicilien nach San Francisco zu bekommen war, so‘ mußte 
„Adelaide“ in Ballast nach Cardiff versegeln. ; 
Die beste Gelegenheit .zum Verlassen von Fiume mit einem Segelschiffe 
im Winter bietet sich nach dem Aufhören eines Sirocco. Nachdem: der Wind 
alsdann einige Zeit. flau und veränderlich gewesen ist, holt er herum durch SW 
auf NW und setzt dann meistens plötzlich hart von Nord bis NE ein. 
Wir verließen am 1. Januar 1896 um 9 Uhr. vormittags, nachdem der 
Südwind sein Ende erreicht hatte und ein flauer Nordwestwind an seine Stelle 
getreten war, im Tau des Staatsschleppers den Hafen von Fiume. Um 10'/ Uhr 
setzte ein steifer Nordnordostwind ein, mit dem wir einen guten Fortgang machen 
und von allen Hindernissen frei kommen konnten. Bereits nach drei Tagen 
wurde die Südostspitze von Italien, das Kap Santa Maria, passirt, und nach 
weiteren drei Tagen befanden wir uns abends in Sicht vom Kap Bon, der 
Nordostspitze von Tunis; Von. jetzt an wurde der Fortschritt auf längere Zeit 
durch westliche bis nördliche Winde, die oft stürmisch und einzeln auch orkan- 
artig auftraten, sehr verringert... Zwölf Tage. später — am Mittage des 
19. Januar — war der Schiffsort 38° 21‘ N-Br und 8° 42‘ O-Lg; es waren also 
während dieser Zeit noch nicht drei Längengrade gut gemacht. Dabei war es 
sogar einige Male nothwendig, die Segel schwer zu pressen, um von der 
afrikanischen Küste frei zu bleiben. Daher ist es einem Segelschiffe zu rathen, 
im‘ Winter "nicht zu‘ nahe an diese Küste heranzugehen, besonders weil nicht 
selten, selbst bei einem. hohen Barometerstande, plötzlich ein Nordsturm losbricht. 
Es‘ ist überhaupt während des Winters, sowohl im Adriatischen als im Mittel- 
ländischen Meere, die Nordseite zu halten. Man wird dann durch die häufigen 
Nordstürme nicht so leicht ‚auf Legerwall besetzt. Die südlichen Winde sind 
seltener und nicht so heftig und rufen auch keine so hohe See hervor als ‚die 
Nordwinde. Schwerere Stürme und höheren Seegang als hier have ich selbst 
im Nordatlantischen Ocean auf Reisen nach Nordamerika nicht erlebt. Während 
meiner Anwesenheit im Mittelmeere war der Wind oftmals so unbeständig in 
seiner Richtung, dafs. wir nicht die Raaen so schnell herumbrassen konnten. 
Bei der vor Fiume erlebten Bora beobachteten wir zweimal am hellen Tage, 
dafs die Segel im Grofstopp back schlugen, als dieselben im Vor- und Kreuztopp 
mit dem Winde Ost, 8 bis 9, voll standen. Es war keine Möglichkeit vorhanden, 
auch nur auf kurze, Zeit vorauf sich eine Ansicht über das kommende: Weiter 
zu machen. 
. Vom 19. bis zum 28, Januar 1896 waren flaue veränderliche Winde. aus 
dem westlichen Halbkreise vorherrschend, mit denen langsam vorwärts gekreuzt 
ınd 36° 0’ N-Br in 1° 20‘. W-Lg. erreicht wurde. Hier kam bei einem Barometer- 
stande von 773,4 mm (red.) ein anfangs flauer, aber rasch auffrischender Ostwind 
durch. Am 29. Januar wurde auf der ersten Wache die Straße von Gibraltar 
bei stürmischem Ostwinde mit. einer. Fahrt von 11 bis 12 Knoten durchsegelt, 
Die Strecke von Ceuta bis Kap Spartel legten wir in genau drei Stunden zurück; 
folglich scheint der Gegenstrom gering gewesen zu sein, Wir hielten das Schiff 
ziemlich dicht unter der Küste von Afrika, wo ich den wenigsten Oststrom ver- 
muthete.. Die Dauer der Reise von Fiume bis Kap Spartel betrug also. 28'/a Tage. 
Aufserhalb der. Strafse holte der ‚steife .Wind auf SE und blieb somit für 
uns gleich günstig, so dafs Kap Vincent bereits am 30. Januar um 10 Uhr abends 
passirt und am 31. Januar um :8 Uhr morgens 37° 50‘ N-Br .in 11° 0' W-Lg er- 
reicht wurde: Bis zum 4, Februar, auf 44° 39‘ N-Br und .13° 6‘ W-Lg, war stets 
eine leichte östliche oder gar keine Dünung vorhanden, ‚dann. aber. machte sich 
die dieser Gegend- eigene, fast jahraus jahrein . vorhandene : westhordwestliche 
Dünung bemerkbar, : ‘Die Gelegenheit war stets eine. günstige, die Luft. war 
meistens klar bei: einer Temperatur von-12 bis 14°C, und es regnete. nur :ein- 
mal:.in einem Schauer... Am: Abend. des 7. Februar. ankerten wir auf der Rhede 
von Cardiff nach einer Reise: von 37! Tagen. 
Aun. d. Hydr. etc., 1897, Haft I.
	        
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