182
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1897,
Greenwicher Zeit. Das Observatorium befindet sich im höheren Stadttheil von
Durban, der sogenannten Berea, und liegt 3 Sm nördlich vom Zeitballstand.
In meinem letzten Berichte erwähnte ich schon, dafs das Gouvernement
einen weiteren kräftigen Saugbayger angeschafft hat, der zur Zeit unserer An-
wesenheit Probebaggerungen machte, die alle Erwartungen zu erfüllen schienen.
Sollte es demselben jedoch gelingen, das Fahrwasser über der Barre derartig zu
vertiefen, dafs Schiffe über 21 Fufs Tiefgang passiren können, so würden die
Liegeplätze am Kai auch vertielt werden müssen, falls die Schiffe dort mit
Niedrigwasser nicht den Grund berühren sollen.
Ich bemerke gerne, daß die Hafenbehörden ihr Möglichstes zum Besten
der Schiffe thaten. Schiffskapitäne erhalten in speciellen Fällen kräftige Unter-
stützung von unserem deutschen Konsul, Herrn Monhaupt, bei HMavariefällen
oder Ladungsbeschädigungen sachverständige und uneigennützige Rathschläge vom
Besichtiger des „Germanischen Lloyd“, Herrn Kapt. Kieselbach, welcher auch
„Veritas“ und „Norwegischen Veritas“ vertritt. Die Empfänger unserer Ladung,
die Herren Hunt Leuchars & Hepburn, nahmen dieselbe schnell in Empfang
und zahlten prompt Fracht, und schliefslich verdienen ebenso die durch das
deutsche Konsulat übermittelten Einladungen an Kapitän und ersten Steuermann
zum Besuch des deutschen Vereins an den Klubabenden dankenswerthe Anerkennung.
Das Wetter zwischen dem La Plata und Kap Horn im Juli 1890.
Von E. KNIPPING.
(Hierzu Tafel 5.)
Zwischen dem La Plata und Kap Horn sind um die Mitte des Jahres 1890
auf der Ausreise mehrere Segler verschollen, darunter die deutschen Barken
„Flora“, Kapt. H. A. Peters, von England nach Valparaiso, und „Meteor“,
Kapt. Fr. Breckwoldt, von England nach Iquique, sowie die österreichische
Bark „Sta. Margarita“, Kapt. J. Orth, in Ballast vom La Plata am 16. Juli nach
Valparaiso in See gegangen. Wenn das spurlose Verschwinden gut ansgerüsteter
Schiffe mit der ganzen Mannschaft in den allermeisten Fällen unaufgeklärt bleibt,
da es durch manche Ursachen herbeigeführt sein kann und oft jeder Anhalt
fehlt, so ist es doch nicht zu bezweifeln, dafs ein Theil dem Wetter zum Opfer
fällt. Dal Schiffe platt auf die Seite geworfen werden, wobei der Ballast oder
die Ladung oft übergeht und stunden-, ja wachenlang so liegen, ehe sie sich
wieder aufrichten oder aufrichten lassen, ist nicht so selten, und solche Berichte
machen es wahrscheinlich, dafs ein anderer Theil ebenso betroffener Schiffe schließlich
sinkt. Die Veranlassung dazu kann einmal eine plötzlich aus Lee hereinbrechende
Böe sein, die das Schiff unvorbereitet unter allen Segeln trifft, oder die Noth-
wendigkeit, im Unwetter mehr Segel führen zu müssen als sonst rathsam wäre,
um das Schiff durch Segelpressen vom Lande, der Leeküste, freizusegeln.
Der erste Fall entzieht sich der Untersuchung für eine bestimmte Zeit,
der zweite kann unter Umständen eine ziemlich deutliche Beleuchtung erfahren.
Aber auch abgesehen hiervon, wird es immerhin lohnen, das Wetter auf dieser
Strecke einmal für einen längeren Zeitraum, einen ganzen (südlichen) Winter-
monat, zu verfolgen, da derartige Untersuchungen ım Südlichen Atlantischen
Ocean selten ausgeführt worden sind und einiges Neue sicher erwartet werden darf.
Für die deutsche Segelschiffahrt ist es zur Zeit wohl der am meisten
befahrene Seeweg, um den es sich hier handelt, und wenn dieser Umstand der
Untersuchung günstig ist, so darf auch ein ungünstiger nicht verschwiegen
werden, dal sich an der ganzen langen argentinischen Ostküste nicht eine
einzige Landbeobachtung vorfand, die hätte Verwerthung finden können. Die
Arbeit beruht also ganz auf Schiffsbeobachtungen.
Da die Einzelerscheinungen im Zusammenhange mit dem Wetter auf dem
ganzen Gebiete leichter verstanden und kürzer behandelt werden können, folgt
hier erst — mit stetem Hinweise auf Tafe! 5 — eine kurze Witterungs:-