176 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897,
über Europa vordrang, wich das Maximum im Norden wie die Depression über
dem Kontinent ostwärts zurück. Nachdem zunächst am 10. und 11. ein Aus-
Jäufer der neuen Depression von Frankreich durch Süddeutschland nach Polen
fortgeschritten war, drang am 12. bis 14. ein Theilminimum vom Kanal durch
Nordfrankreich nach Ungarn vor, während sich gleichzeitig der hohe Luftdruck
von Nordosteuropa wieder westwärts nach dem norwegischen Meere ausbreitete.
Vom 16. bis 18. vollzog sich eine durchgreifende Aenderung der
Wetterlage. Unter dem Einflufßs einer im Westen über dem Ocean nordostwärts
ziehenden Depression verlagerte sich die die britischen Inseln bedeckende
Depression nördlich und breitete sich zunächst über dem Nordwesten, dann über
dem Norden Europas aus, während sich gleichzeitig der hohe Luftdruck von
Nordeuropa nach dem Osten zurückzog und dann von dort über Südeuropa
vordrang, wie auch ein anderes Hochdruckgebiet vom westlichen Mittelmeer her
über Südeuropa an Ausdehnung gewann. Am 18. lag das Centrum einer die
Nordhälfte Europas bedeckenden Depression nördlich von Schottland, während
hoher Luftdruck, mit- einem Maximum im Südwesten, die Südhälfte Europas
bedeckte; vereinzelt traten an diesem Tage an der westdeutschen Küste bis zur
mittleren Ostsee hin stürmische südwestliche Winde auf,
Der 19. brachte eine interessante Entwickelung. Nachdem sich am 18.
vom Centrum der Depression aus ein ostwärts bis Südschweden reichender Aus-
Jäufer entwickelt hatte, bildete sich am Vormittag des 19. in der südlichen
Nordsee ein Theilminimum, während der Druck über dem Westen der britischen
Inseln stieg; dieses Minimum durchschritt noch am 19. die südliche Nordsee,
während der Druck auf seiner Südwest- und Westseite stark stieg, und dehnte
seinen Wirkungskreis bei diesem und dem weiteren nach Russland erfolgenden
Fortschreiten schnell über die Osthälfte Europas aus. Ziemlich starke Stürme
aus SW—NW traten in seinem Gefolge am 19. an der Küste westlich von der
Oder, in der folgenden Nacht an der pommerschen Küste und in geringerer Stärke
and mehr vereinzelt aus NW am 20. an dieser und der preufsischen Küste auf.
Nur vorübergehend bedeckte hoher Luftdruck am 21. und 22. den Kontinent,
da eine im Nordwesten erscheinende neue Depression bereits am 22, die West-
hälfte Europas beherrschte. Als sich am 23. aus einem südwärts nach der Nordsee
gerichteten Ausläufer ein Theilminimum entwickelte, das dann durch das Skagerrak
nach Südschweden zog, traten am 23. an der Küste mehrfach stürmische Winde
im Westen aus westlichen, im Osten aus südlichen Richtungen auf.
Ein tieferes Minimum schritt am 24. und 25. nördlich von Schottland her
über Südskandinavien nach der mittleren Ostsee und am 26. weiter nach Russland
fort; auf seiner Südseite fanden an der Küste am 25. ziemlich starke Stürme
aus westlichen Richtungen statt und noch am 26. wehten im Osten vereinzelt
stürmische nordwestliche Winde.
An diesem Tage nahte bereits eine neue Depression im Westen der
britischen Inseln, in nordöstlicher Richtung fortschreitend, die ihren Wirkungs-
kreis noch am 26. bis nach der Mitte des Kontinents ausdehnte und am 27. von
Nordwesten her einen Ausläufer nach der Nordsee entsandte, aus dem sich wieder
ein Theilminimum entwickelt, das sich loslöste und am 27. und 28. nach Durch-
querung Jütlands ostwärts durch die südliche Ostsee zog. Auch dieses war von
stürmischen Winden an unserer Küste begleitet, die am 26. an der Nordsee und
westlichen Ostsee mehr vereinzelt aus südöstlicher Richtung und am 27. in
gröfserer Häufigkeit und an der Nordsee in größerer Stärke bis zur Oder hin
aus westlichen Richtungen auftraten.
Schwerere Stürme führte ein anderes Theilminimum herbei, das am 28.
bis 30. von der Irischen See durch das Skagerrak nach dem Bottnischen Busen
schritt, und am 29. mit einer Tiefe unter 725 mm über dem Skagerrak gelegen,
fast ganz Europa beherrschte; ziemlich schwerer Sturm aus westlichen
Richtungen wehte in seinem Gefolge am 29. westlich von der Oder, am 30.
von der nördlichen Nordsee ostwärts und am 31. noch an der preufsischen Küste.
Nach Vorübergang dieses Sturmwirbels trat für die Küste wieder ruhigere
Witterung ein, nachdem seit dem 18. März stürmisches Wetter an 9 Tagen
geherrscht hatte, falls man auch die Tage zählt, an denen stürmischer Wind
mehr vereinzelt beobachtet wurde.