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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Witterung an der deutschen Küste im März 1897. 
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Witterung ließ die Entwickelung hoher und niedriger Temperaturen durch die 
Wirkung der Sonnenstrahlung und der Ausstrahlung nicht zu, so dafs der Gang 
der Temperatur von Tag zu Tag wesentlich durch die Winde bedingt war. 
Bei zunächst südwestlichen bis südöstlichen und seit dem 6. März meist nord- 
östlichen und östlichen Winden zeigten die Morgentemperaturen bis Monatsmitte 
wenig Aenderung. ‚Als dann die Winde durch Süd nach Südwest drehten, trat 
wärmere Witterung ein. Diese hielt an der Nordsee vom 17. bis 29. in wenig 
veränderter Höhe, an, und am 20. bis 22. und 26. waren die Morgen : etwas 
kühler; gröfsere Schwankungen zeigten die Morgentemperaturen der zweiten 
Monatshälfte an der Ostsee, indem durch die Wirkung kalter. nördlicher und 
südöstlicher Winde am 20. bis 22. (Osten bis 24.) und an der pommerschen 
Küste am 26. und 27. vorübergehend kälteres Wetter herrschte. Die beiden 
letzten Tage führten wieder kältere Witterung herbei. Die Aenderung der 
Temperatur von Tag zu Tag war im Mittel gering, sie erreichte meist nur 2 bis 
25° und war am Nachmittag am gröfsten, am Morgen meist am kleinsten. 
Westlich von der Oder wurde als niedrigste Temperatur ca 1°, ostwärts derselben 
bis 6° Frost beobachtet, während die höchste Temperatur im Westen und im 
Osten die gleichen Werthe, 14°, aufwies. 
Die Niederschlagsmengen überschritten die normalen Werthe überall, um 
sehr erhebliche Beträge an der nördlichen Nordsee und der westlichen Ostsee, 
wo vielfach mehr als 100 mm Niederschlag fielen, am meisten, 137 mm, in 
Friedrichsort, während an der preufsischen Küste nur vereinzelt 50 mm erreicht 
wurde. Sehr ergiebige Niederschläge, in 24 Stunden 20 mm übersteigend, kamen 
vor am 22. in Aarösund (24 mm) und am 28. in Tönning (27). Die zu Nieder- 
schlägen geneigte Witterung erfuhr fast nur an vereinzelten Tagen eine 
Unterbrechung; solche vorwiegend trockene Tage waren an der Nordsee der 8., 
9., 11., 13., 20. und 23., an der mittleren und -östlichen Ostsee der 11., 12., 14. bis 
16., 21. und 22. Heiteres Wetter von einiger Ausdehnung trat nur am 21, 
und 22, an der pommerschen Küste auf, Ausgedehnter Nebel herrschte am 1. bis 3, 
und 7. an der preufsischen Küste, am 8. an der ganzen Küste, am 9. an der 
preufsischen Küste, am 11. an der Nordsee und der westlichen Ostsee, am 12. 
und 22. an der Nordsee und am 28. östlich von der Oder. Gewitter wurden nur 
an der Elbe am 11., 16. und 17. beobachtet. 
Die Windrichtungen zu Zeiten ‚der Terminbeobachtungen waren relativ 
gleichmälfsig vertheilt; wenngleich die Richtungen W—S—E durch Häufigkeit 
hervortraten und die Richtungen WNW—NE am seltensten notirt wurden, so 
kam die gröfste Häufigkeit doch meist mehrerer Richtungen in nahe gleichem 
und wenig bedeutendem Grade zu. 
Die Luftdruckvertheilung bot in ihrem Verlaufe manche interessante Ent- 
wickelung und viele Abwechselung, wenn auch mehrfach ähnliche Neubildungen 
vorkamen. Die Küste lag fast beständig im Bereiche von Depressionen, nur auf 
kurze Zeit dehnten Hochdruckgebiete ihren Wirkungskreis über sie aus. 
Vom 1. bis 5. lag im Nordwesten über dem Ocean das Centrum einer 
Depression, die sich fast über ganz Europa ausbreitete. Nachdem am 2. ein von 
der Biscaya-See kommendes Theilminimum ostwärts durch Süddeutschland nach 
Nordösterreich gezogen war, schritt am 3. und 4. ein Theilminimum, westlich 
von Irland her, über England und Jütland nach Südschweden; auf seiner Südseite 
trat an der Nordsee, der westlichen und mittleren Ostsee am 3, ziemlich starker 
Sturm aus Süd—SW und am 4. etwas schwächerer Sturm aus mehr westlicher 
Richtung auf. ; 
Am 5. und 6. vollzog sich eine eigenartige Umwandlung der Druck- 
vertheilung. Während eine von Italien kommende Depression von der Balkan- 
Halbinsel nach Nordösterreich vordrang, trennte sich über Schottland eine Theil- 
depression von der Depression im Nordwesten ab und wanderte auf der vorderen 
Seite eines von: Westen her vordringenden Hochdruckgekietes südwärts durch 
England nach Frankreich; gleichzeitig breitete sich hoher Luftdruck von Nordost- 
guropa her über Skandinavien nach dem norwegischen Meere hin aus, so dafs 
an der ganzen Küste östliche Winde eintraten und am Morgen des 7. ganz Nord- 
europa von einem Maximum, der Kontinent von einer Depression bedeckt war. 
Als eine neue, mit ihrem Centrum nordwestlich von Schottland nahende 
und bis zur Biscaya-See südwärts ausgedehnte Depression am 8. und 9. ostwärts
	        
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