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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Aunalen der Hydrographie uud Maritimen Meteorologie, Januar 1897. 
der stets im Hafen anwesenden kleinen Frachtdampfer, indem er ihm einen 
gewissen Schlepplohn garantirt, mit ihm an Bord hinaus zu gehen und das Schiff 
einzuschleppen. Für den Fall, dafs die Hülfe des Dampfers nicht genommen 
wird, bezahlt der genannte Herr die garantirte Summe. Ich nahm den mir 
entgegenkommenden Dampfer auch ohne viele Ueberlegung an, da ich die 
Gefahren der nicht seltenen Boras für ein vor der Mündung des Quarnero-Kanals 
kreuzendes Schiff nach eigener Erfahrung zu beurtheilen wußte. Ich hatte einen 
Schlepplohn von 25 Lstrl. zu zahlen, das nach mir einkommende gröfsere Schiff 
„Hermann“ dagegen 30 Lstrl. Diese Summe scheint in Anbetracht der Kürze 
des zu schleppenden Weges von 30 Sm allerdings recht hocb, allein man sollte 
sich nicht scheuen, sie zu zahlen, namentlich in den Wintermonaten, wenn die 
Möglichkeit des Auftretens einer Bora besonders grofs ist. 
Die Hafenbehörde ist im Allgemeinen recht rücksichtsvoll gegen fremde 
Schiffe, So gestatiete man uns, sogar den Ballast auf unserein Löschplatze an 
der Kaje einzunehmen, obwohl der Raum manchmal sehr beschränkt war. Die 
Stauer sind schlecht, wenigstens wissen sie mit einer Salpeterladung nicht recht 
umzugehen; wohl hauptsächlich deshalb, weil solche Ladung nicht häufig hier 
angebracht wird. Ich hatte 38 Kreuzer für das Löschen einer Tonne von 
1016 kg nach Uebereinkommen zu zahlen. Nach Beendigung des Löschens ver- 
langte man jedoch, daß die Tonne zu nur 1000 kg gerechnet werden sollte. Ich 
trug die Sache dem Gericht vor, welches zu meinen Gunsten entschied. Bei 
der Ablieferung hat man scharf darauf zu achten, ob auch die Waage und das 
Gewicht richtig sind, um nicht übervortheilt zu werden, 
Die Anlegeplätze der Schiffe sind durch einen grofsen Wellenbrecher, der 
noch fortwährend nach Westen hin verlängert wird, geschützt. Man hat seitwärts 
vorne einen Anker mit Kette und hinten eine Trosse nach einer Festmacheboje 
aus, um das Schiff frei von der Kaimauer zu halten, wenn ein Sirocco einsetzen 
sollte. Westlich von der Stadt liegen auf einer Wassertiefe von 16,5 m (9 Faden) 
große Bojen, an welchen einkommende Schiffe solange festgemacht sind, bis 
ihnen die Krlaubnifs ertheilt ist, in den Hafen zu gehen. Fiume hat einen Frei- 
hafen; die Kajen sind von einer Zollschranke, einem eisernen Gitter, umgeben, 
in der Proviantliste gebe man genau die Menge des an Bord vorhandenen Salzes, 
des Spiritus und des Tabaks an. Diese Sachen werden unter Siegelverschlufs 
der Zollbehörde, welche übrigens keinerlei Schwierigkeiten macht, verwahrt. 
Bei der Uebernahme des Ballastes achte man auf Mafßs oder Gewicht, was 
dadurch erleichtert wird, daß die Leichter mit einer Tiefladelinie versehen sind. 
Die Ladefähigkeit der Leichter, welche zwischen 16 und 20 Tonnen schwankt, 
ist von der Hafenbehörde festgestellt, Dieselben werden auch zum Transport 
der für die Haufenbauten erforderlichen Steine verwandt. Nach der Anzahl der 
erhaltenen Leichterladungen hätte mein Schiff 862 Tonnen Ballast eingenommen, 
während es, nach seinem Tiefgange zu schliefsen, kaum 700 Tonnen sein konnten. 
AN mein Gegenreden war nutzlos, ich mufste den Preis für 862 Tonnen bezahlen. 
Uebrigens war die Klage über zu wenig erhaltenen Ballast ganz allgemein, 
allein ein so großes Untermafs wie in meinem Falle war nicht bekannt geworden. 
Der Ballast kostet die Tonne von 1000 kg 75 Kreuzer für ein Schiff ohne Ballast- 
pforten, 65 Kreuzer für ein solches mit denselben, gleichviel, wie grofs das Schiff 
ist. Da nur ein Ballastlieferant am Platze ist, so kann er die Preise nach 
Belieben feststellen. Bei südlichem Winde können die Leichter nicht am Strande 
liegen, um Ballast überzunehmen. Aus diesem Grunde fand bei uns einmal eine 
viertägige Unterbrechung statt. 
Es ist hier ein Schwimmdock vorhanden, welches die Firma Howald & Co. 
in Kiel erbaut hat und das Eigenthum einer Aktiengesellschaft ist. Aufserdem 
anterhalten die erstgenannten Herren im Westen der Stadt eine Schiffswerft und 
Maschinenwerkstatt, wo alle Reparaturen an Schiffen ausgeführt werden können. 
Da aber jede Konkurrenz fehlt, so sind die Kosten sehr hoch.‘ Unter Anderem 
betragen dieselben für ein Schiff von der Gröfse der „Adelaide“ (1281 Register- 
tonnen) für zwei Tage Liegen im Dock, Reinigen des Bodens und zweimaligen 
Anstrich desselben mit Patentfarbe (ausschliefslich der Farbe} 800 fl. 
Salzfleisch und Speck sowie Butter sind nicht am Platze zu haben; erstere 
beiden werden von England, letztere von Wien bezogen. Ich erhielt sehr gute, 
in Blechdosen verpackte Butter zu einem Preise, der auch in Deutschland üblich
	        
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