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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897,
Vom Golf von Suez ist zu sagen, dals dessen Wassertemperatur eine
vergleichsweise sehr niedrige ist, von Süden nach Norden rasch abnimmt, und
dafs die Differenzen in der Wärme von der Oberfläche nach dem Grunde zu im
Herbst und Winter jedenfalls sehr geringe sind.
Vor Suez selbst wurde z. B. beobachtet:
Oberfläche ..
Grund (Sm) . |
Oktober | Jamar
1395 . 1896
Februar
1896 |
23,2°C | 14,7°C 15,8°C
23,3° | 149° | 15,09
März
1896
114° C
16,9°
‚ Mai
1896
215° C
| 20,8°
Ferner im März 1896:
Am Südende des Galfes .
Am Nordende des Golfes
Oberfläche
20,99
17.1°
Grund
20,6° in 538 m Tiefe
16,8° in 45 m Tiefe
Die besonders im Winter verhältnifsmäfsig aufserordentlich niedrigen
Temperaturen sind möglicherweise — Luksch spricht sich darüber nicht
aus — auf eine durch die starken bis steifen nördlichen Winde verursachte Saug-
wirkung zurückzuführen, welche bei der ungemeinen Flachheit des Suez - Golfes
kühles Wasser aus dem Suez- Kanal und dem Mittelmeer herbeizieht. Es wäre
interessant zu wissen, wie hier vor Erbauung des Kanals die Verhältnisse
gewesen sind.
Der Golf von Akabah kann hierfür nicht zum Vergleich herangezogen
werden, da er ja einen äufserst tiefen Graben darstellt und keine flache Mulde. Der
Akabah-Golf ähnelt denn auch, wie die „Pola“-Fahrten ergeben haben, in seinen
thermischen Eigenschaften durchaus dem eigentlichen Rothen Meere und nicht
dem Suez- Golf; er ist, wie jenes, sehr gut in allen Schichten durchwärmt;
wenigstens war dies im Monat April 1896 der Fall, in welchem die Temperatur
an der Oberfläche zwischen 21,5° und 22,7° sich bewegte, die Grundtemperatur
aber 21,2° war, so dal, wie man sieht, fast gar keine vertikale Temperatur-
abnahme existirte. Streng gilt der homotherme Zustand von 500m an abwärts.
Das Wasser unter dem arabischen Ufer war etwas wärmer als dasjenige unter
den Gestaden der Sinai-Halbinsel.
Der Salzgehalt ist, wie schon lange bekannt, im Rothen Meere ein ganz
ausnahmsweise hoher. Von neuen, bemerkenswerthen Ergebnissen der öster-
reichischen Untersuchungsfahrten sei hier hervorgehoben, dal das Wasser unter
der arabischen Küste etwas weniger salzig ist als dasjenige unter der ägyptischen.
Im südlichen Theil des Gebietes hat man z. B. 40% oo Salz schon an der Ober-
fläche der ägyptischen Wasserseite, während man den gleichen Betrag an der
arabischen Seite erst in 500 m Tiefe findet. Da nun ferner der Salzgehalt von
der Oberfläche bis zum Grunde hin im Allgemeinen zunimmt, so ist die Annahme
einer schwachen, an der Oberfläche in der Richtung West— Ost, in der Tiefe Ost—
West gehenden Vertikalcirkulation sehr naheliegend, um diese vertikale Vertheilung
der Salinitäten zu erklären. Dazu würden ja auch die oben mitgetheilten Temperaturen
stimmen: auf der ägyptischen Seite besteht die Neigung zum Emporsteigen von kühlem,
aber sehr salzreichem Tiefenwasser, während auf der arabischen Seite das warme
and etwas weniger salzige Oberflächenwasser angestaut wird. Natürlich könnte,
wenn dies wirklich der Fall ist, die Ursache für diese Cirkulation, bei der physi-
kalisch-chemischen Beschaffenheit des Wassers auf beiden Seiten, nur eine rein
mechanische sein, z. B. eine Windwirkung. Man mufs wohl die späteren aus-
führlichen Berichte zunächst abwarten. Im Norden, nach den zwei Golfen hin,
ist das Oberflächenwasser an der Oberfläche schwerer als im Süden, was auch aus
den Beobachtungen Makaroffs!) hervorgeht, von welchen wir zwei mit zwei
entsprechenden Stationen der „Pola“ zusammenstellen.
) S. „Le Vitiaz“ et YTOcean Pacifique, St. Petersburg 1894. II. S. 138-—140.