Hydrographische Forschungen im Rothen Meere,
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meilen von den vorgelagerten Korallenriffen entfernt. Innerhalb der Korallenwelt
— {in den sich häufig findenden Kanälen — sind die Tiefen mitunter ganz erheblich,
bis zu 100 m und darüber, doch konnte Näheres darüber bei der Kürze der Zeit
unmöglich festgestellt werden. ;
Sehr verschieden voneinander sind die zwei Golfe, die dem nördlichen
Rothen Meere angefügt sind. Während man aus der Hochsee über eine Schwelle
von 128 m höchster Erhebung hinweg nach dem Golf von Akabah gelangt und
dort ebenfalls wieder Wasser von über 1000 m Mächtigkeit antrifft, steigt der
Seeboden im Golf von Suez fast unvermittelt von etwa 500 m der Hochsee bis
zu etwa 80 m der Golftiefe (in der Dschubal-Strafse) an. Der Golf von Suez ist
also — was übrigens ‚schon vorher bekannt war — ein sehr seichtes Gewässer
(nirgends wird mehr als 82 m Tiefe gefunden), durch die Bank von Tur wird er
noch in zwei Becken, ein nördliches und ein südliches, getrennt.
Dagegen ist der Akabah-Golf, besonders wenn man die vergleichsweise
sehr unbedeutende Längen- und Breitenausdehnung bedenkt, ganz auffallend
tief (siehe die Skizze). Die Zugangstiefen. vom Rothen Meere sind: 128 m
zwischen Tiran-Insel und Sinai-Halbinsel, 36 m zwischen Tiran und der arabischen
Küste. Die 200 und 500 m - Tiefenlinien halten sich fast überall sehr nahe den
Küsten, die Uferkonturen wiederholend. Im mittleren und südlichen Theil des
Golfes fällt der Seeboden auf der arabischen Seite (Ostküste) schon 2 Sm von
derselben bis auf 1000 m und darüber ab, während die Gewässer der Sinai-Seite
(Westküste) mäßigere Tiefen aufweisen. Die Tiefenachse liegt also dem arabischen
Ufer näher als jenem der Sinai-Halbinsel. Bis auf 10 Sm Entfernung von dem
Nordende des Golfes bei dem Orte Akabah trifft man noch immer ‚über 800 m
an. Die gelothete tiefste Stelle ergab 1287 m in 28° 39‘ N-Br und 34° 42‘ O-Lg,
d. h. ungefähr in der Mitte der Längenausdehnung des Golfes und auch fast
gleich weit von beiden Ufern entfernt. Bemerkenswerth ist, dafs man grofse
Tiefen häufig unter flachen Ufern, geringere Tiefen aber unter Steilufern zu
messen Gelegenheit hatte. Der Golf von Akabah ist aufserdem, im
Gegensatz zu den sonst ausgesprochenen Ansichten, an seinen Küsten
mit Riffkorallen mehrfach besetzt, so bei Dahäb, Nawibi, Akabah,
Bir al Mashiyah, Sherm Mujawah etc.
Temperatur des Wassers. Der Berichterstatter, Prof, Luksch, trennt
in dieser Hinsicht die Gegend zwischen Jambo (24° N-Br) und Dschidda von
dem zwischen Jambo und Ras Mohammed gelegenen nördlichen Meerestheil; in
ersterer Gegend, wo im November und Dezember 1895 beobachtet wurde, konstatirte
man eine Temperaturabnahme von der Oberfläche abwärts bis‘ etwa 700 m (im
Mittel um etwa 6,5°), von da an eine homotherme Schicht bis zum Grunde mit
einer Temperatur von 21,5° 0. In dem zweiten, nördlichen Meerestheil (Januar
und Februar 1896) fand man in den oberen 700 m so gut wie keine Temperatur-
abnahme, die ganze Wassermasse war nahezu gleichmäfsig erwärmt, die aller-
obersten Schichten ausgenommen. Die Bodentemperatur betrug auch hier 21,5° €.
Für das gesammte Hochseegebiet des Rothen Meeres bis Dschidda gilt
ferner der Satz, dafs die Gewässer der arabischen Gestade unter gleichen Breiten
etwas stärker durchwärmt sind als diejenigen der ägyptischen Seite.
Selbstverständlich können diese Angaben nur zunächst für die Herbst- und
Wintermonate dieser Gegend Bedeutung beanspruchen. Im südlichen Theile des
Untersuchungsgebietes war in dieser Zeit die höchste zur Beobachtung gekommene
Überflächentemperatur 29,5°, die niedrigste 26,4°; für den nördlichen Theil sind
die entsprechenden Zahlen 25,9° und 22,2°.
Als Beispiel der vertikalen Temperaturabnahme sei Station 44 (in 21° 39‘N-Br
and 37° 5‘ O-Lg) nahe der ägyptischen Küste angeführt,
Am 13. November 1895:
Oberfläche
Tiefe 10m
20 m
40 m
70 m
L00 m
300m . . +
890 m (Grund)
28,5°
28,1°
27,5°
27,3°
27,0°
24,1°
23,3°
21,6°