Mistpoeffers,
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Herr van den Broeck bittet die Beobachter, welche an der Lösung der
Frage Antheil nehmen, abgesehen von ihren persönlichen Beobachtungen, Alles
das zu bemerken, was ihnen durch Zeitungen oder dritte Personen über Schiefs-
übungen zu Ohren kommt, wenn möglich mit genauer Zeitangabe, um eine etwaige
Verwechselung der Mitpoeffers mit anderen Geräuschen zu vermeiden.
Die Direktion der Seewarte ist zum Sammel und zur Weiterbeförderung
etwaiger einschlägiger Beobachtungen an Herrn van den Broeck bereit.
Hydrographische Forschungen im Rothen Meere.
(Mit einer Tiefenkarte des Golfes von Akabah,)
Im ersten und zweiten Hefte des vorigen Jahrganges dieser Zeitschrift‘)
ist erwähnt worden, dafs von Seiten der Marine-Sektion des K. K. Reichs-Kriegs-
Ministeriums und der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften eine Expedition
nach dem Rothen Meere entsandt sei, welche an Bord des Kriegsschiffes „Pola“,
welches für hydrographische Arbeiten im Mittelmeer schon mehrere Jahre hinter
einander in Dienst gestellt gewesen ist, die nördliche Hälfte des Rothen Meeres
einschließlich. des Golfs von Suez und desjenigen von Akabah nach allen wissen-
schaftlichen Richtungen hin untersuchen soll.
Ueber die physikalisch-oceanographischen Forschungen nun, welche sich
über die Zeit von Ende Oktober 1895 bis Ende April 1896 erstrecken und in
südlicher Richtung bis Dschidda ausgedehnt wurden, liegt ein vorläufiger Bericht
von Prof. J. Luksch vor,’) dem wir Folgendes entnehwen:
Was die horizontale Gestaltung des Untersuchungsgebietes anlangt, so
haben wir es mit einem Meereshecken zu thun, das im Allgemeinen von Nord-
west nach Südost orientirt ist bei einer Maximalbreite von 180 Sm. Die zwei
durch die Sinai-Halbinsel getrennten, von der eigentlichen Hochsee des Rothen
Meeres abgezweigten Golfe von Suez und Akabah sind 180 Sm, bezw. 90 Sm lang
mit einer Breite von nur 15 bis 20 Sm. Die Festlandsküsten haben vorwiegend
eine flache, schmale Strandregion, während nach dem Innern zu sich Gruppen
von kahlen Bergkuppen aufbauen, deren Züge häufig Hochgebirgscharakter an-
nehmen. Die Küsten sind durchweg öde, ohne jeden beständigen Sülswasserzuflufs,
arm an Vegetation und Thieren und, vereinzelte Oertlichkeiten ausgenommen,
nahezu menschenleer.
Brauchbare Häfen und Ankerplätze sind, besonders in dem erforschten
nördlichen Theil, sehr selten. Die den Ufern bis über 25 Sm hinaus vorgelagerten
Korallenriffe erschweren überdies den Zugang zur Küste in hohem Mafse,
schließen nicht nur das Ein- und Auslaufen bei Nacht vollkommen aus, sondern
gestatten dies auch bei Tage nur dann, wenn sich die Sonne im Rücken des
ein- bezw. auslaufenden Schiffes befindet, weil nur unter dieser Beleuchtung die
vorliegenden Riffe erkennbar werden. Schon infolgedessen ist die Navigation in
diesen Gewässern recht schwierig; dazu kommen erstens der Mangel an Leucht-
feuern (nordwärts von Dschidda finden sich nur zwei Leuchtthürme im Hochsee-
gebiet, der von Brothers-Inseln und jener von Daedalus), sowie endlich die aus
dem ersten und vierten Quadranten häufig schwer wehenden Winde, welche einen
zwar kurzen, aber relativ hohen Seegang erzeugen. Alles dies verlangt selbst
bei Verwendung erfahrener einheimischer Lootsen eine aufserordentlich vorsichtige
Navigirung.
In Bezug auf die vertikale. Gestaltung des nördlichen Rothen Meeres ist
zu bemerken, daß S. M. S. „Pola“ nach einem wohl erwogenen Plane, um die
Lücken in den bisherigen, hauptsächlich englischerseits vorgenommenen Lothungs-
reihen möglichst auszufüllen, 103 Tiefenmessungen ausgeführt hat; die wichtigsten
scheinen uns diejenigen zu sein, welche (39 an Zahl) den Golf von Akabah
betreffen, denn hier hatte man bisher fast nur abgebrochene Lothungen („ohne
iy S, diese Annalen 1896, S. 29 und 91.
2) Aus den Sitzungsberichten der Akad. der Wissensch. zu Wien. Math,-naturw. Klasse,
Bd. CV, Abth, I. 15. Mai 1896.