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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Mistpoeffers, 
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die Erscheinung nicht genügend kennzeichnen: Ich kann nicht finden, dafs der 
Mistpoef dem Rollen des Donners gleicht, das lang anhaltend ist und häufig kurz 
abbricht, noch einem Kanonenschufs, der kurz und hart ist, noch dem Rollen 
eines Wagens, das die Häuser erschüttert. Alle. diese Geräusche nehmen nur 
den Gehörsinn in Anspruch, man. hört sie und damit ist’s gut. Beim Mistpoef 
habe ich im Gegentheil immer etwas mehr bemerkt: er richtet sich nicht allein 
an die Gehörnerven, sondern allgemein an das Nervensystem. Ks ist ein brum- 
mendes Geräusch, welches das Ohr angreift, man fühlt es, als ob es das Trommel- 
fell durchbrechen wollte, wie man einen nach dem Bade im Ohr verbliebenen 
Wassertropfen fühlt. Das Geräusch ist sicher mit Schwingungen verbunden, 
welche man nicht als Ton hört, sondern welche man wie ein Erzittern empfindet, 
und ich glaube, dafs hierin der Grund liegt, dafs einige Beobachter die Empfin- 
dung hatten, als bebe die Erde. Das Surren, welches man häufig bei Dampf- 
kesseln hört, übt auf mich eine gleichartige Wirkung aus wie die Mistpoeffers, 
ein Gefühl, das von vielen Personen, welche ich auf die Erscheinung aufmerksam 
machte, getheilt wird.“ 
_ Der Knall tritt entweder vereinzelt oder reihenweise auf. In letzterem 
Fall sind bis zu sechs aufeinanderfolgende Knalle gehört, deren Intervalle zwischen 
‘/® und 2° bis 3° schwanken;.es sind an demselben Ört auch Mistpoeffers aın Vor- und 
Nachmittag beobachtet worden. Nach Tageszeiten wurden Mistpoeffers beobachtet: 
zwischen Mitternacht und 2" a überhaupt nicht, zwischen 8" bis 12" p nur je ein- 
mal, sodafßs man sagen kann, die Erscheinung tritt nachts im Allgemeinen nicht 
auf. Am häufigsten ist sie um 3* p beobachtet, dann um 1”, 2” und 4" p, so dafs 
das Maximum ihres Auftretens in die heifseste Tageszeit fällt, daun folgt die 
Zeit zwischen 8* bis 12* a und schliefslich die Stunden um Sonnen-Auf- und -Unter- 
gang. Ueber das Jahr vertheilen sich die Beobachtungen folgendermalsen: 
Januar und December je eine, das Maximum liegt im Juli, dann folgt September, 
August und April, Mai, Juni, so dafs die Erscheinung in den Sommermonaten am 
häufigsten vorkommt, in den Wintermonaten fast gar nicht und im Spätherbst 
und’ Frühling nur vereinzelt. 
Was. nun die Witterungsverhältnisse anlangt, unter welchen die Mist- 
poeffers auftreten, so weisen die veröffentlichten Beobachtungen hier noch viele 
Lücken auf. Es wurde eingangs angeführt, dafs die Erscheinung nur an heifsen 
Tagen, bei klarem Himmel, Windstille, glatter See beobachtet werde bei gleich- 
zeitigem Vorhandensein von Nebel. Da die vorliegenden Beobachtungen nun 
nicht alle nach einem bestimmten Muster gemacht sind — ausgenommen die des 
Leuchtthurms Ostende und der niederländischen Feuerschiffe —, so läfst sich 
nicht übersehen, ob in den Fällen, wo Angaben über einzelne dieser Witterungs- 
Erscheinungen fehlen, dies seinen Grund in Unkenntnifs des Beobachters oder in 
dem Umstande. hat, dafs die vorangeführten, als charakteristisch von einer Zahl 
von Beobachtern angeführten meteorologischen Verhältnisse, bei der Beobachtung 
nicht vorhanden waren. ‘Zu: der Untersuchung konnten daher nur 72 Beob- 
achtungen herangezogen. werden und zwar 24 vom Leuchtthurm Ostende, in denen 
aber Angaben über den Zustand der See fehlen, 44 von niederländischen Feuer- 
schiffen, welche keine Temperaturangaben enthalten, und vier. weitere von Herrn 
van den Broeck veröffentlichte, welche keine Angaben über den Zustand der 
See enthalten. Im Uebrigen sind diese 72 Beobachtungen vollständig und ergeben 
folgende Verhältnifszahlen für .die Häufigkeit der meteorologischen Begleit- 
erscheinungen: 
Wind 
Stille Stärke1 Stärke 2 Stärke 3 Nebel heit, Himmel bewölkt. Himmel hohe Temp, glatte See 
190/09 58% . 22,4% : 5.6%g 32% 50% 430/09 : 89,3% 6500 
zT ZZ ZZ 
leicht ;mäfsig stark bezogen . 
8,3% 11,1% 9,6% ‚14% 
. Aus diesem Zahlenverhältnifs ergiebt sich, dafs in: der Mehrzahl der Fälle 
Stille oder ganz leichter Zug, Stärke 1, geherrscht hat bei klarem bezw. mäfsig 
bewölktem Himmel, und für die betreffende Jahreszeit hoher Luftwärme und 
glatter. See, dafs dagegen Nebel bezw. diesiger Horizont nur in */s aller Fälle 
bemerkt wurde. , 
P Es ergiebt sich aber auch aus diesen Ausführungen unwiderleglich, dafs das 
vorhandene Material nicht ausreicht, um die äufßeren, besonders die meteoro- 
n
	        
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