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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

[62 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897. 
verknüpft, die Deklinationsnadel schlug nicht aus, während am Tage vorher 
nach einem etwa 6 Minuten anhaltenden Erdbeben bei klarem Himmel im SO 
plötzlich Knalle ohne Rollen gehört waren. 
In Verbindung mit Erdbeben, entweder als Vorläufer oder Nachzügler, sind 
solche Knalle wiederholt bemerkt worden. 
Im Ganges-Delta sind ebenfalls unerklärliche Knalle bekannt und unter 
dem Namen „Barisal Guns“ seit 1867 wissenschaftlich behandelt, ohne dafs es 
bisher gelungen wäre, eine befriedigende Erklärung ihres Ursprunges zu finden. 
Die Gegend ist Erdbeben fast gar nicht unterworfen, und das Auftreten der Töne 
beschränkt sich zumeist auf eine bestimmte Jahreszeit. 
Aerrn van den Broeck ist nun auf seine Anregung hin eine Anzahl Be- 
obachtungen über die Mistpoeffers zugegangen, welche er im „Ciel et Terre“ 
veröffentlicht hat. Ein Anhang zu den vom Königlich niederländischen Meteoro- 
logischen Institut herausgegebenen „Onweders, Öptische Vershijnselen, Enz.“ 
1896, XVII. Band, bringt 44 auf holländischen Feuerschiffen gemachte Beob- 
achtungen. Aus diesen Beobachtungen, von denen viele wegen ihrer Allgemein- 
heit ausgeschieden werden mulsten und von denen die holländischen die besten 
sind, ergiebt sich über das Wesen der Mistpoeffers Folgendes: 
Das Gebiet, in welchem sie beobachtet sind, erstreckt sich von Groningen 
(Westernieland) im NO bis nach Dünkirchen im SW. Aufser den Beobachtungen 
in Westernieland liegen aber solche vom Festlande in Holland nicht vor, während 
in Belgien in-der Campine, Limburg, Hageland, Hesbaye, Namur, Hennegau und 
Ost- und West - Flandern die Mistpoeffers beobachtet wurden und zwar bis auf 
80 Sm Entfernung von der See. An der Küste bezw. auf See sind Beob- 
achtungen gemacht auf Ameland und dem Terschelling-Feuerschiffe, dann folgt 
eine grofse Lücke bis zum Feuerschiff Maas. Von hier nach Westen schliefst 
sich ein reiches Beobachtungsnetz an, an der Küste Vlissingen, Knocke, Heyst, 
Blankenberghe, Ostende, Middelkerke, Nieuport, Dünkirchen, auch an der Küste 
der Normandie ist die Erscheinung bekannt, doch liegen bestimmte Beobachtungen 
nicht vor. Auf See sind die Mistpoeffers beobachtet auf den Feuerschiffen 
Schouwen-Bank, Nordhinder, Westhinder, Ruytingen, an der Bergues-Tonne, auf 
Fahrten zwischen holländischen und französischen Häfen und auf solchen zwischen 
belgischen und englischen bezw. französischen in der Straflse von Dover, 
Wie eingangs erwähnt, ruft der dumpfe Knall den Eindruck hervor, als 
komme er von weither, bei vielen Beobachtungen ist auch die Richtung ange- 
geben, aus welcher er zu kommen schien. Diese ist für Belgien und die Nieder- 
Jande vorherrschend eine westliche, zwischen NW uud SW. Die Herkunft aus 
östlicher Richtung wurde nur in Westernieland (Groningen) bei allen vier vor- 
handenen Beobachtungen festgestellt, ferner in Brecht (Campine) und in Hageland 
%je eine). In Dover!) hört man den Knall aus Ost — 0SO, in Dünkirchen aus Nord, 
Terschelling-Feuerschiff giebt SSW, Maas-Feuerschiff SW, Schouwenbank-Feuer- 
schiff SW—NNW, Nord-Hinder-Feuerschiff Sud— West und West-Hinder-Feuerschiff 
Süd als Richtung an, während die belgischen Küstenplätzeaus NW — West, die binnen- 
lands gelegenen Orte ihn von See her hören. Zwei Beobachter auf See, der 
Herr van Mierlo und der Professor Leon Gerard, haben Jeder für sich zu 
verschiedenen Zeiten zwischen der Out Ruytingen- und der Bergues-Bank die 
Mistpoeffers von allen Seiten um das Schiff herum gehört und den Eindruck ge- 
habt, dafs sie von unten kämen, so dafs beide der Ansicht sind, der Mittelpunkt 
der Schallerscheinung läge an der angeführten Stelle. Besonders interessant ist 
die gleichzeitige Beobachtung des Phänomens am 6. April 1896 in Middelkerke 
und Ostende, welche Herr van den Broeck und ein anderer Beobachter 
machten. 
Daß viele Beobachter besonders aussprechen, eine Verwechselung der 
Mistpoeffers mit Kanonen- oder Gewehrschüssen sei gänzlich ausgeschlossen, 
wurde schon oben gesagt. Ein Berichterstatter, der Advokat Goderus in Gent, 
beschreibt den Eindruck so lebendig, dals wir es uns nicht versagen können, 
seine Worte in Uebersetzung hier folgen zu lassen: 
„Ich bin mir darüber klar, dafs man die Klangerscheinung an jedem Punkt 
der Küste in gleicher Stärke hört; aber ich finde, dafs die meisten Vergleiche 
) „Les hoquets de mer.“ , Revue maritime, Dez. 96. Ingenieur hydrographe van Mierlo*
	        
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