160 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897.
um 8 Uhr ınorgens, 12 Uhr mittags, 4 Uhr nachmittags und & Uhr abends
Beobachtungen über den Wind, den Luftdruck, die Bewölkung des Himmels und
das Wetter angestellt. An zwölf Tagen geschah dieses an allen vier Stunden,
während an sechs Tagen eine, an drei Tagen zwei und an zwei Tagen drei dieser
Beobachtungen ausfielen. Im Ganzen liegen 74 Beobachtungsreihen vor. Das
Resultat derselben ist das folgende:
Um 8 Uhr morgens war es meistens windstill, worauf sich bei 10 Uhr
vormittags ein leichter westlicher Wind erhob, der bald auffrischte und südlich
holte. Manchmal fielen steife Windpuffe ein. Um 4 Uhr nachmittags erreichte
die mittlere Windstärke ihren höchsten Betrag mit der Richtung des Windes
zwischen West und Süd. Hierauf aber nahm sie rasch wieder ab, so dafs bereits
um 8 Uhr abends meistens Windstille herrschte. Des Nachts wehte entweder
ein leiser östlicher bis nördlicher Zug oder es war windstill. In einer Nacht
jedoch war der Wind böig von NW und West. Im Allgemeinen war der Wind
schwach, seine mittlere Stärke betrug nur 1,7 der Beaufort-Skala. Die höchste
beobachtete Windstärke betrug 6.
Der mittlere Luftdruck war 762,0 mm (red.), die absoluten Schwankungen
bewegten sich innerhalb der Grenzen 767,2 und 756,1 mm (red.).
Der Himmel war im Allgemeinen nur schwach bewölkt, im Mittel aller
Beobachtungen zu 2,9 der zehntheiligen Skala. In den weit überwiegenden
Fällen zeigte sich ein völlig klarer oder ein etwas mehr oder weniger stark
bewölkter Himmel. Aeufserst selten wurde ein ganz bedeckter Himmel beobachtet.
Dennoch war die Luft häufig trübe und dunstig und selbst ein Mal dick von
Nebel, während auch Staubregen sich gelegentlich einstellte. An drei Tagen
war eine 80 hohe Dünung im Hafen vorhanden, dafs das Löschen der Ladung
anterbrochen werden mußte — ein KEreignifs, welches der Kapitän in Anbetracht
der vorgerückten Jahreszeit als ein aufsergewöhnliches bezeichnet.
Mistpoeffers.
Im Heft No. 13, 1896, des Brüsseler „Ciel et Terre“ veröffentlicht der
Konservator des Königlich belgischen Naturgeschichtlichen Museums, Herr
E. van den Broeck, einen Fragebogen, der sich unter Anderen auch an die
Seeleute wendet, um Material zur Erforschung der bisher noch nicht aufgeklärten
Schallerscheinung zu beschaffen, welche von den Vlämen als Mistpoeffers bezeichnet
wird. Da viele unserer Leser in der Lage sein werden, Beobachtungen über
diese unaufgeklärte Naturerscheinung beim Passiren der Hoofden zu machen,
theilen wir weiter unten den Fragebogen in Uebersetzung nach der genannten
Zeitschrift mit und geben nach den im „Ciel et Terre“!) veröffentlichten Auf-
sätzen des genannten Gelehrten das geschichtlich und thatsächlich über die Er-
scheinung Bekannte wieder.
Die Erscheinung selbst besteht aus dumpfem langgedehnten Knall, welcher,
nicht von Rollen begleitet, von fernher zu kommen scheint und theils einzeln,
theils reihenweis und überall, wo er beobachtet ist, in gleicher Stärke auftritt.
Nach dem belgischen Geologen, Herrn Rutot, giebt das Wort „bumm“, dumpf
mit fest geschlossenen Lippen gesprochen, die Art des Tones, wie er auf dem
Lande beobachtet wird, sehr klar wieder, während an und auf der See das Wort
„brrumm“ sie kennzeichnet. Ein Beobachter in Vlissingen dagegen sagt: der
Mistpoeffer wird am deutlichsten nachgeahmt, wenn man das Wort „up“ schnell
und kurz ausruft, während man den Athem ausstöfst. Die meisten Beobachter
stimmen darin überein, dafs der Knall mit dem eines Geschützes nicht zu ver-
wechseln ist.
Die verschiedenen Namen für die Erscheinung sind sehr charakteristisch.
Die vlämische und holländische Küstenbevölkerung nennt sie Mistpoeffers (spr.
Mistpuffers), Mist = Nebel, welcher in vielen Fällen mit dem Auftreten der Er-
scheinung verbunden ist, und poef=— puff, die Schallwirkung bezeichnend. Die
) Un phönomene mysterienx de la physique du globe, E. van den Broeck, „Ciel et
Terre“. 1895 und 1896.