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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Bericht über im Indischen Ocean angetroffenes Treibeis. 
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„Am 6. Dezember 1896, am Nachmittage, als: das Schiff bei. mäfsigem 
Südwinde mit etwa 9 Knoten. Fahrt durchs Wasser ging, kam um 3'/2" p, bei 
zeitweise neheligem Wetter, nordöstlich von uns Eis in Sicht, welches aber 
bald wieder in einem Nebelschauer verschwand. Als .das Wetter, etwas nach 
4 Uhr wieder aufklarte, kam das Eis deutlicher in Sicht und zeigte es sich nun, 
dafs man es mehr mit einer Eisinsel als mit: einem Berge zu thun hatte. Um 
44/2 Uhr, als der Schiffsort 43° 36‘ S-Br und 48° 24‘.O-Lg war, wurde sie an 
ihrer Südseite, in etwa 1%2 bis 2 Sm, Entfernung, passirt. Die Höhe wurde 
an dieser Seite auf etwa 60 m geschätzt, während die sich in der Nord—Süd- 
richtung erstreckende Länge wohl 1000 m betragen mochte. Nach Süden fiel 
die Kisinsel vom höchsten Punkte steil ab. Während die ganze Oberfläche 
blendend weils und anscheinend mit Schnee bedeckt, war, erschien .die steile 
Südseite rissig und dunkler, Es sah aus, als ob die Südseite mit einer anderen 
Eismasse. zusammen gehangen habe und dort ein Bruch vor sich gegangen War. 
Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte das Eis unter Wasser noch größere Aus- 
dehnung, als sichtbar war; denn an der Nordwestseite war auf weiterem Abstande 
starke Brandung zu sehen, Die Wasserwärme betrug um 4" p +6° und um 
4'/at p, als wir dem Eise am nächsten standen, 5,7° C. Eisvögel waren zur Zeit 
weniger zu sehen, als an manchen der vorhergehenden Tage. Mehrere Wale 
wurden am Nachmittage gesehen, auch trieb im Wasser auffallend viel Seetang. 
„Adolf“ befährt seit November 1892 zum dritten Male diese Route, und 
hat das Schiff auf jeder Reise Eis’ angetroffen. In angenähert der gleichen 
Position, wie der vorerwähnten, wurden am 30. November 1895 zwei Eisberge 
gesehen, von denen der gröfste mit der Insel Inaccessible verglichen wurde, 
Auf dieser vielbefahrenen Route bildet das Treibeis eine sehr grofse Gefahr, und 
erscheint: es nicht unwahrscheinlich, dafs es nur zu oft die Ursache des 
Verschollenseins von Schiffen ist. Besonders ist dieses der Fall, weil gutes 
sichtiges Wetter in diesen Breiten selten ist und die Eisgefahr von manchen 
Schiffsführern auch wohl nicht selten unterschätzt wird.“ 
Talcahuano und Valparaiso. 
Von Kapt. H. OTTO, Führer des Schiffes „Undine“, 
Nachdem wir Talcahuano am 15. Oktober 1892, nach einer Reise von 
97 Tagen ab Rangun, erreicht hatten, lagen wir dort bis zum 26. Oktober. 
Während des Aufenthaltes war das Wetter sehr unbeständig, ganz flaue Briesen 
von Nord, Süd und West wechselten miteinander ab. Am 253. war es den 
ganzen Tag nebelig. . 
Im Hafen werden ein Wellenbrecher und ein Trockendock gebaut, Ersterer 
ist wohl halb vollendet und befindet sich gerade auf der kleinen Bank. Die 
Tonne zur Kennzeichnung dieser Bank ist klein und selbst am hellen Tage 
schlecht auszumachen. Das rothe Feuer auf der Mole, welches unter gewöhn- 
lichen Umständen 5 Sm sichtbar sein soll, ist gauz schwach und kommt meistens 
nicht eher in Sicht, als bis man dicht an die vor Anker liegenden Schiffe heran- 
gesegelt ist. a 
Die englische Bark „Tamerlan“, von Kalkutta kommend, war während 
der ganzen Fahrt durch den Stillen Ocean immer in unserer Nähe gewesen und 
erreichte Talcahuano einen Tag vor uns. Sie hatte ebenso wie wir viel Eis 
angetroffen.‘ 
Am 24. Oktober lichteten wir unsere Anker und kreuzten gegen leichten 
Nordwind aus. Um 12 Uhr mittags war der an Stärke zunehmende Wind von 
Böen mit heftigem Regen begleitet, weshalb ich es vorzog, dicht unter der Insel 
Quiriquinha zu ankern, Am 25, war das Wetter noch stürmisch bei Nordnord- 
westwind und heftigen Regenböen. Erst gegen Abend sprang der Wind auf SW 
um und wurde mäfsig.. Am folgenden Morgen gingen wir mit leichtem Südsüd- 
westwinde unter Segel, Nach 1!/tägiger Fahrt ankerten wir am 28. Oktober 
am 4 Uhr nachmittags im Hafen von Valparaiso.. 
„Undine“ lag hier bis zum 20. November 1892 und versegelte dann nach 
Jquique. Während dieses 23tägigen Aufenthaltes in Valparaiso wurden an Bord
	        
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