accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

158 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897. 
Den Weg durch den Prinzen-Kanal und sodann dicht unter der Küste von 
Java entlang nehmend, erreichten wir am Mittage des 14. April bei einem Schauer 
mit frischem Südsüdwestwinde Anjer; um 4 Uhr nachmittags waren wir bereits 
aus der Sunda-Straße heraus. Zu der letztgenannten Zeit sah die Luft rück- 
wärts, über der Stralse, sehr drohend aus. Eine mälfsige südwestliche Briese 
führte uns durch die Java- See, und am Morgen des 16. April standen wir vor 
dem Eingange zur Gaspar-Strafse in dem Stoltze-Kanal. Hier ging der bis dahin 
günstige Wind in Stille über, um sodann als ein leiser Zug von Norden durch- 
zukommen, bei dem wir in zwei Tagen durch die Gaspar-Strafse kreuzen konnten, 
Der Strom setzte während des gröfsten Theils des Etmals mit einer mäfsigen 
Geschwindigkeit nach SO. Nördlich der Strafßse waren ebenfalls ganz flaue 
nördliche Briese und sgüdliche Strömung vorhanden, weshalb das Aufkreuzen 
sehr langsam von Statten ging. Erst am 25. April passirten wir die Linie in 
109,5° O-Lg. Von hier an wurden die Verhältnisse insofern für uns etwas 
günstiger, als der Wind sich öfters nach West und Süd veränderte — wenn 
auch höchstens die Stärke 1 bis 2 erreichend — und die Strömung mehr nach 
Ost, selbst nach NNO setzte. Wir passirten zwischen den Natuma - Inseln hin- 
durch und schnitten 10° N-Br in 111,5° O-Lg am 7. Mai. Auch noch von hier 
an machte ein leiser, von Stillen unterbrochener, meistens günstiger Zug die 
Weiterfahrt zu einer langwierigen. Dazu war am 10. und 11. Mai eine nördliche 
Dünung vorhauden, während wir bis zu dieser Zeit eine ganz ruhige See gehabt 
hatten. Am letztgenannten Tage mittags ging der Wind nach einer vorauf- 
gegangenen kurzen Windstille auf Nord und frischte etwas auf. Am 12. Mai, 
als dieser Wind bis zur Stärke 5 zugenommen hatte, beobachteten wir einen 
prachtvollen Sonnenuntergang bei gleichzeitig sehr drohend aussehender Luft 
von gelb-röthlicher, schmutziger Farbe im Osten. Es kam mehr und mehr See- 
gang aus OSO auf. Das Barometer war im langsamen Fallen begriffen, und es 
blitzte im Nordwest und Südwest. Da mit Tagwerden am 13. Mai die vor- 
erwähnte dicke etwa 15° hohe Wolkenbank im Osten noch unverändert dort 
stand und die See von Ost bis Nord noch zugenommen hatte, war kein Zweifel 
mehr möglich, dafs wir es mit einem Taifune zu thun hatten, dessen Centrum 
etwa in OSO von uns lag, und uns wahrscheinlich recht vor oder links von der 
Bahn desselben befanden. Wir hielten daher, mit dem Winde 3 bis 4 Strich 
von St. B. ein, südwärts ab, um uns von der Bahn des Centrums zu entfernen 
und möglicherweise hinter Letzteres zu gelangen. (Ganz richtig. Anm. d. Red.) 
Wie erwartet, holte der Wind dann allmählich westlicher, und wir konnten dem- 
entsprechend nach und nach östlicher steuern, bis am 15. Mai um 8 Uhr morgens 
wegen der Nähe der North Danger Shoals beigedreht werden mulfste, und zwar 
mit B. B.-Halsen. Den niedrigsten Barometerstand von 753,2 mm (unred.) beob- 
achteten wir am 15. Mai 4 Uhr nachmittags bei Westwind 7 und hoher wilder 
See von NNE, NNW und West. Von da an war ein langsames Steigen des 
Barometers bemerkbar, und da der Wind nur bis nach WSW herumging, so 
konnte dies als Anzeichen gelten, dafs der Taifun wahrscheinlich nach Nord um- 
gebogen sei. Der Wind nahm dabei bis zur Stärke 4 ab, aber wegen der hohen 
nördlichen See war noch kein nennenswerther Fortschritt zu machen. In den 
nächsten Tagen hatten wir meistens Windstille oder leisen Zug aus SSW. Erst 
am 22. Mai auf 17,3° N-Br und 115,0° O-Lg kam etwas Briese aus SW durch, 
die als Monsun bezeichnet werden konnte. Mit dieser erreichten wir am 24. Mai 
8 Uhr abends die Rhede von Hongkong, 144 Tage von New York. 
In Hongkong erfuhren wir, dafs der Taifun bald nach seinem Eintritt in 
die China-See nach Nord bis NNE umgebogen sei und somit unsere diesbezügliche 
Annahme vom 15. Mai richtig gewesen war. 
Bericht über im Indischen Ocean angetroffenes Treibeis. 
Kapt. A. Scheepsma, Führer des Bremer Schiffes „Adolf,“ welcher nach 
einer sehr raschen Reise von 113 Tagen ab Cardiff am 2. Februar 1897 in 
Nagasaki eingetroffen ist, sendet der Seewarte folgenden Bericht über von ihm 
angetroffenes Eis zu.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.