Segelanweisung für Friedrich Wilhelms-Hafen etc.
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Derselbe wird von Friedrich Wilhelms - Hafen durch die Insel Belaio
getrennt. Es ist ein langgestreckter Hafen, der im Norden bis zur Siar-Insel reicht.
- Im Westen wird er von dem Festland, im Osten von einer Reihe kleiner
Inseln begrenzt.
In den Hafen mündet der Gauta - Flufs. mit zwei Armen in der Südwest-
ecke des Hafens bezw. !/2 Sm weiter nördlich. Beide sind nur mit flachgehenden
Booten befahrbar.
Im Uebrigen hat der Hafen infolge seiner Nähe zu Friedrich Wilhelms-
Hafen und seiner abgeschlossenen ungesunden Lage gar keine Bedeutung.
IL. Angriffs-Hafen.
Ansteuerung. Die beste Ansteuerungsmarke für den Angriffshafen bildet
auf gröfserer Entfernung der Bougainville-Berg. In seiner eigenthümlichen Form,
„Kegel mit abgeflachter Spitze“ und nach See zu scheinbar in Terrassen abfallend,
ist er besonders für Schiffe, die aus SO bezw. Osten kommen, nicht zu verkennen.
Von Nord bezw. NO kommende Schiffe können auf näherer Entfernung
leicht den Hartmann-Berg ausmachen, der sich durch seine kuppenförmige Spitze
auszeichnet und südlich des Angriffshafens vorgelagert liegt.
Für Schiffe, die von SO kommen und unter der Küste entlang steuern,
zeigen die „Däumlinge“, zwei kleine Felsen mit Baumwuchs, die Annäherung an
den .Angriffshafen am besten an.
Das Einlaufen in den Hafen bietet keinerlei Schwierigkeiten, wenn man
sich ungefähr in der Mitte der Einfahrt hält. Die auf beiden Seiten der Einfahrt
vorspringenden Korallenriffe, die bei Niedrigwasser trocken fallen, sind nicht
unter 2 Kabllg.. zu passiren.
Der Hafen. Der Hafen ist vollkommen frei von Riffen und bietet im
Allgemeinen einen recht geschützten Ankerplatz, wenn ein Schiff in einer der
Ecken der Bucht ankert, wo die von Norden hineinstehende Dünung nur wenig
Einflufs hat,
Die Wassertiefen nehmen in auffallender Gleichmäfsigkeit nach der Süd-
seite des Hafens zu ab. Iunerhalb der Einfahrt sind nirgends über 30 m Wasser
mit gutem Ankergrunde.
Der beste Ankerplatz ist während des Südostmonsuns in der Südostecke,
während des Nordwestmonsuns in der Südwestecke des Hafens, wo etwa 400 m
von Land noch 10 m Wasser vorhanden sind.
Am Südstrande des Hafens stehen zwei je 1m hohe Steinpfeiler, von
denen die Lage des westlichen durch astronomische Beobachtungen genau fest-
gelegt worden ist zu 2° 40’ 45“ S-Br und 141° 18’ 4” O-Lg.
Der zweite östliche Steinpfeiler giebt eine astronomisch festgelegte
Richtungslinie nach dem zuvor erwähnten Pfeiler. Dieselbe beträgt N 108°40‘30”0,
Frischwasser, jedoch nicht zum Trinken, kann aus zwei kleinen Flüssen,
die auf der Südseite des Hafens münden, entnommen werden. An Lebensmitteln
können Kokusnüsse allenfalls auch Jams und Taros von den Eingeborenen ein-
getauscht werden.
Letztere, die sich „Wancmos“ nennen, wohnen in der nach Westen zu
anschliefsenden Friedrichsen - Bucht. Sie sind friedlich und harmlos und leben
auch mit den Nachbarstänmen in gutem Einvernehmen.
IV. Küste von Angriffs-Hafen bis zur Germania-Bucht.
Der etwa 22 Sm lange Küstenstrich läuft, von Angriffs-Hafen beginnend,
zunächst in der Hauptrichtung WNW und biegt dann bei der Robide-Huk etwas
nach West zu um.
Bis kurz vor der genannten Huk zieht sich ein etwa 1 bis 3 Sm breites
vollkommen flaches Vorland hin, das aus Buschwald mit sumpfigem Untergrunde
besteht. Unmittelbar an der See findet sich hier meist schmaler Sandstrand, an
den sich nach See zu ein breites Korallenriff anschliefst, das bei Niedrigwasser
trocken fällt. Hinter diesem flachen Vorland zieht ein niedriger Höhenzug in
der Richtung der Küste bis zum Bougainville-Gebirge, das, etwa südlich von der
Robide-Huk beginnend, seine Ausläufer bis zur Germania-Huk sendet.