Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1897,
Reise der Bark „Theodore“, Kapitän J. G. Nichelson,
von Boulogne nach Cearä.
Am 13. Dezember 1892 verliefs die deutsche Bark „Theodore“, mit Cement
beladen, den Hafen von Boulogne, um nach Ceard zu segeln. Der Wind war
anfangs frisch aus Nord, doch schon am Nachmittage wurde es flau und bald
ganz still. Hierauf setzten leichte, andauernde südliche und südwestliche Winde
ein, so. dafs das Schiff erst am 21. Dezember die Länge von Lizard passiren
onnte.
In den beiden folgenden Etmalen war der südliche Wind in der Nacht
fast stürmisch und am Tage flau und stille, von häufigem Regen begleitet. Am
24. kam Nordwestwind durch, der bald stürmisch wurde und durch Nord auf NE
holte. Wieder abflauend drehte der Wind, von Regen begleitet, schnell auf SW.
Am Abend hatten wir eine schwere Böe aus ESE, um 10 Uhr eine aus NW und
um 11 Uhr aus ENE, begleitet von Gewitter und Regen. In der folgenden Zeit
waren ebenfalls leichte veränderliche Winde vorherrschend; erst am 19, Januar
1893 kam auf 18,6° N-Br und 25,3° W-Lg der Nordostpassat durch. Derselbe
war zwar zuerst nur leicht, aber am 21. frisch und am 24. selbst steif. KEr
mäfsigte sich aber bald wieder und brachte das Schiff nach 4° N-Br und 27,7° W-Lg,
woselbst seine äquatoriale Grenze lag. Hier flaute der Wind ab und holte
unter Regen auf SE. Am 28. Januar klarte das Wetter auf, und am 30. passirte
das Schiff bei mäfsigem Südostpassat auf 30° W-Lg den Aequator, worauf am
2, Februar die Rhede von Ceari erreicht wurde. Die Dauer der Reise betrug
von Lizard 43 Tage.
Ceard, die Hauptstadt der l’rovinz gleichen Namens, an der Nordküste
von Brasilien, liegt auf 3° 42‘ S-Br und 38° 41’ W-Lg. Die Stadt, welche auf
Sandhügeln erbaut ist, hat eine Einwohnerzahl von fast 30000 und ist wohl der
gesundeste und niedlichste Hafenplatz ganz Brasiliens. Sie hat Eisenbahn- und
Telegraphenverbindung und treibt einen bedeutenden Handel mit Baumwolle,
Baumwollsaamen, Wachs, Fellen u.a. m. Die ganze Ausfuhr wird aber durch
Dampfer bewerkstelligt, so dafs Segelschiffe kaum noch eine Rückfracht be-
kommen können.
Nach Ceard bestimmt, thut man am besten, die Linie nicht zu westlich
zu schneiden, damit man, durch den starken westlichen Strom versetzt, die
Küste nicht zu spät macht. In der Nacht ist dieselbe sehr gut anzulothen und
Macoripe-Spitze leicht zu erkennen, weil dieselbe durch ein gutes Feuer gekenn-
zeichnet ist. An der genannten Landspitze befindet sich die Lootsenstation.
Die Lootsen kommen immer zeitig genug an Bord. Wenn das Schiff nicht über
5 m (16'% Fuß) tief geht und Platz dazu vorhanden ist, wird der Looise dasselbe
gleich im inneren Hafen, sonst aber auf der Aufsenrhede, auf einer Wassertiefe
von 9m (5 Faden), mit beiden Ankern verankern. Der Hafen, wenn man diese
Rhede so nennen darf, ist schlecht, wenn schon die Schiffe hier sicher liegen.
Auf der Innenrhede ist nur Platz für drei gröfsere Schiffe. Dieselben werden
auf einer Wassertiefe von 19 bis 21 Fuß mit beiden Ankern vertäut, rollen aber
manchmal ziemlich stark, weil die nordöstliche Dünung nicht ganz verschwindet,
Das Aufsenriff, von dem nur zur Springzeit bei Niedrigwasser einige Spitzen
aus dem Wasser hervorragen, ist nicht hoch genug, um die Dünung von der
Innenrhede abzuhalten. Unter diesen Umständen geht das Löschen und Laden
der Schiffe nicht gut, und ist selbst zuweilen mit Gefahren verknüpft. Nur das
Fehlen einer besseren Landungsstelle an dieser Küste konnte diesen Hafen
entstehen lassen. Das von der Regierung in Bau genommene Brechwasser wird
Me SC hältnisse wenig bessern, es scheint eher die Rhede mehr versanden zu
wollen.
Alle gelöschten Güter werden von den Arbeitern aus den Leichtern auf
dem Kopf an das Land getragen. Es ist kaum zu begreifen, dafs die manchmal
bis an die Knie in der Brandung stehenden Leute, mit einem Gewichte bis über
250 Pfund (125 kg) auf dem Kopfe, nicht das Gleichgewicht verlieren oder
zusammenbrechen. Verhängnifsvoll kann es aber werden, wenn der Anker des
Leichters nicht hält und letzterer dwars auf den Strand geworfen wird. Ein