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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897, 
pflichtmäfsiger Ueberzeugung. Ich werde daran festhalten und die Reorganisation 
mit aller Energie durchführen, denn ich weils, dafs sie zeitgemäß ist.“ Nach der 
Krönung am 18. Oktober 1861 in Königsberg sah der König immer mehr, daß er 
andere Kräfte haben müsse als die ihm damals zur Seite stehenden Minister. Er 
zehnte sich nach Männern, die ihm in der schweren Zeit der gröfßsten Unpopularität 
sine Stütze und Hülfe gewähren könnten. Da wurde seine Aufmerksamkeit auf 
den in der diplomatischen Welt und als Königlich preufsischer Gesandter beim 
Bundestage in Frankfurt rühmlichst bekannten Otto v. Bismarck-Schönhausen 
gerichtet, der am 8, Oktober 1862 an die Spitze des Königlich preufsischen Staats- 
ministeriums gerufen wurde, Der weitere Verlauf der Entwickelung Deutschlands, 
der Krieg von Schleswig-Holstein (1864) und gegen Oesterreich und die süddeutschen 
Bundesstaaten nach Sprengung des Bundestages (14. Juni 1866) sind so neu in 
unserer Erinnerung, daß es nur einer Erwähnung bedarf, um uns die Bedeutung 
dieser Phase der Entwickelung der deutschen Einheit vor die Seele zu rufen, 
Die Klugheit und Mäfßigung des Königs konnte allein die Zukunft des Vater- 
landes sichern und wurde denn auch in vollem Mafse beim Ordnen der Ge- 
staltung Deutschlands zur Anwendung gebracht. Zuerst traf der Norddeutsche 
Bund, dem der König als Präsident vorstand, mit einer parlamentarischen Ver- 
fassung ins Leben. Später kam als wichtiges Glied des Ueberganges zur Einheit 
mit dem Bund deutscher Staaten das Zollparlament hinzu. Endlich sollte der 
Krieg gegen Frankreich, der in der frivolsten Weise von Letzterem herauf- 
beschworen worden war, den König dem hohen Ziele, das er sich vorgesteckt, 
mit einem Male näherführen. Nach riesigen, nie vorher in der Geschichte da- 
gewesenen Kämpfen wurde unter des Heldenkaisers glorreicher Führung das 
französische Kaiserthum zerschmettert und erstand das neue Deutsche Reich. 
{m prunkvollen Saale von Versailles wurde auf Anregung des unglücklichen 
Königs Ludwig ]I. von Bayern und unter Zustimmung sämmtlicher deutscher 
Fürsten König Wilhelm von Preufsen am 18, Januar 1871 zum Kaiser von 
Deutschland ausgerufen, während schon vier Monate früher Stralsburg wieder 
robert und damit die Wiedergewinnung der deutschen Lande Elsafs-Lothringen 
gesichert worden war. Welche Errungenschaften und welche Sühne für die 
zrenzenlose Unbill, welche Deutschland von Frankreich durch zwei Jahrhunderte 
zu ertragen hatte! 
An der Hand der flüchtigen geschichtlichen Entwickelung deutscher Ver- 
hältnisse gewinnen wir das Mafs für die Gröfßse der Thaten Wilhelms des Großen. 
Wir erkennen daraus, dafs durch den erhabenen Monarchen in Wahrheit die 
zlorreiche Zeit der Hohenstaufenschen Kaiser für unsere Nation wieder herauf- 
yezaubert worden ist, und preisen in unbegrenzter Verehrung den Geist, der die 
vaterländische Gesittung, die deutsche Geistesarbeit durch Jahrhunderte unserem 
Volke gerettet und vor dem Untergang in dem internationalen Gewirr 
bewahrt hat. 
Die Kaiserjahre Wilhelms des Grofsen waren nur dem Frieden gewidmet. 
Auf allen Gebieten geistiger Arbeit nahm der Kaiser einen leitenden Antheil, 
wie dies jüngst bei der Centenarfeier der Königlichen Akademie in Berlin durch 
den früheren Unterrichtsminister von Gofsler zum beredten Ausdruck gelangte. 
Was in den langen Friedensjahren für die Wohlfahrt des Volkes und für 
die arbeitenden Klassen durch die Regierung Kaiser Wilhelms geschah, ist un- 
ermeflich und wird bis in die fernsten Geschlechter fortwirken und dem grofsen 
Mann, den wir heute feiern, den Dank der Nachwelt sichern und die Liebe und 
Verehrung, die wir Lebenden für den edlen Mann empfinden, von Generation zu 
Generation fortpflanzen und herrliche Früchte reifen lassen, 
Die Segnungen des Friedens, die wir dem starken Arm und dem milden 
Sinn des grofsen Kaisers danken, sprechen zu uns, die wir in Deutschlands 
größter Handels- und Seestadt leben, im Besonderen durch das Aufblühen des 
Handels und durch das Anwachsen unserer Flotte und erfüllen uns mit innigem 
Danke. Die Seewarte, die dem Wohle der Seefahrt gewidmet ist, wurde unter 
Kaiser Wilhelms Regierung ins Leben gerufen; ja es wurde dem jungen Institut 
bei der Errichtung des Dienstgebäudes die große Auszeichnung zu Theil, dafs der 
hohe Monarch in Person an dieser Stelle, wo wir ihm zu Ehren heute sein Bild- 
nifs erblicken, ermuthigende und gnädige Worte zu den Beamten der Seewarte 
sprach. Unauslöschlich ist dieses Zeichen der Huld in unseren Herzen eingegraben
	        
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