accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

150 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897, 
kühne Mann schont begreiflicherweise die französische Nation unter ihrem Führer 
Napoleon nur insoweit, als er sich nicht der Gefahr der Verfolgung aussetzte. 
Wir erfahren, dafs er bei seinen Vorträgen, die von Hunderten besucht wurden, 
häufig durch den Lärm vorüberziehender französischer Tambours übertönt wurde.*?) 
Endlich schlug die Stunde der Erlösung von dem unerträglichen Joche, 
die Befreiungskriege. Während derselben und in dem Feldzuge des Jahres 1813 
war Prinz Wilhelm, damals Premierlieutenant, nicht bei der Armee; erst im 
französischen Feldzuge 1814 sehen wir ihn in dem Gefolge seines Königlichen 
Vaters, wo er am 27. Februar bei Bar sur Aube die Feuertaufe erhielt. Beim 
Einzuge des Königs in Paris ritt er mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm 
hinter dem Vater, sowie er auch bei dem Kinzuge in Berlin am 7. August des- 
selben Jahres im Königlichen Gefolge war. Von nun ab in der für Deutschland 
abermals trostlosen Zeit nach dem Wiener Kongresse widmete sich Prinz Wilhelm 
in eingehendster Weise dem militärischen Berufe, durchlief die verschiedensten 
Rangstufen und wurde am 30. März 1838 an die Spitze der Garde du Corps 
berufen. Die Zeiten, welche Preufsen und Deutschland während des Bestehens 
des deutschen Bundestages, der in Frankfurt a. M. seinen Sitz hatte, durchmachte, 
sind politisch so unendlich unerquicklich, dafs man sich wundern mufs, dafs sich 
aus all dem traurigen Gewirre und der inneren Zerfahrenheit noch etwas, das 
Heil unseres Vaterlandes Förderndes entwickeln konnte. Wohl konnte Uhland 
am dritten Jahrestage der Schlacht bei Leipzig im heiligen Unmuth singen: 
Wenn heut ein Geist herniederstiege, 
Zugleich ein Sänger und ein Held, 
Ein solcher, der im heil’zgen Kriege 
Gefallen auf dem Siegesfeld, 
Der sänge wohl auf deutscher Erde 
Ein scharfes Lied wie Schwerterstreich, 
Nicht so wie ich es künden werde, 
Nein! himmelskräftig, donnergleich! 
Die rücksichtslose Verfolgung jeder freiheitlichen Regung — und wir 
denken hier an das Martyrium so manch eines vortrefflichen deutschen Mannes 
— der Hader der einzelnen Regierungen untereinander sind ja sprichwörtlich 
gewesen und haben zu Vorkommnissen geführt, die wahrhaft einer grofsen Nation 
unwürdig genannt werden müssen. Unter den vielen Beispielen dieser Art führen 
wir nur als symptomatisch für diese Epoche unserer vaterländischen Geschichte 
die Vorgänge bei der Erbauung eines Hafendammes in Biberich an, der durch 
die hessischen Behörden mittels des Versenkens riesiger Steine vereitelt werden 
sollte und endlich das Einschreiten der Präsidialmacht des Bundestages nöthig 
machte (1844). Unterdessen haben aber wackere Männer nicht aufgehört, die 
Einigkeit des Vaterlandes anzubahnen, voll Zuversicht auf den endlichen Erfolg, 
und hier begegnen wir in erster Linie dem grofsen deutschen Nationalökonomen 
Friedrich List, welcher im Jahre 1819 den deutschen Handelsverein in Frankfurt 
gründete, *) aus welchem sich in der Folge der deutsche Zollverein, die Grundlage 
der Einigung Deutschlands, entwickelte. List sprach es in seinen Schriften aus, dafs 
Deutschlands Macht zur See zu gründen sei und dafs vom Vaterland, wenn es geeinigt 
sein würde, deutsche Kolonien erworben bezw. ausgebaut werden müfsten. Der 
Regierung Friedrich Wilhelms IV. konnte es bei jeglichem Mangel an Ent- 
schlossenheit nicht gelingen, sich die schlummernden Keime der Entwickelung 
dieser Einigung zum Heile Deutschlands zu Nutze zu machen, und in Oesterreich 
hatte das Regime Metternichs dafür Sorge getragen, dafs jede Entwickelung zur 
politischen Freiheit und Selbständigkeit unmöglich war. Auch sonst sah es in 
den deutschen Staaten trostlos aus, bis endlich das Jahr 1848 einen Wandel der 
Dinge herbeiführte, der im Beginne Erlösung von den unhaltbaren Zuständen 
herbeizuführen versprach, aber im Laufe der Zeit sich nicht verwirklichen konnte. 
1) Fichte war im Jahre 1762 geboren und starb in der '’yphusepidemie des Jahres 1814, 
nachdem er noch den Uebergang Blüchers über den Rhein und die Niederlagen des französischen 
Kaisers erfahren hatte; sowohl im Jahre 1806, wie abermals im Jahre 1814 hatte er sich erboten. 
das Heer zu begleiten, um es durch seine Reden zu begeistern, was aber abgelehnt wurde. 
2) Dr. Friedrich List: „Das nationale System der politischen Oekaonomie“, I. Band. 
Stuttrart-L’übinsven 1842.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.