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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Ansprache zur Feier des hundertsten Geburtstages Kaiser Wilhelms. I, ‘147 
reichen Regierung. Auf dem Reichstage in Mainz im Jahre 1188, welcher die 
Bezeichnung „Hoftag Jesu Christi“ führte, erblicken wir ihn auf der Höhe 
seiner Macht;. er nannte sich mit Stolz den ersten Fürsten Deutschlands. 
Dort war es auch, wo er sich verpflichtete, einen ‚Kreuzzug nach dem gelobten 
Lande unter grofsem Gefolge seiner Paladine zu unternehmen. Und schon in 
der Osterwoche des Jahres 1190 bewirkte er bei Gallipoli die Ueberfahrt nach 
Asien, das .er num zum zweiten Male betrat, da er den Kreuzzug mit seinem 
Onkel Konrad 111. als Jüngling: mitgemacht hatte, drang siegreich vor, bis er 
nach. 38 jähriger glorreicher Regierung beim Ueberschreiten des Flusses Saleph') 
an einem Sonntage, am 10. Juni 1190 a. St., eines jähen Todes starb. . Es ist 
nicht zu beschreiben, welche unendliche Trauer dieses das Reich schwer be- 
treffende Ereignifs nicht nur in der ganzen Christenheit, sondern in der ganzen 
Welt hervorbrachte; denn mit ihm schied ohne Zweifel der gröfste Herrscher 
seiner Zeit und einer der‘ edelsten Menschen. Zur Charakterisirung Friedrichs 
mag hier die Aeußerung eines deutschen Geschichtsschreibers?) eine Stelle finden, 
welche uns zugleich eine Anknüpfung an den Gegenstand unserer heutigen Fest- 
betrachtung bietet. 
„Kein deutscher Kaiser hat seine Stellung grofsartiger 
aufgefafst, als Friedrich Barbarossa, wenn auch seine Ziele 
über die Wirklichkeit der Dinge hinausgingen; erhebend 
und veredelnd hat er auf sein Volk gewirkt, dessen schönste 
Zeit in Sitte, Poesie, Bildung und fröhlichem nationalem 
Leben mit ihm anbricht. Darum trug das Volk die unsterb- 
liche Idee des Kaiserthums auf diesen Helden über, weil er 
sie im Leben am würdigsten darstellt, und die ewige Sehn- 
sucht nach einem wahren echten Kaiser, der das Heil der 
Welt schaffen sollte, knüpfte sich unmittelbar an die Hoff- 
nung einer einstigen Wiederkehr des Barbarossa. Die tiefe 
Sehnsucht unseres Volkes ist in unseren Tagen in Erfüllung 
gegangen.“ 
Dieser echte, wahre Kaiser ist in unseren Tagen zum Heile Deutschlands 
und der Welt in Wilhelm dem Grofsen erstanden: Jahrhunderte mufsten ver- 
gehen, Jahrhunderte traurigster Zerrüttung Deutschlands, bis der Tag der Er- 
füllung anbrechen sollte. Lassen Sie uns unseren geschichtlichen. Rückblick — 
wie immer flüchtig — noch etwas weiter verfolgen! Auf Friedrich den Rothbart 
folgte sein hochbegabter, nur 25 Jahre zählender Sohn als Heinrich V1., ein 
Mann, der alle Eigenschaften besafs, um die hohen Ziele seines Vaters in 
würdiger Weise zu verfolgen. Schwächlichen Körpers, und darin nicht dem 
Vater gleich, erlag er schon nach fünf Jahren der Regierung einer tückischen 
Krankheit in Italien?) (28. September 1197), und nun beginnt schon eine Zeit 
der Wirren und Greuelthaten, bis im Jahre 1215 Heinrichs Sohn soweit erstarkt 
war, dafs er das Banner des Reiches zu führen vermochte, Friedrich II. war 
ein Mann von hohen‘ Charakter- und Geisteseigenschaften; aber da er den 
Schwerpunkt seiner politischen Thätigkeit nach Italien verlegte, den deutschen 
Verhältnissen immer fremder wurde, so sank des Deutschen Reiches Herr- 
lichkeit durch Uneinigkeit der Fürsten immer tiefer herab, so dafs, als er im 
Jahre 1250 aus. diesem Leben abberufen wurde, das unglückselige Interregnum, 
„die kaiserlose, die schreckliche Zeit“, folgen konnte, das erst vier Jahre, nach- 
dem sein Enkel Conradin in Neapel auf dem Schaffot gestorben, ein Ende er- 
veichte, indem Rudolph von Habsburg 1272 in Aachen als deutscher König 
gekrönt wurde. Seine Regierung bildete einen Ruhe- und in gewissem Sinne 
einen Glanzpunkt, wenn auch nicht ohne Kämpfe, in dem vielbewegten Leben 
der deutschen Nation. Allein es waren die einzelnen Fürsten während der 
1) Giesebrecht: „Die Zeit Kaiser Friedrich des Rothbarts“, Zwölftes Buch, S. 281; hier 
sind die näheren Umstände des traurigen Ereignisses angegeben. 
2) Stacke, „Deutsche Geschichte“, Band I, S. 464. Auch Giesehrecht zollt in seiner 
Geschichte dem grofsen Kaiser wärmste Verehrung und zeichnet sein Bild in markigen Zügen. 
/S. 283, Zwanzigstes Buch.) 
3) Friedrich I. war verheirathet mit der edlen Kaiserin Beatrix von Burgund, die ihm 
fünf Söhne gebar, wovon Heinrich der zweite war, (Giesebrecht, S. 261, Anmerkung.)
	        
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