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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1897.
ganzen Reihe der Herrscher des einstigen heiligen römischen Reiches bis zu
seinem Untergange unter der Wucht der gewaltigen, durch Napoleon I. gegen
dasselbe geführten Schläge als den würdigsten Erben der Kaiserwürde erscheinen.
Friedrich I. (der von 1152 bis 1190 in Deutschland herrschte), vereinigte eine
Machtfülle in seiner Person, wie kein deutscher Kaiser seit Karl dem Grofsen
vor ihm und sicherlich keiner nach ihm bis auf Wilhelm I. Erst 31 Jahre alt,
als er zum Kaiser gewählt wurde (5. März 1152 a. St.), schied er in vollem
Glanze nach einem Leben, reich an Heldenthaten, als 70jähriger Greis aus dem
Leben. Was seine Regierung besonders bedeutsam erscheinen läfst, das ist die
Art und Weise, wie er die Grofsen des Reiches, die mächtig sich zu entwickeln
begannen, allesanımt unter seinem weisen Scepter zu vereinigen verstand, theils
dureh Hochherzigkeit und Güte, theils aber auch durch Demüthigung — man
denke dabei an den übermüthigen Welfen Heinrich den Löwen. Die Ge-
schichte seiner Zeit berichtet uns über seine sechs Römerzüge, in welchen
die Alpenübergänge oft mit grofsen Heerschaaren und unter enormen Schwierig-
keiten an verschiedenen Punkten ausgeführt worden sind. Der erste dieser
Züge galt der Kaiserkrönung in‘ Rom (18. Juni 1155), wobei es. grofse
Kämpfe zu bestehen galt. Man mag sich hier daran erinnern, dafs zu jenen
Zeiten nicht nur bei der Gewinnung der Kaiserwürde der Widerstand des Ober-
hauptes der Kirche bewältigt werden musste, sondern dafs auch die in Rom noch
herrschenden Tribunen oft in blutigem Streite überwunden werden mußten.?)
Aber nicht nur die Kaiserkrönung veranlafste Friedrich zu den denkwürdigen
Zügen nach Italien, zur Festigung seiner Macht führte er langjährige und er-
bitterte Kämpfe — theils mit Glück, theils unter schweren Schicksalsschlägen —
mit der Lombardei, deren Krone er sich aufsetzte,“) ein Ereignifs, das seiner
hohen Bedeutung wegen durch drei Tage gefeiert wurde. Friedrich vernachlässigte
dabei die Interessen des Reiches in keiner Weise. So finden wir ihn rastlos
thätig, die kaiserliche Würde zu festigen, auf den verschiedenen Reichstagen,
unter welchen der in Regensburg 1156 abgehaltene eine besondere Bedeutung
durch zahlreiche wichtige Belehnungen deutscher Fürsten gewonnen hat. Der
Kaiser hatte vielfache Streitfragen mit dem Oberhaupte der Kirche®) auszutragen;
and ist es eine bemerkenswerthe Erscheinung, dafs seine weise Regierung es
dahin brachte, dafs die deutschen Bischöfe in ihrer grofsen Mehrheit zu ihm
hielten. Es fand dies den beredtesten Ausdruck auf dem zu Pfingsten 1165 in
Würzburg abgehaltenen Reichstage. Dieser Reichstag war in kirchlicher Hin-
sicht von höchster Bedeutung, da sich damals der Gedanke, eine deutsche
katholische Kirche zu gründen, regte, dessen Durchführung wesentlich aus Rück-
sichten auf die Verhältnisse in der Lombardei unterblieb. Aber Friedrich kommt
im weiteren Verlaufe seines thatenreichen Lebens des Oefteren auf diesen für
Deutschlaud so hochwichtigen Gedanken zurück. Wer aber vermag es zu er-
messen, wie sich die Geschichte unseres Vaterlandes bei der Verwirklichung
desselhen gestaltet haben würde?! Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, dafs
Friedrich für die lombardischen Städte und deren Rechte zuerst nur ein geringes
Verständnifs hatte und die Kämpfe mit denselben sich nur darauf zurückführen
lassen; erst als durch die Einwirkung seines weisen Reichskanzlers Rainald
v. Dassel*) eine richtige Würdigung der Bedeutung der lombardischen Städte
Platz gegriffen hatte, schwanden auch diese Schwierigkeiten und wurden die
Städte der Lombardei seine treuesten Bundesgenossen, ebenso wie Friedrich in
den freien Städten des Deutschen Reiches, deren Unabhängigkeit und Blüthe er
stets zu heben bemüht war, eine mächtige Stütze fand. Nachdem Friedrich im
Jahre 1184, nun ohne Heer, den sechsten Zug nach Italien, wo er mit Jubel
empfangen wurde, ausgeführt hatte, tritt er in eine neue KEnoche seiner glor-
)) Arnold von Brescia, der Tribune, hält zum Kaiser, wird von dem Papst mit dem Banne
helegt und endet auf dem Scheiterhaufen.
? Am 15. April 1155 8. St.
5) Es ist bezeichnend für die Würde, in welcher Friedrich dem Ohberhaupte der Kirche
zegenüber sehte Stellung bewahrte. dafs er eine energische Einsprache erhob. als der Papst in der
Belehnungsbulle von einem „Benefieinn“ sprach, da er von einer Wohlthat nichts wissen und das
Wort einfach als Lehen gedeutet haben wollte,
4) Rainald Graf v. Dassel, zuletzt Erzbischof von Cöln, starb wenig über 50 Jahre alt in
Boom an der Pest 1167 (Giesehrecht S. 338).