Von Port Hamilton nach Tshimulpo.
Von Port Hamilton nach Tshimulpo.
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Arcona“, Kommandant Kapt. z. S. SARNOW.
1. Wind und Wetter. Der Hafen von Port Hamilton wurde am
29, Mai 1896, 8"5”a, verlassen und die Rhede von Tshimulpo am 1, Juni,
2" 10" p, erreicht. Beim Auslaufen wehte leichter westlicher Wind, der bis
zum Mittag des nächsten Tages anhielt und‘ Stärke 4 nicht überschritt; der
Seegang war der Windstärke entsprechend. Bis 10 Uhr war das Wetter un-
sichtig, zum Theil nebelig, es klarte dann jedoch völlig auf. Das Barometer
schwankte, stand beim Auslaufen 750 mm, stieg dann stetig und ‚erreichte seinen
höchsten Stand von 761,00 mm am 30., 4"a; darauf fiel es wieder und stand
beim Einlaufen in Tshimulpo 755 mm. Es wurde der Weg durch die Inselgruppen
zwischen dem Festlande und Quelpart gewählt und bei schönem Wetter abends
3 Uhr noch die Lyra-Insel gesichtet. Um 9"30“p trat plötzlich. dichter Nebel
ein, der 26 Stunden, . bis 1120” p des nächsten Tages, anhielt und meist so
stark war, dafs kaum eine halbe Seemeile weit gesichtet werden konnte, Eigen-
thümlich war die Erscheinung, dafs der Nebel nur in einer gewissen Höhe auf
dem Wasser lag, während der Himmel völlig klar blieb,
Da der Strom bis zu einer Stärke von 5 Knoten nördlich setzen konnte,
wurde um 9° 45" p SWzW-Kurs aufgenommen, um aus den Inselgruppen heraus-
zulaufen. Am nächsten Morgen, 8"a, stand das gegifste Besteck frei von den
Inseln, es wurde daher mit kleiner Fahrt von 8a bis 1*40”p Nord gesteuert
and dann, da es nicht aufklarte und das Schiff etwa 10 Sm südlich von Ross
Island stehen mußte, wieder SWzW bis 8 Uhr abends mit kleiner Fahrt gesteuert.
Von 8" bis 12" 45" wurde West angelegen. Da es noch immer nicht aufklarte,
war jetzt die Absicht, auf alle Fälle, auch unter den ungünstigsten Strom-
verhältnissen, westlich von den Inseln Raum zu gewinnen und dann Nord zu steuern.
Um 12° p klarte es plötzlich auf, so dafs das Besteck aufgemacht werden konnte,
welches einen Schiffsort westlich von den Inseln ergab, welcher mit der Logge auf
ca 2 Sm übereinstimmte. Das Wetter blieb nun bis zum Ankern gleichmäfsig
schön, und gegen 3" 30" a den 1. Juni kamen die Clifford-Inseln in Sicht,‘ und
von da ab wurde mit 9 Sm Fahrt durch den East Channel auf Tshimulpo-Rhede
gesteuert.
2. Stromverhältnisse. Die auf der Reise gemachten Beobachtungen
ergaben gegen Segelanweisung und Karten nichts Bemerkenswerthes. : Beim
Passiren der Bate Group setzt‘ der Strom sehr stark auf Land zu, und es
empfiehlt sich, die Whale-Insel nicht zu nahe zu passiren. .
Die in den Karten verzeichneten Stromstärken für den East Channel
scheinen etwas hoch veranschlagt zu sein, jedenfalls konnte an Bord, trotzdem
es kurz nach Vollmond war und das Schiff die ganze Ebbe gegenan hatte, kein
wesentlicher Strom festgestellt werden; der Strom setzt durchaus in der Richtung
des Fahrwassers. Das „Arbeiten“ des Wassers machte sich beim Kentern des
Stromes aufserordentlich bemerkbar. Selbst aus Tiefen von 70 m wurden an
gröfseren Stellen starke Schlickmengen nach oben gearbeitet und zwar oft an
solchen Stellen so stark, dafs man die Erscheinung einer blinden Klippe zu haben
glaubte.
38. Die Angaben der Segelanweisung können durchaus als gut und noch
jetzt zutreffend bezeichnet werden, Die Peilungen sind sämmtlich scharf, nur
ist zu erwähnen, dafs das Ausmachen der Baker- und Warren-Insel nicht leicht
ist. . Die Vertonung der Ansteuerung der Warren-Insel in Deckung mit dem
Clump auf Jung Hung Do ist nicht besonders günstig, es empfiehlt sich, genau
in den angegebenen Kurs zu laufen. Die Vertonung täuscht leicht durch die links
in der Ansicht gelegenen Inseln. Die Bake auf North Watcher Island: soll
ein Steinkegel sein, welcher schachbrettförmig schwarz und weifs gemalt ist; von
der Farbe ist jedoch nichts mehr zu erkennen, Die in den Karten angegebenen
Höhen der Berge stimmen auf das Genaueste, und ist die Abstandsbestimmung
durch Höhenwinkelmessung sehr zu empfehlen. * .
Die Passage durch den East Channel hat den entschiedenen Vorzug, dafs
man bei ‚unsichtigem Wetter stets Ankergrund hat, was bei der Passage durch
den Flyine Fish Channel wegen der grofsen Wassertiefen nicht der Fall sein dürfte.